Der Rotarier Bruno Zbick sammelt Musikprogramme und Ansichtskarten aus Oberhausen.

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Der Sammler Bruno Zbick hat einen Faible für alte Musikprogramme, Ansichtskarten von der Stadt seit 1860 und fürs Klavierspielen. (Foto: Bild: Peter Braczko)
 
Musikalischer Veranstaltungsort: Die Reichshalle an der Knappenstraße

"Ein Leben ohne klassische Musik“, für Bruno Zbick undenkbar. Immerhin machte er seine Leidenschaft für die schwarzen und weißen Tasten zu seinem Beruf. Der mittlerweile pensionierte Klavierlehrer hat aber noch ein weiteres Hobby: Er sammelt alles, was die musikalische Geschichte der Stadt Oberhausen und der Stadtteile auf Papier gebracht hat.

Als schreibender Musikkritiker der NRZ erhielt er zu den Veranstaltungen die dazu passenden Programme. „Zu schade für den Papierkorb“, so seine Einschätzung, also vergrößerten Kollegen, Freunde und Bekannte die Sammlung. Bald suchte er gezielt und erhielt schon leicht vergilbte Veranstaltungsbeschreibungen aus früher Zeit, da finden sich in den Ordnern beispielsweise das ,Weltkriegs-Künstlerkonzert‘ des Jahres 1915 oder das ,1. Morgenkonzert‘ im Stadttheater 1930, dazu die ,Gedenkfeier für Richard Wagner‘ im Union-Festsaal.
Der ,Osterfelder Junge‘ zeigt auch stolz eine gedruckte Seite vom Liederkonzert des Gesang-Vereins ,Eintracht Osterfeld‘ im Saal der Kalveran-Gaststätte 1897 oder das Sangesfest der Vereine MGV Heideblümchen, MGV Liederkranz, MGV Sängerkranz Osterfeld und der Gesangsabteilung des katholischen Arbeitervereins. MGV steht übrigens für Männergesangverein, das bedeutet: Frauen gehörten (noch) nicht dazu! Ergänzend dazu veranstalteten die Sangesbrüder Gesangswettstreit-Veranstaltungen, frei nach dem Slogan: ,Froh gesungen und frisch gespielt!‘
In den Zwanziger und Dreissiger Jahren erblühte die Musikwelt in Oberhausen, die Musikstücke auf den Programmen gingen über mehrere Stunden, in der Nazi-Zeit ertönte im Sterkrader Saal Schlagregen am 29. Mai 1938 ein vom MGV Frohsinn gesungener Beitrag zur ,Neuen Front‘ und auf ,Führers Wächter!‘ Deutlich bescheidener ging es in der Kriegszeit weiter, die Sangesfolge des Sonderkonzerts am 22. Juni 1944 im Atrium-Filmtheater Osterfeld findet sich (mühevoll abgetippt) nur noch auf einer nüchternen Schreibmaschinenseite.Nicht schön, aber ein wichtiges Zeitdokument.

Historische Ansichtskarten aus Oberhausen


Was seine Musik-Sammlung ergänzt, sind Ansichtskarten der Veranstaltungsorte, meist in schwarzweiß, oft noch farbig nachkoloriert. Da tauchen bekannte Namen auf: Das Café Müller an der Ebertstraße, die Reichshalle an der Knappenstraße, das Künstlercafé Dusör am Friedensplatz oder der Festsaal des ,Königlichen Realgymnasiums‘. Dazu gab es das Bier auch in der ,Gartenrestauration‘ und oft spielten dazu Blaskapellen oder auch nur ein Stehgeiger. 1915, beim Festkonzert zum hundertsten Geburtstag des ,Eisernen‘ Kanzlers Otto von Bismarck im Haus Union-Wilhelms­höhe gab es neben Gesang und patriotischem Liedgut auch den Lichtbildervortrag ,Kriegsflottenbilder‘, das Rauchen sollten die Besucher im Saal aber unterlassen, denn sonst wäre die kaiserliche Flotte ,im Nebel verschwunden‘!
Bruno Zbick organisiert seit seinem 18. Lebensjahr Musikveranstaltungen und ist seit 1983 Vorsitzender im Künstlerförderverein Oberhausen, dazu engagiert er sich in der Rotarier-Gruppe ,Antony-Hütte‘.Natürlich verrät er auch seine Lieblingskomponisten: Johann Sebastian Bach und Sergej Prokofjew, dann setzte er sich ans Klavier und spielte: Mozart! Autor: Peter Braczko
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