Der Soundtrack des Herbstes

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Stolpe: Stolperhof |

Usedom hat deutlich mehr zu bieten als die wunderschöne Ostseeküste und die eindrucksvolle Bäderarchitektur. Auch zwischen Achterwasser, Peene und Haff gibt es das ganze Jahr über viel zu entdecken. Deshalb lohnt sich die Reise nach Usedom mit dem Auto, der Bahn oder dem Fernbus auch außerhalb der Hauptsaison. Das traditionelle Handwerk ist nur ein kleiner Ausschnitt aus dem reichen Repertoire, das die Insel im äußersten Nordosten Deutschlands ihren Gästen bietet. Auch Nachhaltigkeit wird an vielen Stellen ganz groß geschrieben.

Berit Poppe betreibt den nach ihrer Auskunft konsequent ökologischen Stolperhof im Dörfchen Stolpe. 20 km von den Kaiserbädern entfernt hat Poppe in den letzten Jahren eine alte Hofanlage rekonstruiert und zu einem Anziehungspunkt gerade für Familien gemacht. Diese können in einer von 14 Kammern mit Alkoven-Betten übernachten, die pommersche Küche genießen und Landluft schnuppern. „Andere Frauen hatten einen Pelzmantel, ich besaß eine Sau“, erklärt Berit Poppe. Aktuell ist der Platz von Sau Annabella nicht besetzt, dafür gibt es mit Fritz VIII. und den Emmis andere Tiere. Auf dem Hof leben inmitten von 200.000 m² Feld und Wald unter anderem Pferde, Kühe, Ziegen, Gänse und Bienen. Mit ihrer zupackenden Art hat Berit Poppe diese nummeriert, sodass Fritz VIII. den Kindern besser nicht alle Details der Geschichte seiner sieben Vorgänger erzählt. Die können die Gäste in der schmackhaften Küche des Hofs erleben. Dort entsteht zum Beispiel eine köstliche Würstchensuppe. Auch die hofeigene Wurst schmeckt hervorragend. Berit Poppe, die früher Vogelschutzinseln betreut hat, hat auf dem Hof viele kreative Ideen umgesetzt. So braut sie mit den Gästen ein eigenes Hofbier. „Bierbrauen ist keine Wissenschaft. Das ist altes Handwerk“, erklärt sie und lädt zu ihren wöchentlichen Bier-Workshops ein. Wer dabei war, kann laut der Hofbesitzerin künftig in der heimischen Küche sein eigenes Altbier mit einem Alkoholgehalt von 4,2-4,3 % brauen. Während viele Väter noch über das Bier fachsimpeln, toben und spielen die Kinder im eigens eingerichteten Spielzimmer oder plantschen bis in den Herbst im Badeteich direkt vor dem Haus. Auch am Abend wird es in diesem Dorf im Usedomer Hinterland nicht langweilig. Wenn Met und Honig gewonnen, Rauch- und Mehlschwalben in den Süden geflogen und die meisten Gäste längst in ihren Kammern liegen, kommt das Wild zum Vorschein. „Das geilste Geräusch der Natur überhaupt“, beschreibt Berit Poppe die herbstliche Hirschbrunft. Dann deutet die Geschäftsfrau auf die neueste Errungenschaft des Hofes: Eine Vitrine mit Tassen, Töpfen und ähnlichen Produkten ermöglicht es den Gästen, besondere Souvenirs mit nach Hause zu nehmen.

Nachhaltige Mitbringsel gibt es auch in der Töpferei Susi Erler in Mellenthin. Die Katzenliebhaberin verkauft dort Original Stettiner Ware. Zwar erlebte das Töpferhandwerk seine Blütezeit im 18. Jahrhundert, doch auch heute hat Töpferware als modernes Gebrauchsgeschirr ihre Liebhaber. Susi Erlers „Pommersche Keramik Manufaktur“ setzt unter anderem auf die weiß glasierte und mit blauen Motiven aus der Region bemalte Traditionsware. „Kunden von Danzig bis Hamburg finden Freude daran“, weiß die Unternehmerin, die erst drei Jahre als Angestellte in der Töpferei arbeitete, bevor sie den Betrieb im Jahr 2009 übernahm. Großen Wert legt sie auf die positiven Eigenschaften der Töpferware, die sich für Spülmaschine, Mikrowelle und Backofen eignet. Ein aktuelles Zertifikat weist zudem nach, dass Ton und Glasur schadstofffrei sind und ohne Bedenken eingesetzt werden können. „Der Töpfer ist immer mit der Zeit gegangen“, holt Susi Erler aus und berichtet dann nicht nur von den viermal im Jahr stattfindenden Tagen der offenen Töpferei, sondern auch von besonderen Auftragsarbeiten. „Fragen Sie, wir machen´s“ könnte das Motto des kleinen Handwerksbetriebs sein. So entstand auf Kundenwunsch nicht nur ein längst ins Sortiment aufgenommener Fettabscheider für die Weihnachtsgans, sondern auch ein einzelner Dachziegel mit Lüftungspilz zur Reparatur eines defekten Daches. Zunehmend beliebt sind auch Hochzeitsteller und mit Namen versehenes Kindergeschirr. Die Produktion erfolgt in mehreren Schritten. Zunächst wird die Tonmasse auf der Töpferscheibe in Form gebracht. Dann trocknet das Werk an der Luft bis der Ton einen lederharten Zustand hat. Ist dieser erreicht geht es bei 900 Grad zum ersten Mal in den Ofen. Anschließend wird die Ware mit Dekoren wie Perlenketten, Wellen, Pusteblumen oder Rohrkolben bemalt und dann zum zweiten Mal gebrannt. Diesmal steigt die Temperatur bis auf 1220 Grad, sodass das Abkühlen bis zur Öffnung der Ofentür bei unter 100 Grad rund drei Tage dauert. Wer selbst mitgestalten möchte, kann bei einer Malaktion des Fachgeschäfts für Keramik aktiv werden. An anderen Tagen kann man der Töpferin und einer Malerin bei der Arbeit zuschauen, da Geschäft und Werkstatt miteinander verbunden sind.
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