Sommerlektüre: Bombenbauer, Morddrohung und Tee-Dynastie

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Sommerromane vom Feinsten empfehlen die Buchhändlerin Elisabeth Röttsches und ihr Team. WB-Foto: Detlef Erler
Herne: Wochenblatt |

Sommer 1954: Thomas Mann kommt nach Düsseldorf, um aus seinem Roman „Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull“ vorzulesen. Im Hotel Breidenbacher Hof steigt auch Klaus Heuser ab, eine seiner großen Lieben.

„Königsallee“, der Roman von Horst Pleschinski, entwirft nach Ansicht von Elisabeth Röttsches ein „eindrucksvolles Zeitpanorama der fünfziger Jahre im Nachkriegsdeutschland“ und zudem „erfährt man sehr viel über Thomas Manns Art zu schreiben“. Lebendig, kenntnisreich, atmosphärisch dicht und voll unvergesslicher Figuren ist der Roman, den die erfahrene Buchhändlerin als Sommerlektüre empfiehlt.

Von drei Helden wider Willen erzählt Alex Capus in seinem Buch „Der Fälscher, die Spionin und der Bombenbauer“: Vom Pazifisten Felix, der beim Bau der Atombombe hilft. Von Laura, die Sängerin werden will und als alliierte Spionin in Italien endet. Und von Emile, der mit Schliemann nach Troja reist und zum größten Kunstfälscher aller Zeiten avanciert. Doch ihre Wege bleiben auf eigentümliche Weise miteinander verbunden. Elisabeth Röttsches schätzt die „sehr ungewöhnliche Liebesgeschichte, die mit leichter, feiner Feder erzählt wird“. Sie mag die Figuren, die „nachhaltig in Erinnerung bleiben“. Alex Capus ist für sie ein „stilvoller, eleganter Erzähler“, der anspruchsvolle Literatur schreibt.

"Oder sie stirbt"

Buchhändlerin Inga Husemann mag „Oder sie stirbt“ von Gregg Hurwitz gar nicht mehr aus der Hand legen: Es geht um Patrick, Lehrer an einer Highschool, im Nebenberuf Drehbuchautor. Er findet plötzlich in seinem Briefkasten eine mysteriöse DVD. Darauf sind er und seine Frau Ariana zu sehen – beim Schlafen, beim Aufstehen, überall. Ubekannte drohen schließlich, Ariana umzubringen, wenn er nicht tue, „was wir dir sagen“. „Das Buch entpuppt sich erst auf den letzten 150 Seiten als Wirtschaftskrimi“, verrät Inga Husemann. Sie schätzt die Konstruktion des Romans und die sympathische Hauptfigur, die nur von einer Polizistin unterstützt wird. Und sie findet, dass die Lebenswelt von Los Angeles, Spielort des Romans, bestens getroffen ist.

Mit zwei Morden in der Ferienidylle startet der sommerhelle Krimi aus Schweden „Tödlicher Mittsommer“ von Viveca Sten. Der Kommissar, gequält vom Verlust seiner neugeborenen Tochter und von seiner zerbrochenen Ehe, steht unter hohem Ermittlungs-Druck. Buchhändlerin Dagmar Pohlke findet „die Stimmung, die rüberkommt, sehr gut“. „Leicht und flüssig geschrieben“ sei die Mischung aus Krimi und familiärer Situation des Kommissars. „Außerdem mag ich, wie die sommerliche Atmosphäre im Stockholmer Schärengarten dargestellt wird.“

"Die fremde Tochter"

Ganz nebenbei lernt man viel über Tee, wenn man das Buch „Die fremde Tochter“ von Anna Jonuleit liest. Es geht um eine französische Tee-Dynastie, die von Frauen geführt wird – und um die Liebesgeschichte von Lins Mutter. Lin nämlich steht irgendwann vor Monsieur Cho und behauptet, seine Tochter zu sein – noch am selben Tag verschwindet sie spurlos. Cho stellt Nachforschungen an und kommt einem schrecklichen Geheimnis der mächtigen Familie auf die Spur. Das hört sich erst einmal kitschig an, ist es aber nicht – da sind sich die Buchhändlerinnen sicher und stellen fest: „Eine wunderbare Ferienlektüre.“
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