Blume der Liebe

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Blume der Liebe - fotografiert von Roger Sponheimer

eine wahre Geschichte ...



Vor vielen, vielen Jahren wanderte ein Mann über karge Felder und steinige Wege. Seine dunkle Gestalt bildete einen krassen Kontrast zum sonnengetränkten Frühlingshimmel, an dem winzige Schäfchen ihren Schabernack trieben. Sie kümmerten sich nicht um den einsamen Wanderer, dessen tief herunter gezogene Kapuze jeglichen Blick in sein gesenktes Gesicht verwehrte. Sie tollten weiter über die Himmelswiese und freuten sich ihres jungen Lebens.

Der Mann schien sich für nichts, außer für seine kruden Gedanken, zu interessieren. Ein Eigenbrötler, dem man besser aus dem Wege ging und nicht ansprach. Jemand, der in der hastenden Meute auf der Jagd nach Erfolg und Macht nichts verloren hatte.

Alfons hieß er. Sein Alter ließ sich schwer schätzen. Dafür war sein Aussehen zu widersprüchlich. Junge Augen, die wach und gleichzeitig müde Blicke schweifen oder ruhen ließen, in einem zerfurchten Gesicht. Fragte man, wüsste er es wohl selbst nicht. Er hatte den Tag seiner Geburt gestrichen. Weil er sonst nicht leben konnte.

Alfons hatte ein Ziel bei seiner Wanderung durch die wintermüde Natur, das er in wenigen Minuten erreichen würde. An dem er sich einen lang gehegten Wunsch erfüllen konnte. Tief in seiner Tasche trug er einen zarten Sämling, den er dort einsetzten wollte, damit er wuchs und gedieh. Er würde der Gärtner sein, den er tief in seinem Herzen verschlossen hielt. Ein Heger und Pfleger.

An einem windgeschützten hellen Ort, einem Ackerrain, buddelte er mit seinen Händen ein Loch, in das er den Grünling pflanzte. Behutsam und sorgfältig schob er die aufgewühlte Erde wieder um ihn herum und begoss ihn mit Wasser aus seiner blechernen Trinkflasche. Alfons verweilte noch lange an dieser Stelle und hielt stumme Zwiesprache mit ihm. Fürbitten, die tief in seiner Seele an die Oberfläche wollten. Wie der zarte Halm, der sich der Sonne entgegen reckte. Erst als die einsetzende Dämmerung die Schäfchen über ihm in den Stall scheuchte, wanderte er zurück. Zurück in die Einsamkeit. Und doch glomm ein Funken Hoffnung in ihm. Hoffnung, dass das Pflänzchen wächst und gedeiht...

Und so geschah es. Es gingen noch Jahre über das Land, in denen die Zeiten wechselten und die Natur ihren Lauf nahm. Trotz Schnee und Eis, Regen und Hagel, Sonne und Wind wuchs die Pflanze zu einer prächtigen Blume heran. Eine Blume bunt wie das Leben. Stark wie eine Eiche mit tiefen Wurzeln. Mit einem großen Blütenspiegel, der täglich Nektar spendete und nachts das Sternengefunkel über sich einfing. Von einem Menschen voller Hoffnung gepflanzt und zu einem Wunder heran gewachsen. Dem Wunder der Liebe.

Wer sie findet, darf sie pflücken. Sie wächst nach. Wer an sie glaubt, für den lässt sie am Tage die Sonne lachen und in der Nacht die Sterne leuchten.

Genauso bunt wie das Leben und die Liebe …




Text und Bilbearbeitung © Doris Sponheimer
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3 Kommentare
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Christiane Bienemann aus Kleve | 08.11.2014 | 13:32  
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Doris Sponheimer aus Düsseldorf | 08.11.2014 | 14:04  
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Gertrud Gottschalk aus Datteln | 30.11.2014 | 21:44  
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