"Neue Kirchen - neues Silber": Ausstellung im Goldschmiedehaus LWL-Freilichtmuseums Hagen

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Abendmahlsgerät von Otto Hahn für die Ev.-luth. Stiftskirchengemeinde Schildesche, 1970. (Foto: Fritz Stockmeier)
Hagen: LWL-Freilichtmuseum Hagen |

Im Goldschmiedehaus des LWL-Freilichtmuseums Hagen schimmern ab dem 16. Juli kostbare Silbergefäße. Denn das Museum des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) widmet sich mit der Ausstellung „Neue Kirchen – neues Silber“ erstmals einem Beruf, der zwar eng mit dem Goldschmied verwandt ist, aber doch eine ganz eigene Aufgabe hat: Der Silberschmied stellt Gefäße aus Silber und anderen Metallen her. Diese sind in ihren Dimensionen in der Regel größer als Arbeiten von Goldschmieden. Um solche Objekte produzieren zu können, müssen Silberschmiedinnen insbesondere die Techniken des Tief- und des Aufziehens perfekt beherrschen. Am Beispiel der Entstehung der Kuppa [=Schale] eines Kelches erläutert die Ausstellung diese Fertigkeiten anschaulich.

In der kleinen Präsentation sind ausgewählte Arbeiten einiger Silberschmiede für den kirchlichen Gebrauch aus den 1960er- und 1970er-Jahren zu sehen. Die Jahrzehnte nach dem Zweiten Weltkrieg waren für die Kirchen in Westfalen und Lippe eine Zeit des Auf- und Ausbaus. Vor allem durch den Zuzug von Flüchtlingen und Vertriebenen entstand ein Bedarf an neuen Kirchengebäuden. Diese in schlichten modernen Formen gehaltenen Gotteshäuser erhielten häufig eine hochwertige Ausstattung für den Gottesdienst. Daraus ergab sich ein interessantes Tätigkeitsfeld für Silberschmiede mit kunsthandwerklichen Ambitionen. Es ging bei diesen Arbeiten auch um einen Gegenentwurf zu sakralen Objekten, die seit Ende des 19. Jahrhunderts arbeitsteilig in Silbermanufakturen in Serie gefertigt wurden und weit verbreitet waren. Als Beispiel ist eine Abendmahlsausstattung der Firma Künne, die in Altena ansässig war und deutschlandweit verkaufte, in der Ausstellung zu sehen.
Mit dem Kelch wurde als Schwerpunkt für die Präsentation aus der Vielfalt sakraler Objekte eine Form ausgewählt, die zusammen mit der Patene, eine flache runde Schale, das älteste liturgische Gerät für den Gottesdienst bildet. Je nach Konfession stellen sich unterschiedliche Anforderungen an die Gestaltung – in liturgischer ebenso wie in praktischer Hinsicht. So entstanden in der katholischen Kirche Messkelche vor allem anlässlich von Priesterweihen. In protestantischen Kirchen ergänzten Abendmahlskanne, Dose und Patene oftmals den Abendmahlskelch, was zusätzliche Gestaltungsmöglichkeiten bot.
Die Ausstellung zeigt auch, wie heute Silberschmiede die anspruchsvolle Aufgabe lösen, sakrales Gerät zu entwerfen, indem sie Arbeiten präsentiert, die an der Staatlichen Zeichenakademie Hanau entstanden sind.
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