Mobbing verletzt die Seele

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Am Boden: Sinan in seiner Rolle als Mobbingopfer Jürgen in einer Filmszene. (Foto: Mischa Lorenz)
Ein böses Wort hier, ein fie-ses Lachen da und vielleicht noch ein Schubser oder mehr. Mobbing ist überall aktuell. Insbesondere auch an Schulen. Mit diesem schwierigen Thema haben sich daher einige Jungen und Mädchen der Realschule Crange auf bemerkenswerte Weise auseinandergesetzt. „Wir können uns davor nicht verschließen“, macht auch Schulleiter Reiner Jorczik deutlich.
Im Rahmen des Modellprogramms „Kulturagenten für kreative Schulen“, in dem für vier Jahre 40.000 Euro zur Verfügung stehen, und in Zusammenarbeit mit dem theaterkohlenpott haben die Schüler der Jahrgangsstufe 8 (Schuljahr 2011/12) einen Film und eine Broschüre erarbeitet. „Wir wollten weg vom rein pädagogischen Charakter und wählen daher einen künstlerischen Zugriff“, erklärt Ariane Schön, Kulturagentin der Schule.
„Wir haben Mobbing auch schon in unserer Klasse erlebt“, machen Rona und Sinan deutlich. Die Folgen bringt Rona mit einem klugen Satz auf den Punkt. „Es geht in die Seele!“
Zur Einstimmung wurde das Schultheaterstück „Erste Stunde“ aufgeführt. Es geht um das Mobbing-Opfer Jürgen, das in eine neue Klasse kommt und seinen neuen Mischülern anbietet, ihn jetzt fünf Minuten lang fertig zu machen.
Im Laufe des Spiels dreht er aber den Spieß um und konfrontiert die Zuschauer, die so auch zu Protagonisten werden. „Es ist immer spannend zu beobachten, wie sich das Stück entwickelt“, weiß Gabriele Kloke.
Zwar wussten die Schüler vom Theaterbesuch, doch die Wirkung war beeindruckend. „Irgendwann denkt man, das ist echt“, erinnert sich Rona. Und Sinan alias Jürgen ergänzt: „Ich hab‘ gedacht, es kann doch nicht sein, dass wir ihn hauen sollen“, erklärt er die Gefühle, als sich die Grenzen zwischen Theater und Wirklichkeit auflösen.
Mit diesem besonderen Erlebnis im Gepäck machten sich die Schüler an die Pro-
jektarbeit.Das Ergebnis ist nicht weniger bemerkenswert. In dem etwa zehnminütigen Film begegnet man gleich zwei Jürgens, einer davon von Sinan gespielt. Jürgen muss seinen „Freunden“ das Handy abgeben, fällt auf den Hosenboden, weil ihm der Stuhl weggezogen wird und muss sich auslachen lassen. Mehrmals gibt es kleine Pausen, in denen die Zuschauer direkt angesprochen werden und sich Gedanken machen sollen, wie sich Jürgen ihrer Meinung nach verhalten soll und was sie in bestimmten Situationen tun würden.
Hilfe kommt erst am Ende, als Sandra, gespielt von Rona, Mumm zeigt und Jürgen mutig die Hand reicht. In der informativen Broschüre finden sich viele Infos was Mobbing eigentlich ist, welche Formen es gibt, was für Folgen es haben kann sowie Ansprechpartner für Betroffene.
Nun soll das Projekt Eingang ins Schulleben finden. „Wir überlegen noch, wie wir das am besten machen“, erklärt Lehrer Uwe Hirschmann, der auch als Kulturbeauftragter der Schule wirkt. Denn wenn man sich mit Mobbing beschäftigt, kann sich etwas ändern. „In unserer Klasse ist es schon besser geworden“, freuen sich Rona und Sinan.
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Klaus-D. May aus Düsseldorf | 18.12.2012 | 18:34  
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