Hölschers Schwächen

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Herbert Hölscher und „Eva“. Sünden und Schwächen spiegeln sich in den Werken des Pfalzdorfers wider.
Goch: Hölscher |

Herbert Hölscher macht es wieder: Am kommenden Sonntag, 25. Oktober, lädt der Künstler zum wiederholten Mal in sein Haus zur Ausstellung. Die 14. ist es mittlerweile. Denn er kann nicht anders, wie er sagt. Ist halt seine Schwäche, eine ganz menschliche noch dazu.

Von Franz Geib

Die Unvollkommenheiten, die charakterlichen Mängel, die schwindenden Willenskräfte sind Hölschers (Mal)-Ding, das hat er in den Jahren immer wieder mit Acryl, Öl, Pinsel und Leinwand thematisiert. Drei Jahre lang zog er aus Sebastaina Brandts Narrenschiff seine Inspiration, zeigte den „törichten Menschen“ in uns, wie er auch in der Moralsatire von 1494, mit ihren über 100 „Narren“ dargestellt ist: Der Träge, der Neugierige, der Schwätzer, der Liebestolle, Brant lässt keinen Bereich des Lebens aus, dem nicht eine Kategorie der Narretei zugeordnet werden könnte. Und eben diese hatte Hölscher auf die Leinwand gebracht.
Und nun folgt die Fortsetzung, aber, wie der Künstler meint, etwas milder: „Zuerst wollte ich mich mit meinem Thema den sieben Todsünden widmen, aber das schien mir denn doch zu schwer.“ Denn den Humor hat er, trotz der Augen-OP im vergangenen Jahr, die ihn für einen Moment aus der Bahn warf, nicht verloren.
Darum zeigt Herbert Hölscher ab kommenden Sonntag die Umsetzung der menschlichen Schwächen in seinen Bildern mit einem leichten Augenzwinkern.
Neugierige Tratschtanten, Snobs, Nachtschwärmer, Eitle, der Träge, und schließlich auch sie: Eva. „Die Ur-Sünde schlechthin“, so Herbert Hölscher lachend. Ein sichtlich älterer Herr schaut einem wesentlich jüngeren und kurzberockten Mädchen hinterher und was macht der Pfalzdorfer Künstler daraus? „Die Zeit wartet auf niemanden“, so der Titel des Bildes, dem er in Anlehnung eines japanischen Sprichwortes diesen Namen gab. Überhaupt spielt die Literatur in seinen Werken eine übergeordnete Rolle, wie es ja auch schon beim Narrenschiff war. Und dies ist denn auch die gute Gewissheit, dass Herbert Hölscher seine „menschliche“ Schwäche auf Dauer nicht los wird: „Denn es gibt noch viel Literatur in meinem Kopf, und dies zu erzählen in meinen Bildern ist eben mein Ding.“
Auf vier Etagen werden Herbert und Susanne Hölscher die rund 80 Werke zeigen. Ab 11 Uhr ist die Schau der sowohl gegenständlichen als auch abstrakten Bilder zu sehen.
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