Lebensretter bleiben verewigt

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Häuserabriss Markscheide: Allbau kümmert sich um Gedenktafel!!

Eine Zeitung lebt von Lesermitteilungen. Sie geben Impulse, sind oft voll Leidenschaft. Oder Sorgen. So teilte uns Christian Klüdtke mit, dass er nach seinem Umzug Altendorf, konkret an der Rüselstraße/Markscheide, erkundete. Ein Schild beschäftigte ihn danach stark. „Es darf keinesfalls beim Schrotthändler landen…“

Auch wir beschäftigten uns danach mit dem Schild. Denn es ist ein ganz Besonderes. Geschichtsträchtiges. Markscheide 50. Übrigens, die ganze Häuserzeile wird bald abgerissen, ist bereits von Mietern leergeräumt. Zum Hintergrund (wir berichteten): Der Allbau baut dort im Viertel „ein neues Altendorf“. Konkret heißt es auf Werbetafeln: Die Allbau AG errichtet hier ca. 67 Mietneubauwohnungen mit hochwertiger Ausstattung für Familien, Paare und Singles (Fertigstellung voraussichtlich ab Sommer 2012). Im Verbund des Stadtumbauprojektes entstehen hier ein vier Fußballfelder großer See mit parkähnlichen Grünanlagen und neue Rad- und Flanierwege auf der ehemaligen Trasse der Rheinischen Bahn.

Dafür wird u. a. auch das Haus Markscheide 50 abgerissen. Moment! Wenn da nicht die sehr gut erhaltenen Gedenktafel wäre. Darauf steht: Im März 1945 flohen sechs jüdische Frauen aus dem Essener Außenlager des KZ Buchenwald in der Humboldtstraße. Sie fanden Zuflucht bei dem Krupp-Arbeiter Gerhard Marquardt. Er brachte vier der Frauen zu dem Lebensmittelhändler Fritz Niermann, der mit seiner Familie in dem Haus Markscheide 50 lebte. Fritz Niermann versteckte sie und einige russische Zwangsarbeiter bis zum Einmarsch der amerikanischen Truppen in Essen am 11. April 1945 in seiner Wohnung. Gerhard Marquardt und Fritz Niermann riskierten mit dieser Rettungsaktion ihr Leben.

Der Staat Israel ehrte Fritz Niermann und Gerhard Marquardt 1988 für ihre mutige und selbstlose Hilfe mit der Auszeichnung „Gerechte unter den Völkern“.
Was geschieht jetzt mit der Gedenktafel? Dieter Remy, Allbau-Kommunikationsleiter: „Wir setzten uns bereits mit der Denkmalbehörde zusammen, so dass wir uns darum kümmern dürfen. Das Schild werden wir natürlich sichern und dafür sorgen (wir sind in vorbereitete Maßnahmen zum Abriss) dass in der Nähe an die Altendorfer Lebensretter in adäquater Form erinnert wird.“ Versprochen!

Fotos: Michael Gohl / West Anzeiger

Autor:

Ingrid Schattberg aus Essen-West

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