BVB oder Bayern? - Stresstest für eine Freundschaft

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Marco Kühmichel drückt den Schwarz-Gelben die Daumen, Markus Domain setzt auf die Bayern. Die eingefleischten Fans sind siegesgewiss, die Wetteinsätze stehen ... (Foto: Torma)

Nur einer darf jubeln, wenn in Wembley der Henkelpott in die Höhe gestreckt wird. Das deutsche Champions-League-Finale zwischen Borussia Dortmund und Bayern München ist auch der Stresstest für eine Freundschaft: Während Marco Kühmichel den Schwarz-Gelben die Daumen drückt, geht Markus Domain davon aus, dass der Stern des Südens den Londoner Nachthimmel erhellen wird.

Vor dem deutschen Endspiel sind die beiden eingefleischten Fans siegesgewiss. „3:1 für Bayern“, lässt Markus Domain keine Zweifel aufkommen.
Warum auch? „Die Münchener spielen eine überragende Saison. Und sie sind heiß darauf, die Scharte aus dem verlorenen ‚Finale dahoam‘ auszuwetzen“, so der gebürtige Oberhausener, der heute im Essener Süden lebt, weiter. Damals hatten die Bayern das Endspiel in München gegen Chelsea dominiert, im Elfmeterschießen aber Nerven gezeigt.
Und 2010 war ja auch noch etwas - als das von Feierbiest Louis Van Gaal trainierte Ensemble auf Mailänder Granit biss. „Allein deshalb sind wir mal wieder dran!“
Auch Marco Kühmichel kramt in der Historienkammer, um den möglichen schwarz-gelben Triumph in Wembley heraufzubeschwören. „Dortmund musste 1995 und 1996 Meister werden, um ein Jahr später die Champions-League zu gewinnen. Jetzt sind es wieder zwei Meisterschaften ...“, hofft der Werdener auf die Duplizität der Ereignisse. Aber auch im Hier und Jetzt ist er von einem Dortmunder Sieg überzeugt: „Für die junge Mannschaft ist es das Spiel ihres Lebens. Die Aussicht auf den Titel allein reicht für 200 Prozent!“ 2:1 für den BVB, lautet der Kühmichel-Tipp deshalb.

Jede Menge Herzblut

Eine Vorhersage muss gründlich in die Hose gehen. Und weil jede Menge Herzblut in diesen Tipps steckt, wird mindestens einer der Herren nach dem Abpfiff um ein, zwei Jahre gealtert sein.
Von „ihrem“ Verein angefixt wurden beide im Jugendalter. Wie man als Ruhri auf den Trichter kommt, den Lederhosen die Daumen zu drücken? „Meine frühesten Fußball-erinnerungen gehen zurück zur WM 1974. Beckenbauer, Breitner und Müller haben es mir angetan. Ein halbes Jahr später bekam ich mein erstes Bayern-Trikot geschenkt“, erinnert sich Markus Domain. Soviel zum Thema „Erfolgsfan“.
Wie bitter Niederlagen schmecken, das wissen sie beide. Marco Kühlmichel sah die 2:3-Niederlage im UEFA Cup-Finale 2002 gegen Feyenoord Rotterdam live im Rotterdamer De Kuip-Stadion. „Auf den Rängen herrschte eine aufgeheizte Stimmung - die sich auch auf den Platz und leider auch auf den Schiedsrichter übertragen hat“, trauert er dem verpassten Coup nach. Diese Finalpleite in den Niederlanden war der Anfang vom zwischenzeitlichen Niedergang der Borussen.

Wetteinsätze stehen

Und wer wie Werksleiter Domain die Leere nach den 102 Sekunden von Barcelona gespürt hat, dem muss man gar nicht mehr mit Mailand oder Chelsea kommen. Und auch der heutige deutsch-deutsche Champions-League-Abend wird nicht ohne Verluste auskommen: Denn eingelöste Wetteinsätze erhalten die Freundschaft.
„Sollte Bayern heute verlieren, lade ich zum Grillabend ein. All inclusive!“, zeigt sich Markus Domain generös.
Sein Gegenüber dürstet es nach mehr Nervenkitzel: „Wenn Dortmund verliert, dann schaue ich das nächste Spiel zwischen Dortmund und Bayern im Bayern-Block - und im Dortmund-Trikot!“
Jetzt schaltet sich Ehefrau Marija ein. Nicht etwa, weil sie Angst um ihren Gatten hätte. „Dann aber in München. Da lässt es sich gut shoppen!“
Es könnte durchaus eine teure Endspielniederlage werden...

Text: Patrick Torma
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