TU Dortmund untersucht Bildungsgerechtigkeit - Kein gutes Ergebnis für die Chancengleichheit

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Alle gleich? Nicht im deutschen Schulsystem. (Foto: D. Schütz/Pixelio.de)

Die Chancengerechtigkeit in den deutschen Schulsystemen macht zwar stetige, aber nur langsame Fortschritte. Das zeigt der Chancenspiegel, den die Bertelsmann Stiftung mit der Technischen Universität Dortmund und der Friedrich-Schiller-Universität Jena jetzt veröffentlichte.

Weniger Jugendliche verlassen die Schule ohne Abschluss, und der Anteil der Hochschulzugangsberechtigten steigt. Der Bildungserfolg jedoch ist nach wie vor stark von der sozialen Herkunft abhängig. Neuntklässlerinnen und Neuntklässler aus höheren Sozialschichten haben in Mathematik bis zu zwei Jahre Vorsprung vor ihren Klassenkameradinnen und Klassenkameraden aus bildungsferneren Familien.

Der Chancenspiegel analysiert jährlich, wie gerecht und leistungsstark das jeweilige Schulsystem der Bundesländer ist


Bildungsforscherinnen und Bildungsforscher vergleichen dafür die Durchlässigkeit der Schulsysteme sowie die Möglichkeiten der Schülerinnen und Schüler, sich gut ins Schulsystem zu integrieren, fachliche Kompetenzen zu entwickeln und gute Abschlüsse zu erhalten. Die diesjährige Studie bestätigt, dass die Unterschiede zwischen den Bundesländern groß sind, aber kein Land in allen Bereichen Spitze oder Schlusslicht ist. Neu und im Ausmaß überraschend ist, dass Bildungschancen auch innerhalb der einzelnen Bundesländer regional höchst ungleich verteilt sind.

Die bundesweit positiven Trends


Seit dem Vorjahr sank erneut der Anteil der Schulabgängerinnen und Schulabgänger ohne Hauptschulabschluss. Verließen 2011 noch 6,2 Prozent der Jugendlichen die Schule ohne Abschluss, waren es 2012 nur noch 6,0 Prozent.

Gestiegen ist hingegen der Anteil der Jugendlichen, die die Fachhochschul- bzw. Hochschulreife erlangten. 2011 gelang dies 51,1 Prozent der Schulabgängerinnen und Schulabgänger, 2012 bereits 54,9 Prozent.

Geringe Fortschritte stellt der Chancenspiegel bei schulischen Ganztagsangeboten fest. 2012 besuchten 32,3 Prozent der Schülerinnen und Schüler eine Ganztagsschule. Dieser Anteil hatte 2011 bei 30,6 Prozent gelegen. Der insgesamt langsame Ausbau deckt bei weitem nicht die Nachfrage der Eltern nach Ganztagsplätzen, die bei 70 Prozent liegt. Im gebundenen Ganztag – also in Schulklassen, die über den gesamten Tag gemeinsam als Klassenverband unterrichtet werden – lernen lediglich 14,4 Prozent der Schülerinnen und Schüler.

Genau diese Ganztagsform, so die Bildungsforschung, bietet jedoch gute Rahmenbedingungen, alle Schülerinnen und Schüler individuell optimal zu fördern. Der gebundene Ganztag kann potenziell am ehesten die Nachteile der Kinder ausgleichen, die in ihren Familien nur geringe Unterstützung erfahren. Jörg Dräger, Vorstand der Bertelsmann Stiftung, fordert deshalb einen erheblich schnelleren Ausbau der Ganztagsangebote: „Ein Rechtsanspruch wäre der entscheidende Hebel, damit genügend Ganztagsschulen eingerichtet und bessere Konzepte entwickelt werden.“

Zwischen Fortschritt und Stagnation sieht der Chancenspiegel die Teilhabechancen von Schülerinnen und Schülern mit Förderbedarf. Zwar gehen immer mehr Kinder und Jugendliche mit Förderbedarf auf eine Regelschule, der Anteil der Sonderschülerinnen Sonderschüler jedoch bleibt konstant. „Dieses Doppelsystem schließt nach wie vor fast fünf Prozent aller Schülerinnen und Schüler vom Regelschulsystem aus. Außerdem bindet es wichtige Ressourcen, die für guten inklusiven Unterricht in den Regelschulen gebraucht werden“, sagt Dräger.
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