Vortrag über neue Forschungsergebnisse aus der Blätterhöhle

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Die Arbeiten in der Höhle sind anstrengend. (Foto: Stadt Hagen)
 
Die Funde werden katalogisiert. (Foto: Stadt Hagen)
Hagen: Historisches Centrum |

Ein Vortrag über neue Forschungsergebnisse zu der international bedeutenden Höhlenfundstelle Blätterhöhle von Privatdozent Dr. Jörg Orschiedt (Freie Universität zu Berlin) findet am Samstag, 19. September, um 15 Uhr im Vortragssaal des Historischen Centrums, Eilper Straße 71-75, statt.

Menschliche Überreste aus der Zeit des 9. und 4. vorchristlichen Jahrtausends konnten im Mittelgebirgsraum bislang kaum nachgewiesen werden. Die Entdeckung der Skelettfunde in der Blätterhöhle in Hagen im Jahre 2004 sowie die bis heute laufenden archäologischen Untersuchungen durch ein internationales Forschungsteam haben dieses Bild grundlegend geändert.

Die bislang vorliegenden Radiokarbon-Datierungen von menschlichen Skelettresten aus der Blätterhöhle, die zwischen 9200 bis 8600 und 3900 bis 2900 v. Chr. liegen, belegen ein mittelsteinzeitliches und jungsteinzeitliches Alter. Jungsteinzeitliche Gemeinschaftsbestattungen in Höhlen und unter Felsdächern sind zwar für andere Regionen wie Belgien, den Britischen Inseln und Irland für das 4. Jahrtausend v. Chr. nachgewiesen, konnten aber in Deutschland noch nicht entdeckt werden.

Die Menschenreste wurden in zwei getrennten, aber durch Tieraktivitäten jeweils gestörten Schichten entdeckt. Sie fanden sich nicht in einem anatomischen Skelettverband, sind jedoch meist sehr gut erhalten und weisen eine Fülle von Informationen auf - vor allem auch genetische Sequenzen. Die Untersuchung der Skelettreste zur Gewinnung von Informationen über die DNA war in fast allen Fällen erfolgreich. Die Ergebnisse zeigen, dass die unterschiedlichen Menschenreste der Blätterhöhle eine typische Jäger-Sammler-Bevölkerung repräsentieren - allerdings je nach Alter mit unterschiedlichen Merkmalen.

Die Überreste von sesshaften Menschen und Fischer-Jäger-Sammlern wurden vermischt miteinander in der gleichen Schicht entdeckt. Die Radiokarbon-Datierungen belegen, dass beide zeitgleich gelebt haben. Die Tatsache, dass ihre Überreste in der gleichen Höhle niedergelegt wurden, zeigt, dass zwischen beiden ein Kontakt bestanden haben muss. Die Blätterhöhle erweist sich damit als eine der bedeutendsten archäologischen Fundorte in Deutschland und in Europa. Die Funde aus der Mittelsteinzeit und auch der späten Jungsteinzeit dokumentieren zwei Nutzungsphasen der Höhle. Einzelfunde aus tieferen Schichten belegen zudem, dass wir zumindest auf dem während der Alt- und Mittelsteinzeit genutzten Vorplatz auch noch eiszeitliche Besiedlungsspuren erwarten können.

Funde aus der Blätterhöhle sind derzeit auch in der NRW-Landesausstellung im LVR-Landesmuseum in Bonn zu sehen wie die Gesichtsrekonstruktion einer 20-jährigen Frau aus der Jungsteinzeit und die Schädelkalotte eines vor rund 10.700 Jahren verstorbenen Mannes.

Privatdozent Dr. Jörg Orschiedt, der seit 2006 als Projektleiter die bis heute laufenden archäologischen Grabungen und Untersuchungen betreut, gibt in seinem Vortrag darüber hinaus einen Überblick über die Forschungsgeschichte, die bisherigen Ergebnisse und die aktuellen Grabungen auf dem Vorplatz sowie im Innenraum der Höhle. Anhand von zahlreichen Abbildungen entsteht so eine detaillierte Dokumentation der Situation im Bereich der Blätterhöhle und des aktuellen Forschungsstands.

Der Eintritt beträgt 5 Euro.ö
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