Waldschänke in Vennhausen vorläufig gerettet

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So sehen Sieger aus. Die Bürgerinitiative "Erhalt der Waldschänke in der Siedlung Freiheit" fand in der Bezirksvertretung 8 Gehör. Der Abriss des Hauses ist vorläufig ausgesetzt.

Teilerfolg der Bürgerinitiative gegen Abriss: Der Saal des Rathauses in Eller ist zum Bersten voll. Überwiegend Bürger der Initiative zur Rettung der Waldschänke in Vennhausen haben sich dort versammelt, um der Abstimmung der Bezirksvertretung 8 beizuwohnen. Trotz bereits bestehender Resolution gegen den Abriss des ursprünglich als Gastronomiebetriebes ausgewiesenen Hauses, wollten Oberbürgermeister Thomas Geisel und seine SPD in der Bezirksvertretung einen Luxusneubau genehmigen. Der Beschluss ist als Rohrkrepierer nach hinten losgegangen. Mit der Ablehnung haben die Bürger nunmehr einen Teilerfolg verzeichnen können.

Was war passiert? Das wunderschön gelegene Haus am Eller Forst war viele Jahrzehnte Anlaufstation für die Menschen in der Enklave Siedlung Freiheit. In diesem Gartenlokal wurden Familienfeiern abgehalten, hier wurde getanzt und man begegnete Freunden. Außerdem war die Waldschänke ein wichtiger Punkt der Entstehungsgeschichte der Genossenschaft, die in diesem Teil der Stadt ihren Anfang nahm. Viele der Häuser wurden nach dem Krieg den Bewohnern zum Kauf angeboten, was auch die meisten realisierten.

Geschichte der Siedlung Freiheit


Im Jahre 1919 gründeten 152 Arbeiter gemeinsam mit dem Unternehmer und Gründungsvater Albert Schöndorff den Arbeiter Bauverein „Freiheit“. Albert Schöndorff, der Inhaber der Firma Gebrüder Schöndorff AG und späteren DÜWAG, war sich der angespannten Wohnungsnot in Düsseldorf nach dem ersten Weltkrieg bewusst. Er finanzierte die Gründung des Vereins, der der Wohnungsnot Abhilfe schaffen sollte.
Innerhalb von wenigen Jahren entstand mit seinen finanziellen Mitteln ein Wohnviertel, das heute noch in einer exponierten Lage in Vennhausen liegt. Auch die Mitgliederzahl nahm seitdem massiv zu. Waren es zur Gründerzeit mal knapp über 150 Personen, so verzeichnet der Verein heute rund 9000 Mitglieder. Eine Fusion mit anderen Bauvereinen ließ das heute bestehende Unternehmen WOGEDO Wohnungsgenossenschaft entstehen.

Soziale Nutzung statt Luxuswohnungen


Die Gaststätte, die nach Angaben der Bürger immer einen guten Zulauf hatte, wurde vom ehemaligen Pächter Ende 2011 vorzeitig geschlossen. Die WOGEDO soll angeblich vergebens versucht haben, einen neuen Pächter zu finden. Nach einer Begehung der Waldschänke durch den Aufsichtsrat der WOGEDO im März 2012 wurde Ende des Jahres 2012 entschieden, das Gelände hinter dem Rücken der Vereinsmitglieder zu verkaufen. Nicht die WOGEDO wollte hier ein Konzept für entsprechende Wohnungen entwickeln, sondern ein außenstehendes Unternehmen sollte hier eine renditeträchtige Anlage mit Eigentumswohnungen und Einfamilienhäuser entstehen lassen.

Parallel zur Gründung der Bürgerinitiative Erhalt der Waldschänke in der Siedlung Freiheit, sprach sich auch die Bezirksvertretung 8 gegen den Abriss aus. Gegen diesen Beschluss nahm nun der neue Oberbürgermeister Thomas Geisel von seinem Vetorecht Gebrauch und veranlasste, dass die BV 8 erneut darüber entscheiden sollte. Die SPD-Fraktion des Stadtteilparlaments fasste einen neuen Beschluss, der erneut über den Abriss entscheiden sollte. Neben der Sammlung von Unterschriften, suchte die Bürgerinitiative zwischenzeitlich auch ein Gespräch mit dem Oberbürgermeister, um ihn davon zu überzeugen, wie wichtig der Erhalt des Hauses Waldschänke ist. „Wir wünschen uns, dass die Waldschänke wieder Anlaufstelle für unser soziales Leben wird“, erklärt Rudolf Heyne von der Bürgerinitiative.
Es wird nicht unbedingt für den Erhalt der Gastronomie gekämpft. So könnten sich die Mitglieder der Bürgerinitiative durchaus auch ein Umnutzung, zum Beispiel den Betrieb einer Kindertagesstätte oder eines Seniorentreffes, vorstellen. „Damit könnte die Ertragskraft der WOGEDO als Eigentümerin erhalten bleiben“, meint Heyne. Die Weiternutzung des Geländes wäre unter dem Aspekt der gemeinschaftlichen Zweckverpflichtung gewährleistet. Der Nachhaltigkeit hinsichtlich historischer und sozialer Gründe würde ebenfalls Rechnung getragen.

Kein Verständnis


Die Initiative hält das Argument Oberbürgermeisters Geisel, „Düsseldorf braucht Wohnraum“ für inakzeptabel, zumal es hier nicht um billigen Wohnraum, sondern um den Bau von Luxuswohnungen und Reihenhäuser handelt. Die Bürger haben überhaupt kein Verständnis für das Verhalten des Oberhauptes der Stadt Düsseldorf, der sich trotz heftigster Gegenwehr der Anwohner, nicht von seiner Entscheidung abbringen lassen wollte. „Hier scheint eine so von ihm gelobte Bürgernähe, mit dem Gespür und Berücksichtigung eines demokratischen Bürgerwillens, erkennbar in der Versenkung gerutscht zu sein“, findet der Sprecher der Bürgerinitiative.

Die Entscheidung


Vor Beginn der offiziellen Sitzung der Bezirksvertretung 8 händigte Rudolf Heyne die Liste mit rund 400 Unterschriften dem Gremium aus. Nach einigen Vorträgen der Politiker, wie der CDU Fraktionsvorsitzenden Dagmar von Dahlen, die ein Erhaltungsinteresse ihrer Partei bekundet: „Für uns zählt Erhaltung und nicht Abriss!“ Sie meint weiter, dass der beabsichtigte Bau von Eigentumswohnungen und Häusern ein Aufweichen der Erhaltungssatzung ist. Ebenso erteilt Lutz Pfundner von den Linken dem neuen Beschluss eine Absage: „Ich habe hier moralische Bedenken.“ Nach seiner Auffassung verstößt der Oberbürgermeister gegen das Wohl der Stadt. „Und das Wohl der Stadt sind die Bürger und wir sind politisch dazu Verpflichtet, uns nach dem Wohl zu richten.“
Der Beschluss der SPD zum Abriss des Hauses Waldschänke wurde mit großer Mehrheit abgelehnt. Ein großer Erfolg für die Demokratie, in der Sache jedoch nur ein Teilerfolg.
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Angelika Kroupa aus Düsseldorf | 08.10.2014 | 02:12  
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