„Hier ist doch sonst nichts!“ - Schürener fürchten um ihre Nahversorgung

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Macht von außen kleinen guten Eindruck mehr. Aber nicht nur darum schließt der Rewe-Markt zum Ende diesen Monats.
 
Die Schürener sind eine starke Gemeinschaft: Renate Schlüter, Stefanie Bielemeier, Herma Wolf, Ulla Hirsch und Rüdiger Pelzer fürchten gemeinsam mit mittlerweile fast 500 anderen Schürenern um ihre Nahversorgung.
Dortmund: Schüren |

Das Schürener Wohngebiet zwischen Bergmeisterstraße und Emscher ist eine auf dem Reißbrett geplante Siedlung mit „Komplettausstattung“: Kirchen, Sportplatz - und einem Einkaufszentrum, das seit den 60er Jahren die Nahversorgung der Anwohner sicherte. Doch nun schließt der letzte verbliebene Lebensmittelmarkt. Eine Katastrophe vor allem für die älteren Schürener.

„Ich war richtig erschrocken, als ich hörte, dass der Rewe-Markt schließen soll“, erinnert sich Renate Schlüter. Anfang Dezember war das, und inzwischen ist aus dem Gerücht Gewissheit geworden.

Rückläufiger Kundenstrom“ und der schlechte bauliche Zustand des Marktes gehören mit zu den Schließungsgründen. „Der Markt hat einfach stark nachgelassen“, nimmt Herma Wolf frustriert kein Blatt vor den Mund. „Manchmal gibt‘s noch nicht einmal Klopapier, dazu undichte Kühltruhen und viel Dreck – da macht es auch keinen Spaß, einzukaufen.“ Doch warum auch immer der Markt letztlich schließt, der Verlust des letzten Lebensmittelmarktes in Schüren versetzt die Anwohner in Alarmstimmung.

Für jeden Einkauf 5 Euro für den Bus?


„In den 60er Jahren zogen viele Familien mit Kindern her, die Kinder sind inzwischen erwachsen und jetzt sind nur noch viele alte Leute da - so wie wir“, bringt es Stefanie Bielemeier auf den Punkt. „Und wir sind doch darauf angewiesen, zu Fuß zum Einkaufen zu kommen, hier ist doch sonst nichts. Und wir können es uns nicht leisten, jedes mal fünf Euro für den Bus zu bezahlen, wenn wir zum Beispiel ins Rodenberg-Center wollen“, so Renate Schlüter – auch im Hinblick darauf, dass immer wieder gefordert wird, alles dafür zu tun, dass Senioren so lange wie möglich in den eigenen vier Wänden bleiben können.

Fast 500 Unterschriften haben die engagierten Nachbarinnen inzwischen in der ganzen Siedlung gesammelt. Unterschrieben haben auch die noch im Einkaufszentrum verbliebenen Einzelhändler, die um ihren Quotenbringer fürchten.

Doch die Situation ist kompliziert, wie Rüdiger Pelzer vom Seniorenbeirat der Stadt Dortmund weiß: „Die Parzellen des Einkaufszentrums gehören alle unterschiedlichen Besitzern, die die Immobilien eher als Abschreibungs- denn als Investitionsobjekt halten. Und auch der Flächennutzungsplan macht hier sehr enge Vorgaben was bauliche Veränderungen oder Flächenerweiterungen angeht“, so Pelzer.

Der Politik ist das Problem bekannt


Immerhin sollen die Schürener mit dem Problem nicht allein gelassen werden. „Wir wissen um die Situation in Schüren und wir sehen auch die Notwendigkeit, hier etwas zu tun“, verkündet Bezirksbürgermeisterin Barabara Blotenberg und macht Hoffnung auf eine baldige Lösung - zumindest eine Zwischenlösung.

„Wir als politische Vertreter können natürlich nicht als Investoren auftreten, doch wir können uns darum kümmern, dass die Schürener auch weiterhin Zugang zu einer kompletten Nahversorgung erhalten“, so Blotenberg. So arbeitet man zur Zeit gemeinsam mit der Verwaltung an einer Übergangslösung, „wir entwickeln zum Beispiel ganz konkret einen Bringservice, vielleicht in Zusammenarbeit mit der Caritas, außerdem werden wir uns die Wegeverbindungen Richtung Rodenberg-Center anschauen, damit hier die Erreichbarkeit etwas verbessert wird.“

Doch auch an einer langfristigen Lösung ist man sehr interessiert: „Das Einkaufszentrum hat viel Potential, es müsste einfach mal richtig investiert werden und ein Gesamtkonzept entwickelt werden“, so Blotenberg, „auch dafür werden wir uns vehement einsetzen!“
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Karsten Voß aus Schwerte | 20.02.2015 | 22:20  
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