Brandgefährlich - der SIH-Kampf gegen den Riesenbärenklau

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Nur unter Vollschutz rücken Stefan Jäschke (li.) und sein SIH-Kollege Jörg Bunkowski der gefährlichen Pflanze zu Leibe.
 
Bei der thermischen Bekämpfung wird mittels einer Hochdrucklanze kochendes Wasser in den Wurzelbereich gespritzt.

"Für uns ist das Beseitigen des Riesen-Bärenklaus wie ein Kampf gegen Windmühlen" berichtet Stefan Jäschke, Vorarbeiter im Bereich Grünpflege des Stadtbetriebs Iserlohn-Hemer (SIH), dem bereits nach nur wenigen Minuten des Arbeitens unter Vollschutz der Schweiß nur so vom Gesicht rinnt. "Deshalb können wir auch nicht alle Anfragen aus der Bevölkerung, die uns in diesen Wochen erreichen, erfüllen."

"Unsere Mitarbeiter konzentrieren sich daher auf Bereiche, wo Menschen schnell in Kontakt mit der gefährlichen Pflanze geraten können", ergänzt Tim Osterhaus, SIH-Meister für den Bereich Grünpflege, "wie hier z. B. im Bereich der neuen Dirtbike-Anlage in Letmathe oder entlang von Fahrrad- und Wanderwegen." Aber dem Riesen-Bärenklau z. B. entlang aller Bäche und Flüsse in Hemer und Iserlohn -den Hauptausbreitungswegen der invasiven Pflanze - den Kampf anzusagen, würde komplett die personellen Möglichkeiten sprengen.
Zumal die Mitarbeiter inzwischen unter deutlich erschwerten Bedingungen vorgehen müssen. "Früher konnten wir einfach ein chemisches Unkrautbekämpfungsmittel versprühen, und gut war's," so Tim Osterhaus weiter, "doch seit es keine Ausnahmegenehmigungen für den Einsatz von Glyphosat von Seiten der Landwirtschaftskammer NRW für Kommunen mehr gibt, bleibt uns nur noch die mechanische und unter Einschränkungen die thermische Bekämpfung."
Und die ist in der Tat mühsam und mit hohem Aufwand verbunden. "Wir müssen vor jedem Einsatz einen abwaschbaren Vollschutz, bestehend aus Gummistiefeln, Gummihandschuhen, einer Art Gummischürze und Gesichtsschutz, anlegen, um uns vor dem hochgefährlichen Pflanzensaft zu schützen," erläutert Stefan Jäschke, "denn die milchartige Substanz, die beim Abschneiden aus den hohlen Stängeln und Blattstielen tropft, verursacht bei Hautkontakt dauerhafte Verbrennungen und Narben."
So geschützt geht es dann ans Werk. Mit einer Art Astschere wird der Stängel gekappt und anschließend mit einer Hacke sorgfältig auch noch die Wurzel ausgegraben - denn sonst wächst binnen weniger Wochen an gleicher Stelle eine neues Exemplar des Riesen-Bärenklaus heran. Pro Pflanze erfordert diese Art der Bekämpfung vom SIH-Zweierteam eine Arbeitszeit von vier bis fünf Minuten. Da wird der Vergleich mit dem "Kampf gegen Windmühlen" verständlich.
Während sich die SIH-Mitarbeiter nach dem Einsatz vorsichtig ihrer Schutzkleidung entledigen und diese gründlich säubern, wandert die entfernte Pflanze anschließend nicht etwa in den normalen Kompost, sondern in die Müllverbrennungsanlage. "Wir behandeln den Riesen-Bärenklau aufgrund der Giftigkeit und Gefährlichkeit in der Tat als eine Art Sondermüll", so Stefan Jäschke, bevor sich die Riesen-Bärenklau-Bekämpfer auf zu ihrem nächsten Einsatzort machen.

Hintergrund "Riesen-Bärenklau"


- lat: Heracleum giganteum
- Neophyt aus dem Kaukasus
- wächst als zwei- bis mehrjährig-einmalblühende Pflanze und erreicht oft innerhalb weniger Wochen eine Höhe bis zu drei Metern.
- Samen bleiben bis zu zehn Jahre keimfähig.
- Ausbreitung der Samen erfolgt überwiegend durch den Wind bzw. am Rand eines Gewässers durch ihre Schwimmfähigkeit.
- Gesundheitsgefahren: In der gesamten Pflanze (auch im Wurzelsystem) sind photosensibilisierende Furanocumarine enthalten, die nach Hautkontakt bei anschließender Bestrahlung durch Sonnenlicht phototoxische Reaktionen hervorrufen (Rötungen, Hautentzündungen, Reizungen und Dermatitis mit entzündlichen und schmerzhaften Blasenbildungen). Diese können großflächig sein und Verbrennungen ersten bis zweiten Grades hervorrufen.
- Zur Beseitigung selbst in kleinem Rahmen sind Handschuhe, Schutzkleidung, Schutzbrille und ggf. Atemschutz erforderlich. Privatpersonen sollten unbedingt ein Fachunternehmen beauftragen.
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