Wir sind Hattinger: Gottlieb Birschel

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Gottlieb Birschel. Foto: Stadtarchiv Hattingen
 
Eine Anzeige in der Zeitung. Foto: Stadtarchiv Hattingen
Hattingen: Birschel Mühle |

Beschrieben wird Gottlieb Birschel als eine bekannte Persönlichkeit des Hattinger wirtschaftlichen Lebens – so steht es in einem Zeitungsartikel in der „Hattinger Zeitung“ im November 1954. Ein aufrechter Mann sei er gewesen, hochgewachsen und außerordentlich korrekt. Im Knappschaftskrankenhaus starb er 1954 nach kurzer Krankheit.

Birschel wurde als Sohn eines Mühlenbesitzers 1882 geboren. Der Vater übergab ihm die alte Mühle, die eine der ältesten Gewerbebetriebe Hattingens war. Schon 1236 wird die Weyler-Mühle als Gründung von Cliff genannt, im Mittelalter nachweislich mit drei Wasserrädern betrieben. Es gab einen besonderen Mühlenweg, der nach 1800 mit einem Bohlenbelag ausgebaut wurde. Die Familie Birschel betrieb die Mühle als Familienunternehmen seit mehr als einhundert Jahren. So war es nicht verwunderlich, dass Gottlieb sie von seinem Vater übernahm (der sie gekauft hatte) und ausbaute.
Bis 1866 wurde die Mühle durch Wasserräder angetrieben, danach trat Dampfkraft als weitere Energiequelle hinzu. Schon vier Jahre später wurde die Mühle durch Turbinen angetrieben. Vor allem die Qualität des Mehls war sehr berühmt. 3000 Zentner Getreide konnten pro Tag verarbeitet werden zu Markennamen wie „Ruhrperle“, „Ruhrgold“ oder „Ruhrblume“. Neben Weizenmehl gab es auch Roggenmehl und Roggenschrot sowie verschiedene Mahlarten.
1904 leistete der junge Gottlieb mit 22 Jahren in Hanau seinen Militärdienst ab und war nach dem Ersten Weltkrieg Rittmeister. Sein Mühlenbetrieb wurde zu einem der erfolgreichsten Betriebe seiner Branche. Sorgfalt und Tatkraft zeichneten ihn aus und er führte die Mühle durch die zwei Weltkriege. Das Bild des alten Reiteroffiziers wird ihm zugeschrieben – immer, so heißt es, sei er korrekt gewesen. Auch und vor allem in wirtschaftlichen Dingen. Modern sollte sein Betrieb sein und er investierte in die Zukunft. Bekannt sei er in der Stadt gewesen – aber nie laut. Achtung habe man ihm stets erwiesen.

Birschel stirbt mit 72 Jahre

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Er war verheiratet und hatte bei seinem Tod am 4. November 1954 im Alter von 72 Jahren vier Kinder.
Am 1. August 1955 schrieb die „Heimat am Mittag“: Der über die Hattinger Stadtgrenzen hinaus bekannte Betrieb Birschel Mühle muss seinen Betrieb einstellen und die gesamte Belegschaft verliert ihre Arbeit und ist gekündigt. Zum Schluss waren hier noch 45 Menschen hier beschäftigt, wovon die meisten durch das Arbeitsamt in andere Betriebe vermittelt werden konnten. Veränderungen auf dem Absatzmarkt und Konzentrationsbestimmungen sowie Konzernbildungen im Mühlengewerbe sorgten für das Aus des über 100jährigen Familienbetriebes.
Danach kamen zunächst eine Pappenfabrik, danach ein Metallverarbeiter. 1989 verkauften Birschels die ehemalige Mühle an der Schleusenstraße. 41 Jahre nach Stilllegung des Mühlenbetriebes begann der Umbau. Heute gibt es im Industrie-Denkmal 43 seniorengerechte Wohnungen.
Das repräsentative Mühlenhaus, erbaut 1902 und eher einer Burg ähnelnd, ist immer noch ein beliebtes Fotomotiv.
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