Prostitution: "Anschaffen und gesund bleiben"

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Aufklärung statt Vorverurteilung: Die Aidshilfe im Kreis Unna mit einer neuen Kampagne gegen HIV. Foto: Aidshilfe

Die Aidshilfe hat kürzlich die Prostitution im Kreisgebiet untersucht, um sich ein Bild von dem "ältesten Gewerbe der Welt" und der Bedeutung für die Prävention von HIV und anderer Geschlechtskrankheiten zu machen.

„Acht bis zehn Bordellbetriebe sind im Kreis Unna beheimatet“, erklärt Manuel Izdebski, Sexualpädagoge und Geschäftsführer der Aidshilfe.
Etwa 65 bis 70 Frauen arbeiten in den Betrieben als professionelle Sexarbeiterinnen. Daneben finden sich weitere 25 Frauen, die als Gelegenheits-Prostituierte eigenständig ihre sexuellen Dienstleistungen über einschlägige Internetportale anbieten.
„Einen etablierten Straßenstrich konnten wir gar nicht ausfindig machen“, ergänzt Izdebski: „Daran hat sich auch nach der Schließung des Dortmunder Straßenstrichs nichts geändert“.
Die Aidshilfe schätzt konservativ, dass rund 13.000 Sexualkontakte pro Jahr durch Prostitution im Kreisgebiet zustande kommen. „Das mag zunächst viel klingen, aber ein Betrieb kann ja nicht von fünf Kunden im Monat existieren“, erläutert der Geschäftsführer: „Für unsere Präventionsbemühungen ist das eine relevante Zahl.“
Zwar sei die Ausbreitung von HIV unter Prostituierten nicht höher als in der Allgemeinbevölkerung, doch spielten andere sexuell übertragbare Krankheiten eine größere Rolle. Hinweise auf Menschenhandel oder Zwangsprostitution konnte die Aidshilfe bei ihrer Recherche nicht entdecken. „Dieses Phänomen kennen wir eher aus den Großstädten, wo viele Frauen aus Süd-Osteuropa die Szene prägen“, so Izdebski.
In den Betrieben im Kreis Unna sei die Anzahl der Frauen mit Migrationshintergrund überschaubarer, insbesondere für Länder wie Rumänien oder Bulgarien.
Unterdessen kann die Aidshilfe beobachten, dass eine andere Entwicklung ihren Weg ins Kreisgebiet gefunden hat. Demnach steigen die Clubs immer mehr auf Pauschalangebote um. „Flatrates wirken auch bei sexuellen Dienstleistungen als attraktives Angebot.
Die Männer überschätzen dabei aber gerne ihre eigenen Fähigkeiten“, erklärt der Geschäftsführer der Aidshilfe. Für die Beratungsstelle ist es wichtig, dass das Geschäft mit der käuflichen Liebe unter fairen Bedingungen stattfindet. „Wir moralisieren nicht und akzeptieren unterschiedliche Lebensweisen“, sagt der Sexualpädagoge. “
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