BÜCHERKOMPASS: Op Jück am Niederrhein

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Diese Lokomotive steht vor dem Restaurant im ehemaligen Bahnhof von Brüggen.
Da ich als gebürtiger Düsseldorfer oft am Niederrhein „op jück“ war und bin, habe ich das Buch von Birgit Poppe und Klaus Silla mit Interesse gelesen. Viele Stellen, an denen ich schon selbst war, habe ich wiederentdeckt in diesem Buch. Und da sind mir gleich Fehler aufgefallen. Ich will es mal an zwei Beispielen zeigen: Wer im Japanischen Garten im Düsseldorfer Nordpark das EKO-Haus sucht, wird es dort bestimmt nicht finden. Denn tatsächlich liegt es auf der anderen Rheinseite im Stadtteil Niederkassel. Ich habe den Verlag dazu angeschrieben und auch eine Antwort erhalten: In einer Zweitauflage wird der Text geändert. Und dann noch ein Fehler in Mönchengladbach bezüglich des Skulpturengartens. Der Garten öffnete nicht erst 2002 zur EUROGA, sondern wurde bereits von Hans Hollein mit dem Museum Abteiberg geplant und angelegt, 2002 kamen im Rahmen der EUROGA lediglich neue Kunstwerke hinzu.

Freizeitführer mit Schwächen

Bei einem Buch, das von Einheimischen geschrieben ist - Birgit Poppe ist in Kleve geboren, Klaus Silla in Duisburg, erwartet man eigentlich gründliche Kenntnisse der Heimatgeschichte und der geographischen Gegebenheiten. Andererseits habe ich mich gefreut, hier das Mühlenmuseum in Dinslaken, Burg Linn und die Museumseisenbahn „Schluff“ in Krefeld oder die Burg Brüggen sowie das Restaurant im alten Brüggener Bahnhof wiederzufinden. Die Autoren präsentieren im Buch 66 ihrer Lieblingsplätze, so richtige Geheimtipps sind meiner Meinung nach aber nicht darunter. Etwa, von der Dalheimer Mühle, den Sehenswürdigkeiten in Wassenberg, den Premiumwanderwegen im Naturpark Maas-Schwalm-Nette oder der Museumsbahn „Selfkantbahn“ erfährt man hier nichts. Auffällig ist, dass zu Duisburg sehr viel geschrieben steht, die Heimat einer der beiden Autoren, dort kennt sich Klaus Silla aus. 11 Einkehrtipps sind etwas mau. Als Essenstipp wird unter anderem ein Grillwagen in Kevelaer genannt. Da kenne ich von meinen Wanderungen ganz andere Lokalitäten, die nicht unbedingt teuer sind.

Was noch auffällt, bei der Nennung unseres westlichen Nachbarn kann man sich nicht richtig entscheiden: Einmal heißt es da „Niederlande“, viel öfter „Holland“ oder „holländisch“. Holland ist aber nur eine Provinz der Niederlande und noch nicht einmal die, die an den Niederrhein grenzt, denn das ist die Provinz Limburg. Die Stadt Nijmwegen wird im Text als Nimwegen bezeichnet, in der Karte aber steht Nijmegen. Ich finde, hier sollte man sich für die niederländische Schreibweise entscheiden.

Fotos enttäuschen

Von den Fotos war ich ziemlich enttäuscht. Schloss Moyland versteckt sich hinter Bäumen, viele Fotos von Gebäuden sind von unten herauf geschossen mit den unvermeidlichen stürzenden Linien. Das hätte man besser machen können. In einem Buch, das Lieblingsplätze präsentiert, erwartet man eigentlich tolle Fotos. Eins der Besseren ist noch das auf dem Titel.

Zum Schreibstil des Buches ist anzumerken, dass die Autoren hier „liebevoll, informativ und unterhaltsam“ die Lieblingsplätze ihrer Heimat vorstellen wollen. Das wirkt mitunter etwas schräg wie auf Seite 33. Dort heißt es zum Draisinenbahnhof in Kranenburg: „Ein Fahrzeug, das nur durch Muskelkraft angetrieben wird, gleitet fast lautlos über die Schienen. Wer hat’s erfunden? Nein, nicht die Schweizer – Karl Drais stellte zunächst eine Laufmaschine vor, aus der er später die nach ihm benannte „Draisine“ entwickelte. Damals als Arbeitsgerät konzipiert, dient es heute vornehmlich dem Freizeittourismus…“
Oder der Text zum Mühlenmuseum in Dinslaken beginnt mit dem Satz: „Es klappert die Mühle am rauschenden Bach – unwillkürlich drängt sich beim Anblick der historischen Wassermühle dieses aus der Romantik stammende Kinderlied auf.“


Fazit: Kein Buch für den Rucksack

Gut fand ich, dass bei den Ausflugstipps neben der Anschrift und Telefonnummer eine Internetadresse genannt wird. Allerdings hätte man diese Angaben besser vor den Text gestellt oder ans Ende, anstatt diese Textzeilen in die Bilder zu setzen. Mir gefällt nicht, dass man den Text hier in Großbuchstaben und in fett gesetzt hat. Die Schriftgröße dieser Infozeilen ist mir zu klein. Hinweise zur Anreise mit Bus und Bahn gibt es nicht, da ist man auf die eigene Recherche im Internet angewiesen. Mit 189 Seiten ist das Buch auch vom Format her nicht handlich genug, um als Freizeitführer im Rucksack Platz zu finden. Es ist denn auch mehr ein Lesebuch, bei dem man Anregungen bekommt und seine Touren zu Hause im Detail planen muss. Die Autoren beschreiben laut Philosophie der Reihe ihre ureigenen Lieblingsplätze, die müssen nicht jedem gefallen. Jedenfalls kann das Buch so nur einen Querschnitt der vielen Sehenswürdigkeiten am Niederrhein liefern. So richtig überzeugt hat mich dieses Buch nicht. Im Buchhandel gibt es eine Reihe von Alternativen.

Birgit Poppe/Klaus Silla: Op Jück am Niederrhein
66 Lieblingsplatze und 11 mal lecker essen
189 Seiten, broschiert.
Gmeiner-Verlag, 1. Auflage 2013
14,99 €
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3 Kommentare
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Klaus Wurtz aus Rheinberg | 26.05.2013 | 12:02  
61.236
Bruni Rentzing aus Düsseldorf | 12.06.2013 | 22:15  
5.166
Elke Schumacher aus Heiligenhaus | 19.06.2013 | 11:12  
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