Interview mit Purple Schulz vor seinem Auftritt am 2. September in Kettwig

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Purple Schulz ist der "Kleine mit dem großen Unterschied". (Foto: Bettina Koch)
 
Sehnsucht bleibt, so heißt das Buch des Künstlers. (Foto: Bettina Koch)

Purple Schulz tritt am 2.September im Alten Bahnhof Kettwig auf. Im Vorfeld stand er dem Kettwig Kurier für ein Interview zur Verfügung.


Der Name Purple Schulz ist vielen seit den Achtziger Jahren ein Begriff. Ein gutbürgerlicher Nachname. Aber wie ist der Künstlervorname entstanden?


Da muss ich ja gleich zu Beginn unseres Gesprächs in mein persönliches Prä-Kambrium hinabsteigen! (lacht). Zunächst einmal ist „Purple“ kein Künstlername, sondern ein Spitzname, den ich etwa 1970 bekommen habe. Ich wollte als damals 13jähriger unbedingt eine richtige Hammondorgel haben, aber es gab in Köln nur einen Laden, in dem die Dinger rumstanden. Dort verbrachte ich einen Teil meiner Pubertät und nervte die Verkäufer mit meinen Interpretationen von Deep Purples „Child in time“ an einer großen Hammond B3. Die Orgelverkäufer waren es, die mir diesen Namen verpassten.

Viele bringen mit Ihrem Namen die Hits "Sehnsucht" oder "Verliebte Jungs" in Verbindung. Spielen Sie diese Songs überhaupt noch? Gibt es ein Lieblingsstück von Ihnen?

Natürlich sind in meinem Programm auch die Hits enthalten. Ihnen verdanke ich ja auch, dass ich heute noch auf der Bühne stehe, übrigens häufiger als damals. Und ein Song wie „Sehnsucht“ ist dabei immer noch allabendlich ein Highlight für mich, weil er sich in 33 Jahren überhaupt nicht abgenutzt hat. Was die Lieblingsstücke angeht, so ist das doch immer davon abhängig, in welcher Situation man gerade steckt. Das ist bei mir nicht anders als bei meinen Zuhörern. Es fällt mir auch schwer, mich zu entscheiden, weil ich all diese Songs liebe. Sonst würde ich sie nicht mit auf die Bühne nehmen.

Welche Musik hören Sie gerne privat?

Das geht von Klassik über Jazz und Songwriter bis hin zum Prog-Rock. Gruppen wie Yes, Gentle Giant, King Crimson und die frühen Genesis waren für mich prägend. Der aktuelle, durchformatierte Pop aus den Charts hingegen beginnt, mich zu langweilen. Das ist mir einfach zu gleichförmig.

In all den Jahrzehnten Ihrer Musikerkarriere, was hat sich musikalisch (bei Ihnen) verändert?

Vor allem habe ich mich verändert. Heute liegt bei mir der Schwerpunkt auf den Geschichten meiner Songs, die ich mit meiner Frau Eri entwickle. Die Musik hat dabei eine große dramaturgische Aufgabe. Die musikalische Bandbreite ist viel größer geworden. Da ich nur noch im Duo auftrete, hat sich auch die Dynamik erweitert. Manchmal kann man bei einem Song eine Stecknadel fallen hören, und im nächsten Moment klingt es, als sei eine komplette Band auf der Bühne.
Ist es nicht schwer, nach vierzig Jahren im Musikbusiness immer noch neue Ideen zu haben? Denken Sie manchmal daran, aufzuhören?

Die Welt ist voller Themen, über die noch niemand gesungen hat. Von daher gibt es noch einiges zu tun. Außerdem ist das -mal abgesehen von den vielen Stunden auf der Autobahn- mein Traumberuf. Und wer eine Arbeit hat, die ihm Spaß macht, hat keine Arbeit (lacht). Darum verschwende ich keinen Gedanken ans Aufhören.

Was bedeutet es für Sie, auf der Bühne zu stehen?

Alles. Weil ich dort die Geschichten meiner Songs nicht nur singen oder erzählen, sondern sie regelrecht durchleben kann. Und natürlich das direkte Feedback des Publikums während und auch nach dem Konzert. Ich stehe ja hinterher an unserem Merchstand und signiere. Dabei ergeben sich viele Gespräche, und manchmal sogar Freundschaften. Hautnah mitzubekommen, was die Songs mit den Zuhörern machen, war mir schon immer sehr wichtig.

Welches Programm erwartet die Besucher im alten Bahnhof bei Ihrem neuen Programm "Der Kleine mit dem Unterschied“?

Meine Konzerte sind ja eine Mischung aus Konzert, Kabarett und Comedy. Wir werden viel miteinander lachen, aber ich werde meinem Publikum auch einiges abverlangen. Die Themen, die unser Leben bestimmen, lasse ich nicht draußen vor der Tür. Abgesehen davon gibt es ein Wiederhören mit einigen alten Hits in neuen Versionen, und es wird auch wieder eine polarisierende Überraschung geben, mit der niemand rechnet. Gerade diese Nummern machen mir immer einen Riesenspaß.

Im vergangen Jahr haben Sie auch ein Buch über ihre Musikkarriere veröffentlicht…

In meinem Buch „Sehnsucht bleibt“ geht es erstaunlich wenig um Musik. Mir ging es vielmehr um die Frage, wie sich unsere Sehnsüchte in Deutschland in den letzten 60 Jahren verändert haben. Da „Sehnsucht“ mein größter Hit ist, fand ich es an der Zeit, mich zu meinem 60sten Geburtstag mal näher damit zu befassen. Mir wurde schnell klar, wie eng meine Biografie mit der deutschen Geschichte verhaftet ist und in wie vielen Songs sich das wiederspiegelt. Mich freut die durchweg positive Resonanz auf das Buch. Neben meinen Konzertprogrammen bin ich seitdem auch mit Lesungen unterwegs, bei denen ich selbstverständlich auch ein paar Songs solo am Klavier einbinde.

Ein Gitarrist und Violinist unterstützen Sie bei dem neuen Bühnenprogramm. Wie sind Sie auf die Begleitung der Violine gekommen? Inwiefern werden bekannte Stücke dadurch neu interpretiert?

Mit Markus Wienstroer habe ich einen der besten Musiker an meiner Seite, den man sich vorstellen kann. Mir steht selber manchmal der Mund offen, wenn ich höre, wie er mich Abend für Abend überrascht. Manchmal denke ich, das kann man nicht spielen, aber er kann es. Dass er auch ein hervorragender Violinist ist, hatte ich erst bei unseren ersten Proben mitbekommen. Aber dies ermöglichte mir, Stücke ins Programm zu nehmen, von denen ich dachte, sie würden niemals den Weg auf die Bühne finden. Tatsächlich wird es bei einem Song sogar regelrecht symphonisch.

Sie engagieren sich für die Themen Demenz und Alzheimer, bei Youtube spielen Sie in Ihrem Video „Fragezeichen“ einen Demenzkranken. Was motiviert Sie dazu?

Demenz ist ein Thema, das es in fast jeder Familie gibt. Als ich den Song und das Video vor vier Jahren veröffentlichte, war Demenz bei weitem noch nicht so in der öffentlichen Diskussion wie heute. Ein bißchen konnte ich also dazu beitragen. Heute läuft der Song zum Einstieg bei Kongressen und dient als Schulungsmaterial. Das macht mich glücklich, weil es mir zeigt, dass man mit Musik etwas bewirken kann.

Sie treten beim alten Bahnhof in Kettwig bereits zum zweiten Mal auf. Was hat sie veranlasst, wieder nach Kettwig zu kommen? Mögen Sie das Publikum hier
?

Schon der Applaus, als ich die Bühne betrat, war so laut und frenetisch, dass ich dachte, ich sei Michael Jackson und die Beatles in Personalunion und mindestens zum zehnten Mal zu Gast in Kettwig, obwohl ich das erste mal dort auf der Bühne stand. Es war einfach unglaublich herzlich. Dieses Mal werden wir das Konzert auch aufzeichnen, und sei es, dass ich nur den Applaus für meine Live-Tracks benutze (lacht).

Weshalb sollten die Kettwiger sich Ihren Auftritt am 2. September nicht entgehen lassen?

Weil die Stimmung im Alten Bahnhof so einmalig ist. Und weil es mehr sein wird als ein herkömmliches Konzert. Kettwig ist schon etwas besonderes.

Info


Purple Schulz ist mit seinem Programm "Der kleine mit dem Unterschied" am 2. September um 19.30 Uhr im Alten Bahnhof Kettwig zu sehen, Einlass ist ab 18.30 Uhr. Karten kosten 20 Euro, ermäßigt 15 Euro. Alle Infos gibt es unter Alter Bahnhof Kettwig, Ruhrtalstraße 345, Tel. 02054/93 93 39, Mail kontakt@bahnhof-kettwig.de
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