auf dem Amazonas - Leben am Amazonas

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  Der Amazonas führte extremes Niedrigwasser. Aber nicht nur das erschwerte die Fahrt auf dem Fluss. Auch die wandernden Sandbänke, bei denen man nie wissen kann, wo sie wann gerade treiben, sind für die Schifffahrt eine permanente Gefahrenquelle.
Für uns bedeutete das, nach Möglichkeit immer schön mittig bleiben. Wir fühlten uns nicht viel anders als zuvor die ganzen Tage auf der Weite des Atlantiks. Nur halt, dass der Amazonas im Gegensatz zum Ozean schlammbraun ist.
Selten sahen wir außer Wasser auch mal Land, bewohntes Indioland mit ein paar Hütten auf Stelzen. Flüsse, die von überall her den riesigen Strom speisen und verbreitern, jetzt aber kaum als Wasserläufe zu erkennen waren.
In der Regenzeit muss die Wasserfläche geradezu überwältigend sein. Selbst jetzt bei dem extremen Niedrigwasser sah man nur Wasser, unendlich, ohne Anfang oder Ende. Nur Wasser, Wasser, Wasser.
Geplante Ausflüge mussten abgesagt werden, weil sich halt keine Ausflugsboote mehr in die Gewässer rechts und links trauen konnten, die fast nur noch aus wandernden Sandbänken bestanden mit einem bisschen Wasser darüber. Sehr schade, denn gerade von diesen Ausflügen mit kleinen Booten, vor allem am Abend in der Dämmerung, hatten wir uns so viel erhofft. Kleine Dörfer, riesige Glühwürmchen, vielfältiges Froschkonzert, bunte, exotische Vögel, die ihre Schlafplätze aufsuchen, vielleicht mal einen kleinen Caiman halten…

Es war ein merkwürdiges Gefühl, hoch oben an der Reling eines hochtechnisierten Luxusliners zu stehen und zu schauen. Irgendwo hinter diesem Wasser liegt der riesige Urwald. Manchmal konnten wir das grüne Dickicht sehen. Kaum vorstellbar, dass dort tief drinnen noch Menschen leben wie vor tausend Jahren. Fernab jeglicher Zivilisation. Unberührt von der Weiterentwicklung der Menschheit und ihren technischen Errungenschaften. Indios, die heute noch mit Pfeil und Bogen jagen. Jagen gehen müssen, um leben zu können. Die noch nie von Aldi und Co gehört haben, die weder Kühlschrank noch T-Shirt kennen. Deren Medizinmann noch selber aus bestimmten Blättern und Rinden das tödliche Curare braut, mit dem die Speerspitzen für die Jagd getränkt werden. Menschen, die seit Anbeginn in diesem Urwald leben. Menschen, die nur diesen Wald mit seinen Tieren und Pflanzen und den riesigen Fluss kennen.
Unvorstellbar.

Und hier auf diesem Schiff und all den vielen anderen Kreuzfahrtschiffen werden täglich, wochen-monatelang, sechshundert und mehr Passagiere verwöhnt und bedient. Wer will, kann sechsmal täglich die feinsten Dinge essen und trinken. Ohne, dass man auch nur einen Finger dafür rühren muss.
Wir konnten die modernste Technik nutzen. Wir sind modern. Lichtjahre entfernt von dem ursprünglichen Leben dort.
So nah und doch so unendlich fern..

Oder die Indios, die nahe am Fluss in kleinsten Dörfchen wohnen. Sie haben die Zivilisation schon ansatzweise kennen gelernt , aber sie nutzt ihnen nichts. Viele von ihnen sind arm, sehr arm und leben von einem Tag auf den nächsten. Von der Hand in den Mund. Sie wissen oft nicht, wie sie ihre Kinder groß kriegen sollen. Für diese Menschen ist eine Bootsfahrt in die nächste Stadt fast unbezahlbar.
Aber manchmal muss es sein, dass sie ihr Dorf verlassen, aus welch wichtigem Grund auch immer. Vielleicht, um Arbeit zu suchen und nicht zu verhungern. Dann nehmen sie ihre Kinder und ihre Hängematte, ihr Bett also, mit an Bord der Amazonas-Fähren, die nicht nur Transport, sondern gleichzeitig auch Versorgungsschiffe sind.
Straßen gibt es nicht. Keine Möglichkeit, keine Anbindung. Es gibt nur den Urwald und den Fluss.
Den Amazonas.

Das alles kriegten wir aber nicht zu sehen, höchstens mal ein paar Stelzenhütten dort, wo man Ufer vermutete. Aber durch die vielen, teils sehr großen Inseln im Fluss konnte man nie sicher sein, wo der Fluss aufhört oder halt nur unterbrochen wird. Leider haben wir keine Fotos von oben, auf denen man die unendlichen Wasser anschaulich im Überblick sieht.

Wenn man nicht weiß, was sich alles verbirgt auf und neben dem Fluss, ist es eher langweilig, darauf herumzuschippern. Denn, wie gesagt, man sieht kaum was. Gut, dass es die faszinierenden Reportagen im Fernsehen gibt, sonst hätten wir keine Ahnung vom Leben am Fluss und im Regenwald.


Fortsetzung folgt
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3 Kommentare
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Gottfried (Mac) Lambert aus Goch | 07.12.2012 | 21:53  
4.131
Edith Schülemann aus Oberhausen | 07.12.2012 | 22:38  
9.282
Gerda Bruske aus Goch | 08.12.2012 | 21:19  
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