Energiesparen im Haus

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Energieberater Reinhard Gabriel-Mika prüft das Haus vom Keller bis zum Dach. Foto: Heuer
 
Die Mauerstärke sagt wenig über die Dämmeigenschaft aus.

Der Energieverbrauch der deutschen Haushalte lag 2014 mit zirka 608 Terawattstunden (TWh) Energie (608 Milliarden Kilowattstunden) fast genauso hoch wie im Jahr 1990. Damit benötigen die deutschen Haushalte rund ein Viertel der Gesamtenergie Deutschlands. Dreiviertel dieses Anteils nutzen die Menschen für wohlige Wärme und Warmwasser.

Hier setzt die Energieberatung an, die Kettwiger Hauseigentümern kostenlos von der Stadt Essen angeboten wurde (wir berichteten). Der Kettwig Kurier begleitet Energieberater Reinhard Gabriel-Mika zu einer Beratung. Rund 100 führt die Stadt in Kettwig durch.
Das Haus von Irina C. (Name von der Redaktion geändert) gehört zu den 75 Prozent der Wohnhäuser in NRW, die vor Inkrafttreten der ersten Wärmeschutzverordnung von 1978 errichtet wurden. Damit ist das Gebäude „ein potentieller Kandidat für ein erhebliches energetisches Einsparpotenzial“, sagt Energieberater Gabriel-Mika. Davon geht auch die Eigentümerin aus. „Ich hoffe, dass ich Anregungen erhalte“, sagt Irina C.
Zunächst nimmt der Energieberater die Daten des Hauses auf, das aus den 30er-Jahren stammt.
Über 35.000 Kilowattstunden verbraucht die Familie, um es angenehm warm zu haben. Und das obwohl ein Verlustbringer, das Dach, bereits gedämmt ist und eine Solarthermie-Anlage die Aufheizung von Warmwasser unterstützt. Sie ist mit der modernen Heizungsanlage gekoppelt. Lediglich die Pumpe hat schon bessere Tage gesehen - „Ein Austausch amortisiert sich schnell“, sagt der Energieberater nach dem „Kellergang“. Die meisten Rohrleitungen sind ummantelt. Einen sogenannten hydraulischen Abgleich, der die Wärmeverteilung im Heizungssystem optimiert, ließ die Eigentümerin durchführen. Bis zu zehn Prozent Energie lassen sich dadurch einsparen.

Die Mauerstärke ist nicht entscheidend


Energieberater Gabriel-Mika erkennt schnell, wohin die Wärme entschwindet: Das Mauerwerk, zirka 40 Zentimeter stark, besteht aus hart gebrannten Ziegelsteinen. Mit einem U-Wert (Wärmedurchgangswert) von rund 1,5 W/(m²K) sind sie ein guter Wärmeleiter. Der Durchgangswert für Außenmauern moderner Häuser liegt bei 0,2. Zu hohen Wärmeverlusten tragen auch die Fenster bei, deren U-Werte zwischen zwei und drei liegen. Der Wert eines 2-Scheiben-Wärmeschutzfensters liegt bei 1,3. Mit 3-Scheiben-Verglasungen sind heute U-Werte von 0,9 und kleiner möglich. Auch die Außentüren lassen viel Energie entweichen. Durch die ungedämmte Kellerdecke geht ebenfalls Wärme verloren. Diese sollte deshalb – bei ausreichender Stehhöhe – von unten gedämmt werden.
Die Frage nach Einsparmöglichkeiten ist damit geklärt, der Weg dahin noch nicht. Der Energieberater empfiehlt eine Außenwanddämmung durch ein Wärmedämmverbundsystem oder eine Vorhangfassade. Dabei sollten die alten Fenster erneuert, bündig mit der vorhandenen Fassade eingebaut und in den Rahmenbereichen überdämmt werden.
Die Wahl des Dämmsystems liege beim Eigentümer. "Wer beispielsweise den Backsteincharakter seines Gebäudes erhalten möchte, kann Systeme mit Riemchen nutzen“, erklärt Gabriel-Mika.
Alternativ zur außenliegenden Wärmedämmung kommt bei denkmalgeschützten Gebäuden oder Häusern mit erhaltenswerter Bausubstanz auch eine Innendämmung in Betracht. Wegen der bauphysikalischen Risiken sollte diese jedoch nur mit fachkundiger Beratung erfolgen. Bewährt haben sich zum Beispiel Systeme mit Holzweichfaserdämmplatten und Lehmputz. Die Nachteile der Innendämmung liegen allerdings auf der Hand: Die Räume verlieren an Größe durch die zirka zehn Zentimeter starke Schicht. Außerdem müssen auch Wärmebrücken wie einbindende Geschossdecken im Dämmkonzept berücksichtigt werden.
Die empfohlenen Holzweichfaserplatten seien auch optimal für die Dachdämmung geeignet. „Sie speichern die Sonnenwärme und schützen somit vor Überhitzung im Sommer. Das gilt zum Beispiel auch für Zellulose.“ Allerdings schlagen die natürlichen Dämmstoffe mit höheren Kosten zu Buche.

Kredite und Zuschüsse für Modernisierung


Die KfW (Kreditanstalt für Wiederaufbau) gewährt Kredite und Zuschüsse für die energetische Modernisierung der Gebäudehülle und der Heizungserneuerung. Diese müssen vor Beginn der Baumaßnahme beantragt werden. Zuschussanträge können unkompliziert online durch den Hauseigentümer gestellt werden. Die Zusage erfolgt in der Regel innerhalb eines Tages, sodass bisher übliche Wartezeiten vermieden werden. Weitere Zuschüsse gibt es über das BAFA (Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle), sowie vom Land NRW, Kommunen und zum Teil auch von Energieversorgern.

Unabhängige Sachverständige helfen


Nach rund eineinhalb Stunden kennt Irina C. die Schwächen ihres Hauses. Der Energieberater hat ihr alle Möglichkeiten aufgezählt und die sinnvollsten Maßnahmen erläutert. Die Entscheidung, etwas zu ändern liegt nun bei ihr.
Als letzten Rat empfiehlt der Berater der Eigentümerin, sich nach einem unabhängigen Sachverständigen umzusehen, der auch für die Beantragung von Fördermitteln benötigt werde. Dieser Experte (www.energie-effizienz-experten.de) informiere Hauseigentümer über die in Betracht kommenden Fördermittel. Außerdem kennt er die technischen Mindestanforderungen der geplanten Maßnahmen und kontrolliere deren fachgerechte Umsetzung. „Ein Austausch der Heizungspumpe amortisiert sich schnell.“
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