Rauchende Köpfe wegen blauer Plakette

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Handwerksunternehmer Kai Schwenzer (Mitte) hat gerade erst seinen Fuhrpark modernisiert. Kreishandwerksmeister Thomas Dopheide (l.) und Kammerpräsident Andreas Ehlert vor einem Erdgasfahrzeug.

Mit Unverständnis und großer Sorge blickt das Düsseldorfer Handwerk auf ein mögliches Fahrverbot für Dieselfahrzeuge. Die Empfehlung des Düsseldorfer Verwaltungsgerichts, ein Verbot von Dieselfahrzeugen im Stadtgebiet bis Oktober 2017 zu prüfen, hat das Handwerk mächtig verunsichert. Insbesondere deshalb, weil die Handwerksbetriebe gerade erst ihren Fahrzeugpark erneuert hatten, um mit grüner Plakette weiter in die Umweltzonen fahren zu können. »Das Verbot von Dieselfahrzeugen in so kurzer Zeit wäre eine halbe Enteignung«, sagte Axel Fuhrmann, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Düsseldorf.

Stadt muss bis 2017 Stickoxid-Emissionen verringern

Das Verwaltungsgericht Düsseldorf hatte die Landeshauptstadt vor wenigen Wochen verurteilt, ihren Luftreinhalteplan aufgrund anhaltender Stickstoffdioxid-Überschreitungen binnen Jahresfrist zu verschärfen. Dabei steht auch ein Fahrverbot für Dieselfahrzeuge im Raum – und zwar nicht nur für Düsseldorf, da die Landesregierung auf dem Wege der Sprungrevision gegen das Urteil die Rechtsgrundlage dafür nunmehr höchstrichterlich klären lassen will. Das Handwerk hatte seinen Fuhrpark im Zuge der Einführung der Umweltzonen bereits unter erheblichen Anstrengungen modernisiert und teils auf Euro-5/V-Standard gebracht, erklärte Kammerpräsident, Andreas Ehlert am Montag vor Journalisten. 80 Prozent der Handwerkerflotte sind mit Dieselmotoren ausgestattet – „auch deshalb, weil nur wenige Hersteller bislang gas- oder elektrobetriebene Nutzfahrzeuge anbieten“, so Ehlert.

Auch der Handwerksbetrieb für Heizung, Klima und Sanitär von Kai Schwenzer in Düsseldorf-Derendorf wäre von einem Fahrverbot betroffen. Schwenzer beschäftigt 30 Mitarbeiter, er hat 13 Fahrzeuge: Vier sind mit Erdgas betrieben, der Rest sind – teils funkelnagelneue Dieselfahrzeuge. Würde die Bezirksregierung der Empfehlung folgen, müsste Schwenzer einen Großteil seines Fahrzeugparks austauschen. »Ein Caddy kostet 30.000 Euro, ein VW-Transporter 35.000 Euro, ein Austausch ist kurzfristig ohne wirtschaftliche Schäden nicht machbar«, sagte er. Dieselfahrzeuge seien im Hinblick auf den optimalen Verbrauch die derzeit immer noch bessere Anschaffung. Im Hinblick auf die Beschlüsse des Grünen-Parteitags in Münster, Verbrennungsmotoren bis 2025 gänzlich zu verbieten, wären auch die Erdgasfahrzeuge des Unternehmens betroffen und müssten aus dem Verkehr gezogen werden. »Ich würde gerne auf Elektrofahrzeuge umstellen. Dafür braucht es aber erst einmal entsprechend ausgestattete Handwerkerfahrzeuge vom Sprinter-Typ, und viel mehr Stromtankstellen,“ sagte der umweltbewusste Firmenchef.

»An Willen zur Umrüstung mangelt es im Handwerk nicht, aber der Markt und die Betriebe brauchen Zeit – und mehr Investitionssicherheit, als die Politik bislang geboten hat«, betonte der Kammerpräsident. In Düsseldorf gebe es 4000 Handwerksunternehmen mit etwa 25.000 Dieselfahrzeugen. Ebenso seien von dem Verbot viele Pendler betroffen, die mit ihren Fahrzeugen dann nicht mehr nach Düsseldorf fahren könnten, warnt Ehlert. 100.000 Diesel gibt es in der Stadt, genauso viele kommen als Pendlerfahrzeuge täglich herein.

Auch Stadt und Rheinbahn sind gefordert

Die Handwerkskammer empfiehlt ihrerseits ein Maßnahmenbündel, um die Stickstoffdioxidbelastung in den betroffenen Städten abzusenken. »Eine zügige Umrüstung der Rheinbahn-Busse und der Fahrzeug-Flotte der Stadt und Stadtwerke auf Batterie- und Wasserstoffhybrid-Antrieb und die Umstellung des ruhenden Schiffsverkehrs auf Stromversorgung seien geeignet bis zu 20 Prozent der derzeit Stickoxide-Emissionen zu reduzieren, wurde Ehlert konkret. »Alleine die 200 Linien-Dieselbusse erzeugen ein Siebtel des Stickoxidaufkommens an den Kulminationspunkten der Belastung.« Stadt und Rheinbahn könnten beim Kauf und der Umrüstung ihrer Fahrzeuge auf alternative Antriebsaggregate mit den Verkehrsunternehmen anderer Großstädte zusammenarbeiten – etwa in Form gemeinsamer Beschaffungsaufträge oder im Rahmen eines Einkaufverbunds.
Das Handwerk fordert daher schnelle praktikable und finanzierbare Lösungen, »Wir brauchen Verlässlichkeit, Übergangsfristen und Ausnahmeregelungen. Die Investitionen in den Fahrzeugpark sind erheblich«, sagte Ehlert. Insbesondere kleinere Betriebe belaste dies in unverhältnismäßiger Weise, ergänzte Kammer-Hauptgeschäftsführer Axel Fuhrmann. Kleine Betriebe seien dadurch von Insolvenz bedroht.

Kreishandwerksmeister Thomas Dopheide brachte es auf den Punkt: Wenn man das Handwerk aussperre, dann »können wir nicht mehr liefern.« Der Dumme wäre dann der Kunde und die Stadt, die sich um ihre Gewerbesteuer noch mehr Sorgen machen müsste.
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