SPD-Unterbezirk Märkischer Kreis stellt sich gegen Koalitionsverhandlungen

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Der SPD-Unterbezirksvorstand Märkischer Kreis hat in seiner gestrigen Sitzung einstimmig den folgenden Text beschlossen und zur weiteren Beratung an die Bundes- und Landespartei weitergeleitet:

1. Der Vorstand des SPD-Unterbezirks bewertet das kürzlich veröffentlichte Sondierungspapier, das von CDU, CSU und SPD ausgehandelt wurde, kritisch. Insbesondere in der Arbeits- und Sozialpolitik fehlen zentrale Forderungen, mit denen die SPD sich am 24. September zur Bundestagswahl gestellt hat. Positive Vereinbarungen zu Europa und zur Bildungspolitik sind direkt nicht umzusetzen. Sie benötigen entweder eine Zwei-Drittel-Mehrheit in Bundestag und Bundesrat oder die Zustimmung anderer europäischer Regierungen.
2. Teile der Vereinbarungen mit den Unionsparteien waren bereits Inhalt des Koalitionsvertrags aus dem Jahr 2013. Hierzu gehört unter anderem die Forderung nach dem Rückkehrrecht von der Teilzeit- in die Vollzeitarbeit. Die Verlässlichkeit der Unionsparteien aus der letzten Legislaturperiode hinterlässt hier für die Zukunft erhebliche Zweifel.
3. Im Sondierungspapier werden wesentliche Zukunftsfragen nicht thematisiert. Die Haltung einer möglichen neuen Regierung zur Zukunft von Arbeit und Gemeinwohl im Rahmen der Digitalisierung lässt sich nicht erkennen. Dabei sind hier dringend Lösungen gefragt. Google, Amazon und andere Konzerne, die mittlerweile nicht mehr nur in ihrer digitalen Welt Monopolstellungen erreichen, greifen verstärkt die öffentliche Hand bei Forschung und Dienstleistungen an.
4. Insbesondere die junge Generation und Menschen, die sich seit Jahren in befristeten Arbeitsverhältnissen befinden, haben ein Recht auf Planungssicherheit. Die Abschaffung der sachgrundlosen Befristung wäre hier ein richtiger Schritt gewesen. Arbeitgeber haben über das Werkzeug der Probezeit ein ausreichendes Volumen an Zeit, um neue Beschäftigte in ihrem Arbeitsumfeld zu testen. Die sachgrundlose Befristung kann deswegen ersatzlos abgeschafft werden.
5. Rentenpolitisch sichert das Papier ein stabiles Rentenniveau bis ins Jahr 2025 ab. Für die Zeit danach soll in einer Kommission „Verlässlicher Generationenvertrag“ erörtert werden, wie in der Zeit danach die Altersvorsorge gestaltet werden soll. Hierzu ist festzustellen: In der vergangenen Koalition haben sich CDU und CSU geweigert, über langfristige Ziele sich festzulegen. Die Einrichtung einer Kommission garantiert nicht, dass diese auch Lösungen findet.
6. Anstelle die gesetzliche Rentenversicherung zu stärken, vereinbaren die drei Parteien die Stärkung der privaten Altersvorsorge. Gerade Menschen mit niedrigen Einkommen werden sich an weiterer privater Vorsorge nicht beteiligen können. Es wird darauf verzichtet, Selbständige auch in die gesetzliche Rentenversicherung zu integrieren. Dies halten wir für einen falschen Schritt.
7. Wir begrüßen das Vorhaben, die paritätische Finanzierung der GKV wiedereinzuführen. Dies ist ein wichtiges Gerechtigkeitsvorhaben. Allerdings garantiert es nicht, dass Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer damit automatisch weniger Sozialbeiträge zahlen müssen angesichts der Möglichkeit steigender Beiträge.
8. Nicht einmal ein Einstieg in die Bürgerversicherung wird im Sondierungspapier festgehalten. Damit wird die schrittweise Rücknahme der Zwei-Klassen-Versorgung in unserem Gesundheitssystem auch in den nächsten vier Jahren nicht stattfinden. Die Menschen empfinden dies als besondere Ungerechtigkeit. Hier besteht Nachholbedarf.
9. Der demografische Wandel, die Herausforderungen der Digitalisierung und der Anspruch auf ein selbstbestimmtes Leben aller Menschen erfordert höhere öffentliche Investitionen. Gleichzeitig hat der Staat die Aufgabe, gleichwertige Lebensverhältnisse zu garantieren. Es ist festzustellen, dass hohe Einkommen aus beiden Gründen stärker am Gemeinwohl beteiligtwerden müssen. Der Verzicht auf die Erhöhung des Spitzensteuersatzes und andere Maßnahmen ist deswegen nicht zu unterstützen.

Im Ergebnis stellen wir fest: Viele Forderungen im Sondierungspapier sind zu unterstützen. Viele von ihnen gehen leider über das Stadium von Reparaturen selbst verursachter Ungerechtigkeiten (Beispiele: Paritätische Krankenversicherung, Ungerechtigkeiten im Teilzeit- und Befristungsrecht) nicht hinaus. Andere sind von einer neuen Bundesregierung und ihrer Parlamentsmehrheit alleine nicht umzusetzen.

Für uns ist klar: Ohne die Abschaffung der sachgrundlosen Befristung, ohne wegweisende arbeitnehmendenfreundliche Reformen im Arbeits- und Mitbestimmungsrecht als Reaktion auf die Digitalisierung, ohne den Einstieg in die Bürgerversicherung, ohne eine gerechtere Steuerpolitik und ohne eine feste Terminierung zur Umsetzung der Vorhaben befürwortet der Vorstand des SPD-Unterbezirks Märkischer Kreis keine Bildung einer Großen Koalition. Dem Bundesparteitag ist eine Zustimmung zu Koalitionsverhandlungen auf Grundlage des vorgelegten Sondierungspapiers nicht zu empfehlen.
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