Düsseldorf: 1000 Bürger gegen das Turbo-Abi

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Eltern und Schüler sammeln Unterschriften in Düsseldorf.

Auch diese Woche waren wieder Sammler unterwegs, um Unterschriften für das Bürgerbegehren zur Rückkehr zu einem Abitur nach 13 Schuljahren zu sammeln. Alleine in Düsseldorf trugen sich 1000 Bürger in die Unterschriftenlisten ein. Gerade vor der Landtagswahl herrscht großer Frust: Keine der etablierten Parteien respektiert in ihrem Wahlprogramm für die anstehenden Landtagswahlen den Wunsch von 80% der Bürgerinnen und Bürger in NRW nach einer Rückkehr zum Abitur nach 13 Schuljahren. In Bayern hingegen wurde diese Rückkehr soeben beschlossen. Und Niedersachsen hat 2015 vorgemacht, dass eine Rückkehr zu G9 problemlos möglich ist. In Schleswig-Holstein erzielte die CDU, die sich dort für G9 eingesetzt hatte, einen überraschenden Wahlsieg. Statt aber eine Rückkehr zu G9 bieten die etablierten Parteien in NRW lediglich unrealistische „Mogelpackungen“ unter dem Label „Wahlfreiheit“ an, die aber kaum durchdacht sind. Beispielsweise würden sie allesamt nicht dazu führen, dass der verpflichtende Nachmittagsunterricht wieder weg fällt.

Durch die Schulzeitverkürzung entfällt Raum für individuelle Persönlichkeitsentwicklung – traditionell eine Stärke des deutschen Bildungswesens. Sportvereine, Musikschulen, Träger sozialen Engagements: alle beklagen das zunehmende Fernbleiben von Schülern am Nachmittag. Hinzu kommt, dass durch das Verteilen des 13 Schuljahrs auf die vorangegangenen die Stundenlast der Schüler steigt. Der pädagogische Effekt ist umstritten, zunehmendes Bulimielernen statt Zeit für Reflektion und Reife sind die Folge. Die Belastung für Schüler und ihre Familien steigt. Und wofür? Vielleicht dafür, dass junge Menschen ein Jahr früher in die Rentenkasse einzahlen können.

In Verbund mit dem anschließenden Bologna-System (dreijähriger Bachelor als Bildungsabschluss) beklagt sich anschließend die Industrie, unreife und unselbständige 20 jährige Absolventen kaum im Berufsleben einsetzen zu können. Nach einem verschulten Studium und ohne Praxiserfahrung müssen die Absolventen nun zusätzlich im Unternehmen ausgebildet werden. Der Wettbewerbsvorteil besser ausgebildeter Diplomanden, von dem Deutschland lange gezehrt hat, verschwindet, bei gleichzeitiger Absenkung der Lebensqualität von Schülern und Eltern.
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