Die Hausidee: Jeder für sich und alle zusammen

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Käthe Spreen liest eine Weihnachtsgeschichte beim Adventsfrühstück vor.
 
Betty Matern und Käthe Spreen (re.) gehören zur Gemeinschaft der Hausidee.
Herten: Die Hausidee |

Gemeinsam den Alltag leben, sich gegenseitig helfen und auch mal freie Zeit miteinander verbringen – das ist der Grundgedanke, der hinter der „Hausidee“ steckt. Betty Matern (81) und Käthe Spreen (82) gehören zu den insgesamt 24 Parteien, die in dem 1999 entstandenen Haus auf der Ewaldstraße 124 leben.

Gut macht er sich, der große Tannenbaum im Foyer des Hauses. Zum ersten Advent trafen sich alle Hausbewohner zu einem gemeinsamen Frühstück, trugen ihren Weihnachtsschmuck in vielen Kisten und Kästchen zusammen und schmückten damit den Baum der Hausgemeinschaft. Aus ganz unterschiedlichen Gründen sind die Mieter in das barrierefreie und altengerechte Haus gezogen. „Mein Haus war schon stark einsturzgefährdet und ich lebte dort zum Schluss ganz allein“, erzählt Käthe Spreen, die früher in ihrem eigenen Haus in Herten einen Obst- und Gemüseladen betrieben hatte und ihre Waren viele Jahre auf dem Markt feilbot. „Die vielen nötigen Reparaturen hätte ich gar nicht mehr schultern können.“ Von Bekannten hatte sie dann von der freien Wohnung im ersten Stock erfahren. „66 Quadratmeter waren groß genug für mich, ich konnte zwar nicht alle meine Möbel mitnehmen, aber mir hat die Wohnung sehr gut gefallen.“ Und so zog Käthe Spreen im März 2006 zur „Hausidee“ um.

Ein Jahr später lernte die freundliche Rentnerin eine weitere zukünftige Mitbewohnerin beim Eis essen kennen. Betty Matern war eigentlich gar nicht auf der Suche nach einer anderen Wohnung. „Käthe hatte mir von dem Haus erzählt, und dass dort eine Wohnung im Parterre frei würde“, erinnert sich die agile Dame. „Das hörte sich gut an. Ich war gerade verwitwet und hatte auch mitbekommen, wie 1999 das Haus gebaut wurde.“ Betty Matern kannte sogar schon Menschen, die in dem Haus wohnten und ihr von dem positiven Miteinander erzählt hatten. „Mir gefiel die altengerechte Ausstattung des Hauses, die schicken Bäder und die Fußbodenheizung, und außerdem wäre ich mit der Lage direkt am Süder Markt näher am Geschehen gewesen als bei meiner bisherigen Wohnung.“ 2007 zog Betty Matern zur „Hausidee“.
Ursprünglich hatte das Ehepaar Ibolya und Klaus Götza die Idee, das Haus für sich selbst und eigene Freunde zu erschaffen, um dort auf der einen Seite unabhängig, auf der anderen Seite gemeinsam zu leben. Getrennte, für sich abgeschlossene Wohnungen sollten die Privatspäre und größtmögliche Unabhängigkeit aller Bewohner bewahren, für die Gemeinschaft entstand ein großer Mehrzweckraum mit Bar und Küche, außerdem wurde ein großer Gartenbereich angelegt. Barrierefrei und altengerecht wurde das Haus durch die Aufzüge zu allen Etagen, die breiten, rollstuhlgängigen Flure und Zimmertüren, Handläufe, Bewegungsmelder fürs Treppenhauslicht, ebenerdige Einstiege in die Dusche, und vieles mehr. „Als das Haus fertig war, waren aber einige Freunde schon verstorben, bei anderen hatten sich die Lebensziele verändert“, sagt Klaus Götza. Die „Hausidee“ suchte daher Mieter. „Wir dachten eigentlich daran, dass ebenso junge Familien wie ältere Menschen hier einziehen und machten zur Auflage, dass die Mieter schon ein Interesse daran haben sollten, sich gegenseitig zu unterstützen und füreinander da zu sein – jeder so, wie er kann.“

Die ganz jungen Leute sind ausgeblieben, Menschen von 60 bis 93 leben jetzt im Haus, aber der Gemeinschaftsgedanke funktioniert. Jeden Freitag deckt Käthe Spreen im Gemeinschaftsraum die Kaffeetafel für acht bis zehn Frauen – Mädchentreff nennen sich die rüstigen Damen. Die Herren des Hauses treffen sich dafür sonntags zum Frühschoppen und kloppen ab und zu Skat. Es wird Karneval und Silvester gefeiert, zum Sommerfest werden Zelte im Garten aufgestellt und jeder macht etwas zu Essen fürs Büffet. Und immer am Samstag vor dem 1. Advent steht das große Christbaumschmücken auf dem Plan. „Es ist schön, hier zu wohnen“, findet Betty Matern. „Wenn ich mal krank werden würde, hätte ich die Gewissheit, dass jemand für mich da wäre, mit einem Stück Kuchen vorbei käme, für mich einkaufen und mit mir zum Arzt gehen würde.“

Damit die „Hausidee“ auch in Zukunft funktioniert, wünscht sich Klaus Götza, dass sich auch jüngere Paare oder Alleinstehende, die sich gerne aktiv in die Hausgemeinschaft mit einbringen, für das Haus interessieren. Wer mehr Infos dazu möchte, meldet sich unter Telefon 02366-33033 oder schickt eine E-Mail an info@goetza.de.
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