Trauerarbeit gewürdigt: Angela Merkel zeigt sich einfühlsam und glaubwürdig

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Rund sieben Monate nach der Germanwings-Katastrophe besuchte die Bundeskanzlerin Haltern und sprach mit Schülern, Lehrern und Angehörigen. (Foto: Foto: Volker Hartmann/FUNKE Foto Services)
 

Haltern. Welke Blätter fallen auf schwarz-glänzende Limousinen, die Antennen der Übertragungswagen sehen im grauen Licht des Tages gespenstisch aus. Nur die unruhige Menschenmenge vor dem Joseph-König-Gymnasium wirkt bei der Szene deplatziert.

Mobiltelefone, Filmkameras und Fotoapparate in jeder Größe sind gezückt: Gleich muss doch Angela Merkel aus dem Schulgebäude kommen?! Kräftige Männer mit engen Anzügen und Kabel hinter den Ohren sorgen mit Polizisten dafür, dass die neugierige Menschenansammlung nicht zu Nahe an die Absperrungen kommt. „Zurück, noch zwei Meter zurück“, scheucht ein wichtig aussehender Herr die Menge nach hinten. „Ist bestimmt der Leibwächter von Frau Merkel“, flüstert eine alte Dame respektvoll ihrer Bekannten ins Ohr.

Ein alter Mann bahnt sich kopfschüttelnd einen Weg durch das Chaos: „Wie die Hyänen“, brummt er laut genug in die Menge, um gehört zu werden. Doch das stört weder die Pressevertreter noch die Zaungäste, die unbedingt die Bundeskanzlerin fotografieren wollen.

Vor dem Schulgebäude warten in langer Reihe große Übertragungswagen


Vor dem Schulgebäude haben in langer Reihe große Übertragungswagen ihren Platz gefunden, Autos mit Nummernschildern aus Berlin, Düsseldorf und Bonn stehen dort, wo sonst Schulbusse jeden Tag hunderte Schüler ausspucken. Dazwischen wuseln Frauen und Männer, die augenscheinlich für Funk und Fernsehen arbeiten, hektisch hin und her. Als sich endlich an der Haupttür des Gymnasiums ein Pulk bildet und Angela Merkel mit Schuldirektor Ulrich Wessel, Schülersprecherin Johanna König, NRW-Schulministerin Sylvia Löhrmann und dem Bürgermeister Bodo Klimpel nach draußen tritt, geht die Rangelei um die besten Plätze gut 150 Meter davon entfernt erst richtig los.

Drinnen hat die Bundeskanzlerin weit über eine Stunde davon nichts mitbekommen. Mit Schülern, Lehrern und mit den Eltern der tödlich verunglückten Kinder hat sie gesprochen, hat ihnen gut 90 Minuten zugehört, getröstet und manchmal wohl auch nur betroffen geschwiegen.

Nach ihrer Ankunft gegen 11.30 Uhr legt Merkel zunächst an der Gedenktafel für die Opfer des Flugzeugabsturzes auf dem Schulhof Blumen nieder, um sich dann ins Kondolenzbuch der Schule einzutragen. Was für ein Kontrast, als sie jetzt nach draußen tritt. Dunkel gekleidet, geht sie ans Mikrofon, hält eine Rede für die Schülerinnen und Schüler. Die Frage nach dem Warum könne noch immer niemand beantworten, sagt Merkel. Sie sei aber beeindruckt davon, mit wie viel Liebe und Mitgefühl Schüler, Eltern und Lehrer versuchten, „mit diesem schrecklichen Ereignis umzugehen und damit fertig zu werden." Haltern sei ein Beispiel dafür geworden, „wie man in einer solch fürchterlich traurigen Situation trotzdem Gemeinschaft zeigen kann“.

Zum Jahrestag des Absturzes im kommenden Frühjahr plant eine Gruppe von Schülern und Lehrern, nach Frankreich zu reisen und die Absturzstelle zu besuchen. „Diese Schülerinnen und Schüler haben teilweise die besten Freunde verloren“, sagte Schulleiter Ulrich Wessel am Rande des Besuchs von Merkel. Geplant seien zwei Übernachtungen in den französischen Alpen und eine Wanderung zu dem hochalpinen Unglücksort.
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