In memoriam Paul Vogt

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Vor einigen Tagen verstarb der von mir schon seit Jugendzeiten hoch geschätzte, langjährige Folkwang-Chef Paul Vogt. Heute fragte mich DER SPIEGEL nach einem Bild, das ich 2009 von ihm spontan in einer öffentlichen, aber dennoch sehr persönlichen Situation von diesem wunderbaren Menschen gemacht habe. Nun wird in weiteren Nachdenken auch textlich ein Nachruf daraus.


Notabene: Paul Vogt war für die Generation der "Nachkriegs-Babyboomer" und darüber hinaus in vielen Belangen Lehrer/Impulsgeber - im besten Sinnen eine Vaterfigur in Sachen Kunstverständnis, im kulturellen und damit staatsbügerlichen Bewusstsein.
Paul Vogt war "Kulturarbeiter" im besten Sinne. Er konnte im Dienste der Sache souverän mit Geld und großen Namen umgehen und er hatte einen wunderbaren Humor.
In der Leitung des Museums (1963-88) war Vogt wirklich ein "Chef" - indem er (nach dem Kriege in "aufstrebender" Position) entscheidend dazu beitrug, die kümmerlichen Reste mit viel Geschick und Herzenswärme aus dem Dreck von dem wiederzubeleben, was die Nazis vom "schönsten Museum der Welt" übrigen gelassen hatten. Er baute zunächst das Museum mit auf und holte verlorene Bestände zurück. Er ermöglichte/förderte dann als Leiter die Karrieren von Ute Eskildsen, Wulf Herzogenrath, Zdenek Felix und vielen anderen. Er ermöglichte den Aufbau der fotografischen Sammlung, gab außerdem Institutionen wie dem "Filmclub Essen" im Hause eine Bleibe (Leiter: Hartmut Redottee). Damit sozialisierte er nebenbei eine ganze Generation auch cineastisch - mich einbegriffen.
Unvergessen bleibt insofern die von Wulf Herzogenrath und Dieter Honisch kuratierte über drei Sommermonate prägende "Szene Rhein-Ruhr"  in den Essener Messehallen 1972 .
Respekt gebührt der´m Folkwangchef ebenso für die Einbindung lokaler und regionaler Künstler*Innen in der "Städtischen Galerie" - und Chapeau nicht zuletzt davor, das er Zdenek Felix in den 1980er Jahren ermöglichte, dass sich mit Dokoupil, Bömmels, Salome und Kippenberger auch die "Neuen Wilden" austoben konnten.
Vogt und sein ebenfalls verstorbener Nachfolger Georg Költzsch waren leider die letzten "wirklichen" Leiter des Folkwangmuseums. Diejenigen, die den beiden in der Leitungsfunktion nachfolgten (Gassner, Fischer), verstanden das "schönste Museum der Welt" entweder als Durchgangsstation/Durchlauferhitzer, scheitern auf eines Missverständnisses (Bezzola) oder nutzen es, in der zweiten Reihe verweilend, als "sichere Bank" bis zum Ruhestand.
Wenn es (zwei!) Fehler in meiner beruflichen Biografie gibt, dann ist einer der, dass ich mich 1972 (nach drei Monaten Arbeit auf der Szene Rhein-Ruhr) nicht um ein Praktikum im schhönsten Museum der Welt an der Goethestraße beworben habe. Da kann man - von heute gesehen - nix dran machen. Damit muss ich leben, so gut es geht! Umso mehr: Gute Reise und -"Salud, Capitan!"
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