Wir sind Hattinger: Erich Warsitz

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Erich Warsitz Foto: Wikipedia/Warsitz
 
Erich Warsitz um 1982. Foto: Wikipedia/Warsitz
Hattingen: Hattingen |

Erich Warsitz wurde am 18. Oktober 1906 in Hattingen geboren und er erwarb die Lizenz für alles, was Flügel hatte. Warsitz war deutscher Testpilot und maßgeblich an der Entwicklung und den Testflügen von raketen- und düsengetriebenen bei den Henkel-Werken beteiligt. Der Hattinger war der erste Jet-Pilot der Welt.

Warsitz galt schon früh als erfahrener Testpilot mit großen technischen Kenntnissen. Er arbeitete mit Größen wie dem Entwickler der Raketentriebwerke, Werner von Braun, zusammen. Der bisherige Flugzeugantrieb, der Propeller, sollte schon bald Geschichte sein. Mit der Heinkel HE 176 baute er mit einem kleinen Team zunächst eine Flugzeugattrappe. Sein Sohn Lutz setzte ihm später unter www.firstjetpilot.com ein Denkmal in der digitalen Welt. Dort wird Warsitz mit den Worten zitiert: „Nach Fertigstellung der ersten Attrappe waren wir alle fassungslos, wie klein sie geworden war. Ich glaube, da dachten wir alle: Das Ding wird nie fliegen! Die 176 war so groß, dass sie spielend in einem Zimmer des sozialen Wohnungsbaus Platz gefunden hätte. Es handelte sich um ein Flugzeug, das völlig aus dem Rahmen fiel und auch für die vorgesehene Geschwindigkeit bis zur Schallgrenze oder kurz davor natürlich ganz anders konstruiert und gebaut werden musste, wodurch eine Unmenge an Schwierigkeiten auf uns zukam, die wir bewältigen mussten.“ Die Forschungen von Rollen und Geschwindigkeit liefen auf Hochtouren.
Nach den Erfahrungen mit dem ersten Flüssigkeits-Raketenflug und der HE 176 am 20. Juni 1939 erkannte man rasch, dass nicht dem Raketen-, sondern dem Düsenflug die Zukunft gehörte. Hintergrund war die längere Flugzeit und die größere Betriebssicherheit.
Am 27. August 1939 startete für sechs Minuten eine kleine Versuchsmaschine mit Testpilot Erich Warsitz – das war der erste Düsenflug der Welt und damit war die Frage nach einem neuen Antrieb für Flugzeuge beantwortet.
Im Zweiten Weltkrieg war Warsitz Flugleiter und Chefpilot der Erprobungsstelle Peenemünde. 1941 bekam er den Auftrag von Ernst Udet, in Nantes und in Eindhoven deutsche Bomberverbände hinsichtlich der korrekten Verwendung der Starthilfen zu schulen. Im Jahr 1942 erlitt Warsitz bei einem Werftflug mit einer Messerschmitt Bf 109 einen schweren Unfall – die Ursache war eine falsch angeschlossene Brennstoffleitung – der ihn für über ein Jahr fluguntauglich machte; danach übernahm er die Leitung der elterlichen Betriebe und gründete die „Warsitz Werke“ in Amsterdam, wo verschiedenste feinmechanische Einzelteile höchster Präzision angefertigt wurden. Während sich im Krieg die Lage Deutschlands verschlimmerte, wurde er 1943 vom Rüstungsstab beauftragt, Ventile und gewisse Ofenteile für die A4-Rakete, die in die höchste Dringlichkeitsstufe kam, serienmäßig herzustellen.

Warsitz kam in Kriegsgefangenschaft

Nach Kriegsende wurde Erich Warsitz von vier russischen Offizieren in der Nacht vom 5. zum 6. Dezember 1945 aus seiner im amerikanischen Sektor von Berlin gelegenen Wohnung entführt und zahlreichen Verhören unterzogen. Man bot ihm an, sich für fünf Jahre zur Mitarbeit in einer russischen Spezialeinheit zu verpflichten. Nachdem er die Unterschrift verweigerte, wurde er zu 25 Jahren Zwangsarbeit verurteilt und nach Sibirien in ein Strafgefangenenlager gebracht.
Nach seiner Rückkehr im Jahre 1950 betätigte er sich als selbständiger Unternehmer, indem er die „Maschinenfabrik Hilden“ gründete, bis er 1965 in den Ruhestand trat und mit seiner Familie in die Schweiz zog. Er starb mit 76 Jahren in der Schweiz.
Anlässlich des 50. Jubiläums des erfolgreichen Starts von Sputnik-1 und des 70. Jubiläums des ersten Starts der Heinkel He 112, ausgerüstet mit dem von Wernher von Braun konzipierten Raketenantrieb, wurden die fliegerischen Leistungen des Hattingers Erich Warsitz am 4. Oktober 2007 mit einem Sonderstempel von der Deutschen Post gewürdigt.
Auf der Homepage www.firstjetpilot.com finden sich zahlreiche Anekdoten von ersten Flugreisenden. Zum Beispiel von Hand Bender, der in Holland unter anderem Obst und Gemüse gekauft hatte und das reichlich. Er berichtet, dass man von Eindhoven nach Peenemünde eine Transportmaschine benötigt hätte – die aber nicht da war. Erich Warsitz war mit der „Ju“ gerade in Paris und konnte einen Umweg nach Eindhoven fliegen. Das Gepäck war so viel, dass die „Ju“ ziemlich schwanzlastig war und Warsitz die Steuersäule mit den Füßen stemmen musste, denn die Armmuskeln allein reichten nicht aus, um das Flugzeug im Horizontalflug zu halten. Eine Umverteilung des Gepäcks war dringend notwendig. Das geschah auch, doch was die Passagiere nicht ändern konnten, war der infernalische Gestank. Erst nach der Landung stellte sich heraus, dass die Ursache in einem faulen Blumenkohl lag.
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