"Auf den Spuren des Jakobsweges am Niederrhein" - 5. Etappe am 23.11.2010

In der Ferne erkennt man den Ort Till.
 
Die Pilgergruppe nähert sich Bedburg-Hau, Ortsteil Till-Moyland.
5. Etappe des Jakobsweges von Moyland nach Kalkar am 23.11.2010


Teilnehmerzahl: 30 Personen
Treffpunkt: Parkplatz am Sportplatz in Kalkar
Abfahrt: 9.20 Uhr mit Buslinie 44; ab Haltestelle Kalkar Markt
Ausstieg: Busstation Schloss Moyland
Geistliche Führung: Pater Antonius
Geschichtliches: Renate Brings-Otremba - erkältet
Betreuung: Edeltraud Müller, erkältet



Die für 2010 letzte Etappe hatte einige Ausfälle durch Erkältungen. Auch Renate Brings-Otremba konnte nur an 2 Stellen kurze Einführungen geben. Sie legte die Zwischenstation mit dem Pkw zurück und blendete sich dann für dieses Jahr aus. Für ihre Ausführungen gab es einen Sonderapplaus.

Als der Bus an der Haltestelle bei Schloss Moyland anhielt, läuteten die Glocken der evangelischen Schlosskirche zur Begrüßung der Pilger. Herr Bender, Pastor von Moyland und Luisendorf, gab eine kurze Übersicht über die Geschichte.

1683
wird die Schlosskirche unter dem Patronat der Familie Spaen, den damaligen Besitzern von Schloss Moyland, erbaut.

1693
Ab diesem Jahr werden die Kirchenbücher über Geburten geführt. Kirche und Schule gehören zusammen.

1695
wird das Schloss an das Kurfürstenhaus bzw. Königshaus Brandenburg-Preussen verkauft.

1766
Adrian von Steengracht erwirbt das Schloss Moyland von Friedrich dem Großen. Das Patronat durch die Familie Steengracht, d. h. die Verpflichtung für die finanziellen Lasten der Kirchengemeinde, bleiben bestehen. Da Kirche und Schule eine Einheit waren, ist auch die Schule entsprechend abgesichert.

1958
die Kirche wird durch die Evangelische Kirche erworben und das Patronat erlischt, die Kirchengemeinde wird selbstständig.

1960
Anfang der 60-er Jahre wird die renovierte kalvinistische Kirche restauriert und in seiner ursprünglichen Form wieder hergestellt. Immer noch ohne Taufbecken. Die Gemeinde bildet einen Halbkreis um den Abendmahltisch.

1987
werden zwei Gobelins in der Stiftskirche angebracht.

2006/2007
werden umfangreiche Renovierungsarbeiten an Kirchturm und Dachbalken notwendig, die die finanzielle Lage der Kirchengemeinde fast aufbraucht.

2008
wird ein Förderverein gegründet, wodurch auch wieder Zuschüsse für die Renovierung erfolgen. Die Schlosskirche steht heute unter Denkmalschutz.

Hinter dem Abendmahlstisch hielt Edeltraud Müller eine Meditation. Danach sangen wir noch ein Lied aus dem evangelischen Kirchenbuch.

Bei leichtem Nieselregen ging der Fußmarsch dann nach Till, wo uns Herr Jan Kallendonk die Türe zur St. Vincentiuskirche öffnete. Um den alten Taufstein aus Namurer Basalt versammelte sich die Pilgerschar, um dem Vortrag von Renate Brings-Otremba zu lauschen.

Die Kirche wird erstmals 1292 genannt. Memoriensteine aus dem 9. oder 10. Jahrhundert, weisen auf die seltenen, aus dem fränkischen stammenden Patrizonien St. Vincentius und Genovefa hin. Patronatsherr war seit spätestens 1405 der Herzog von Kleve.
Die Orgel ist so in den Kirchenraum eingebunden, dass das große Fenster auf der Empore in der Mitte liegt und somit die Lichtdurchflutung nicht beeinflusst wird.

Im Vorraum unter dem Turm erhielt jeder seinen Pilgerstempel von Jan Kallendonk, der sich über das Internet nach unserer Wanderroute erkundigt hatte. Er hat die bisher veröffentlichen 4 Etappenberichte gelesen.

Weiter ging der Pilgerzug in Richtung Wissels. Am Bildstock von St. Clemens, aus dem Jahre 2004, machten wir kurz Halt. Pater Anton wies darauf hin, dass der Heilige Clemens als Bischof dargestellt ist, später aber der 3. Papst in der Kirchegeschichte wurde. Er wurde mit einem Anker um den Hals von seinen Widersachern (Christenverfolgung) im Meer ertränkt und wurde dadurch zum Märtyrer.

Vor der Stiftskirche St. Clemens warteten wir auf den Pfarrer Karlscheuer, der auch pünktlich auf dem Fahrrad an der Kirche eintraf.

Zu den eindrucksvollsten Beispielen romanischer Architektur am Niederrhein gehört neben den Kirchen in Emmerich, Hochelten und Xanten auch die Kirche des ehemaligen Kanonikerstifts St. Clemens. Mitte des 12. Jahrhunderts (1140/1160) erhielt das im frühen 9. Jahrhundert gegründete Stift einen stattlichen Neubau, der bis heute unverändert erhalten blieb. Lediglich der Chorabschluss und die Chorgewölbe wurden im 15. Jahrhundert erneuert.

1802 hob Napoleon das Stift auf.

Der Kapitelsaal verschwand, das Kircheninnere für die nunmehr alleinige Nutzung als Pfarrkirche hergerichtet.

Nach dem Lied: „Großer Gott, wir loben dich“ verließen wir die Kirche und begaben uns zum Pfarrheim, wo wir unser Picknick einnahmen.

Gestärkt ging es dann weiter in Richtung Kalkar. Unterwegs war wieder eine Strecke der Stille angesagt, bei der sich jeder Gedanken machen sollte zum Thema:

„Menschwerdung Jesu und Konsequenzen für uns“

Dazu wurden dann auch einige Kommentare genannt, von denen hier einige festgehalten sind.
- Ohne die Geburt Jesu wäre die Welt heute ganz anders.
- Die Geburt Jesu hat die gesamte Kultur der Welt verändert durch Nächstenliebe.
- Die Menschwerdung Jesu soll dienen, dass Menschen mehr Mensch werden.
- Die Menschwerdung Jesu ist der sichtbare Beweis von Gottes Verheißungen.
- Das Leben Jesu ist sichtbarer Willen Gottes.


Um 15.30 Uhr trafen wir wieder auf dem Parkplatz ein, den wir am Morgen zur 5. Etappe verlassen hatten.

Verfasser und Fotograf:
Pilger Wilhelm Vinnbruck
(E-Mail: bin-ich-leo@gmx.de)

Alle Etappenberichte sind eingestellt in der Gruppe "Auf den Spuren des Jakobsweges am Niederrhein".
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