Das große Koch-Finale - Sterne-Restaurant Résidence schließt zum Jahresende

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Kochen für die Queen (v.l.): Elisabeth II., Berthold Bühler und der Landtagspräsident Ulrich Schmidt beim Staatsempfang im November 2004 im Düsseldorfer Landtag. (Foto: Résidence)
 
Vom Sternekoch zum Privatmann: Berthold Bühler schließt das Hotel-Restaurant Résidence zum Jahresende. (Foto: Résidence)
Essen: Résidence |

Seit Jahrzehnten ist das Résidence in Kettwig das kulinarische Aushängeschild im Ruhrgebiet, seit 1989 leuchten ununterbrochen zwei Michelin-Sterne am Eingang des Hotel-Restaurants. Nun allerdings naht das Ende einer beispiellosen Erfolgsgeschichte: Am 30. Dezember sperrt Patron Berthold Bühler die Résidence-Pforte zu – für immer!

Es ist das Ende einer grandiosen Gastronomie-Ära, die 1983 etwas holprig begann. Als der gebürtige Badener Bühler nach Zwischenstationen im Hilton Düsseldorf sowie im Sheraton Essen in dem kleinen Fachwerkdorf an der Ruhr sesshaft wurde und sein eigenes Restaurant übernahm, da konnte er nicht ahnen, welch rasante Entwicklung das Résidence nehmen würde.
Mit seinem langjährigen Weggefährten Henri Bach als Küchenchef gelang jedoch bereits 1985 der Aufstieg in die „Sternenklasse“. "Hummer mit dicken Bohnen war unsere Spezialität, und das große Menü hat 68 Mark gekostet", erinnert sich Bühler. 1989 folgte der zweite Stern. Und als Bach 2011 das Haus verließ, um eine neue Herausforderung zu suchen, da gab es keinen Bruch. Patron Bühler schenkte zwei „jungen Wilden“ das Vertrauen, und dem Duo Erik Arnecke/Eric Werner gelang es, die hohe Auszeichnung zu verteidigen.

"Wir müssen nicht mehr um Sterne kämpfen"


Ende der 1980er war Kettwig das Mekka der deutschen Gastronomie-Szene. Gleich drei Sterne-Restaurants waren an der Ruhr auf engstem Raum beheimatet: das Ange d'or, Schloss Hugenpoet und das Résidence. Am 31. Dezember 2016 wird Kettwig keinen Gourmettempel von nationalem Rang mehr haben. „Das ist schon ein Einschnitt“, sagt Berthold Bühler, ohne aber an seiner Entscheidung rütteln zu wollen. „Jetzt müssen wir nicht mehr um Sterne und Mützen kämpfen“, so der scheidende Patron mit durchaus hörbarer Erleichterung in der Stimme.
Die Resonanz auf die Nachricht, die da vor wenigen Monaten durchsickerte, findet Bühler „einfach nur sensationell“. Viele Stammgäste wollen noch einmal kommen und im Résidence formvollendet speisen. „Da sind viele Leute dabei, die hier regelmäßig ihren Hochzeitstag gefeiert haben und jetzt traurig sind“, weiß Bühler.
Für die wurde nun das große Résidence-Finale eingeläutet: mit „White Champagne“-Menüs, mit vorgezogenem Silvester-Dinner und mit Berthold Bühlers Abschieds-Menü „Best of the Best“ an den letzten Öffnungstagen.
Am 30. Dezember ist dann Feierabend, ein Restaurant wird es in der schmucken weißen Villa oberhalb der Ruhr im nächsten Jahr nicht mehr geben. Sven van Gelder vom Projektentwickler Arsatec, mit dem sich Bühler nach intensiven Verhandlungen über einen Hauskauf verständigen konnte, wird das Hotel-Restaurant wohl in Eigentumswohnungen umwandeln.

"Hamburger hat nichts mit Gourmet zu tun"


Der Patron selbst will Kettwig die Treue halten. „Hier ist meine Heimat, hier sind meine Kinder“, sagt der 64-Jährige, der sich künftig allerdings kaum mit einem Leben als Rentner und Familienvater zufrieden geben wird. „Warten wir mal ab. Ich bin in der glücklichen Lage, dass ich schon jetzt Angebote habe, mich hinterher zu betätigen“, sagt er augenzwinkernd. Seine Kochkunst ist in vielen Destinationen auf der Welt gefragt, und Bühler wird den Leuten erklären, dass ein „Hamburger nichts mit Gourmet zu tun hat“. "Frische Produkte frisch zubereiten und sich gesund ernähren", das ist seine Maxime.
Bei aller Gelassenheit hinsichtlich möglicher künftigen Aufgaben hat Bühler aber doch an einer Sache zu knabbern: „Im Februar werde ich 65. Das ist das Schlimmste“, klagt der Patron.
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1 Kommentar
30.998
Sabine Hegemann aus Essen-Steele | 19.10.2016 | 12:27  
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