Fit für die Arbeit durch tagesstrukturierte Förderung

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Rasenmähen vor der Winterzeit – auch das gehört zum Einsatzbereich der „TSF“-Gruppe
Kamp-Lintfort: Friedrichstraße |

Heute fluppt es so richtig, die Arbeit geht leicht von der Hand. Rasen mähen, Grünschnitt wegbringen, Beete saubermachen, es ist ein eingespieltes Team, das an diesem Morgen den großen Garten des LVR-HPH-Wohnverbundes an der Reitzenstein-straße in Wesel auf den Winter vorbereitet. Eine fleißige Truppe, jeder weiß, was zu tun ist. Das war nicht immer so. Denn die Männer und die eine Frau, die hier arbeiten, haben es nicht leicht gehabt in ihrem Leben. Aufgrund ihrer Behinderung und ihres Verhaltens waren sie nicht bzw. noch nicht für einen Job in einer Werkstatt für Menschen mit Behinderung geeignet. Aber den ganzen Tag zuhause, sprich im LVR-HPH-Wohnverbund, herumsitzen und dabei vielleicht auf dumme Gedanken kommen, war keine Alternative. Der Wohnverbund des LVR-HPH-Netz Niederrhein in Kamp-Lintfort in der Friedrichstraße ist deshalb einen eigenen Weg gegangen.

Das Kürzel heißt TSF, das Zauberwort dahinter tagesstrukturierte Förderung. Diese soll den Menschen, die im LVR-HPH-Wohnverbund leben und keiner Arbeit nachgehen, einen strukturierten Alltag bieten. Wie den fleißigen Gärtnern. Die Mitglieder der Gruppe leben alle im LVR-HPH-Wohnverbund in Kamp-Lintfort. Dort begann vor rund acht Jahren auch die Arbeit, sagt Dirk Heimings, der für die Gruppe zuständig ist. „Es musste etwas gemacht werden um den Jungs und Mädels eine Aufgabe zu geben.“ Zunächst im Haus in Kamp-Lintfort selbst. Hier etwas reparieren, dort eine Wand streichen, „eben alles, was so angefallen ist“. Die Arbeit wurde mehr. Ein anderer LVR-HPH-Wohnverbund wünschte sich Hilfe bei einem Umzug, beim nächsten musste der Rasen gemäht werden. Die Gruppe brauchte Verstärkung so kam Dirk Heimings ins Spiel. Er ist gelernter Maschinenschlosser, sattelte noch ein Maschinenbautechnik-Studium obendrauf und als er hörte, dass im Kamp-Lintforter Wohnverbund jemand gesucht wurde, der handwerklich geschickt war, hospitierte er dort für einige Tage. Ergebnis: „Ich fand das toll und bin geblieben.“ Heute läuft der Betrieb „wie in einer ganz normalen Firma“. Die Gruppe arbeitet nur intern, sprich für LVR-HPH-Einrichtungen. Wer Hilfe braucht, meldet sich bei der Infrastruktur in Bedburg-Hau, von dort geht der entsprechende Arbeitsschein an die TSF-Gruppe.

Die Mitglieder arbeiten, also werden sie auch dafür bezahlt. Am Monatsende wird anhand der Leistung und erbrachten Stunden das Entgelt berechnet. Der Arbeitstag sieht so aus: Nach dem Frühstück wird geklärt, was an dem Tag ansteht und was alles an Materialien gebraucht wird. Geklärt wird das übrigens gemeinsam, das ist Dirk Heimings wichtig. Er sieht sich nicht als Chef. „Ich arbeite mit ihnen.“ Nach dem Check geht’s los. Inzwischen sind die Kamp-Lintforter Experte für alles, was im und rund ums Haus anfällt. Zum gemeinsamen Mittagessen sind sie wieder zurück im LVR-HPH-Wohnverbund, haben Zeit für eine Dusche, und für ein Gespräch über den Tag. Das passiert an drei Tagen in der Woche in diesem Rhythmus. An drei Tagen zu arbeiten ist für die Teilnehmenden schon ausreichend, so Heimings. Er erinnert daran, dass es sich um Menschen handelt, die aufgrund ihrer Behin-derung und ihres Verhaltens gehandicapt sind, die eine 1-zu-1-Betreuung brauchen würden und eine kleine geschützte Runde, in der jeder jeden kenne. Die tagesstrukturierte Förderung in Kamp-Lintfort zeigt Erfolg. Die Menschen seien ausgeglichener, ruhiger, auch an den Tagen, an denen sie nicht im Einsatz seien, und würden deutlich besser miteinander auskommen. Und ein ganz besonderer Erfolg: Zwei Mitglieder sind nach drei Jahren in der Gruppe als Beschäftigte in die Werkstatt gewechselt.
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