18 Quadratmeterfür vier Personen: Einblicke in neue Flüchtlingsunterkunft

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18 Quadratmetern stehen vier Asylsuchenden zur Verfügung. Foto: de Clerque
 

Wo vorher eine Wiese war, steht jetzt eine neue Flüchtlingsunterkunft an der Theodor-Heuss-Straße. Bis zu 150 Personen finden darin Platz, vor allem Familien sollen hier untergebracht werden. In Kürze stehen die ersten "Umzüge" aus einer der Sporthallen an.

Am Donnerstag waren interessierte Bürger eingeladen, sich ein Bild von der Flüchtlingsunterkunft zu machen. Das Fazit: nicht gerade luxuriös, aber allemal besser als eine Sporthalle.
Ein langer, weiß gestrichener Gang ist das erste, was der Besucher zu sehen bekommt. Im unteren Bereich sind die Wände nicht weiß gestrichen, sondern mit einem Schutz gegen Verschmutzungen ausgestattet. (Noch) keine Bilder an den Wänden, die Funktionalität steht im Vordergrund. Bei der Einrichtung handelt es sich nicht um eine Notunterkunft, die Asylsuchende zeitnah wieder verlassen, sondern um eine städtische Einrichtung. Das heißt: Die künftigen Bewohner wurden der Stadt Langenfeld zugewiesen und bleiben in der Unterkunft, bis der Status geklärt ist. Und das kann dauern.
In nur zwei Monaten wurde der Bau fertiggestellt. Das liegt an der Modulbauweise. Eine Velberter Firma liefert Fertigbauteile an, die beliebig erweitert werden können. Sie werden zusammengesetzt und dann verputzt. "Das geht schnell und ist massiv", erläutert Holger Hammer, Referatsleiter Soziale Angelegenheiten bei der Stadt Langenfeld. Der Faktor "Zeit" war besonders wichtig. Denn: "Wir haben hier keine Leerstände, in der wir Flüchtlinge unterbringen können. Wir müssen neu bauen", so Christian Benzrath, stellvertretender Fachbereichsleiter Soziales.
Von dem langen Gang gehen die Zimmer ab. Es riecht "neu", nach Farbe und gerade erst aufgebauten Möbeln. In dem schlauchartigen Raum stehen zwei Etagenbetten, zwei zweitürige Schränke, ein Kühlschrank. Vor dem Fenster ein Tisch mit Stühlen. Damit ist der Raum voll - fast, denn die vier Bewohner fehlen noch. 18 Quadratmeter für vier Personen.
Eine Verbindungstür zum Nachbarzimmer gibt es auch. "Die beiden Räume sind für Familien mit acht Personen gedacht", erläutert Holger Hammer, Referatsleiter Soziale Angelegenheiten bei der Stadt Langenfeld.
Wenn es eng wird, kann es aber auch vorkommen, dass vier Asylsuchende sich die 18 Quadratmeter teilen, obwohl sie sich nicht kennen, womöglich nicht einmal verständigen können. Das kann Hammer zwar für den ersten Bau an der Theodor-Heuss-Straße ausschließen - da die neuen Bewohner bislang in Langenfelder Sporthallen untergebracht waren, sind sie bekannt und entsprechend kann die Unterbringung geplant werden. "Aber bei Neuzuweisungen fehlen uns im Vorfeld entsprechende Informationen", sagt Hammer.
Die Sanitäranlagen befinden sich auf dem gleichen Gang. Für 30 Personen stehen drei Duschen und zwei Toiletten zur Verfügung, darunter eine "arabische". Ein Minimum an Privatsphäre ermöglichen Trennwände und abschließbare Türen. Die Duschköpfe sind an der Decke befestigt, individuelle Einstellungen unmöglich. Funktionell eben.
Ähnlich verhält es sich mit der Küche. An der einen Wand stehen sieben Platten-Herde, an der anderen sind Spülbecken montiert. In der Mitte zusammengeschobene Tische und Stühle. Jeweils bis zu 75 Bewohner müssen sich hier selbst versorgen. Dafür erhalten sie monatlich etwa 50 Euro weniger als ein Hartz-IV-Empfänger. "Das ist damit begründet, dass die Erstausstattung von der Stadt gestellt wird", erklärt Hammer.
Für die Wäsche gibt es einen Extra-Raum. Rechts stehen acht Waschmaschinen, links acht Trockner - für das ganze Haus. Um sicher zu gehen, dass die Geräte korrekt bedient werden, soll ein Bewohner den Schlüssel zu dem Raum erhalten.
Als Ansprechpartner für die Flüchtlinge dient der Hausmeister, stundenweise sorgen Honorarkräfte für die soziale Betreuung. "Sie helfen zum Beispiel bei Anträgen oder wenn ein Asylsuchender einen Arzttermin benötigt", erklärt Christian Benzrath, stellvertretender Fachbereichsleiter Soziales. Nachts fährt ein Sicherheitsdienst Streife zwischen den verschiedenen Unterkünften.
In Sichtweite des Neubaus wird weiter gewerkelt. Dort entsteht ein weiterer Modulbau für bis zu 150 Personen. Und auch an der Albert-Einstein-Straße soll eine weitere Unterkunft Platz für bis zu 140 Personen bieten. Am Winkelsweg wird darüber hinaus ein Massivbau errichtet, für noch einmal 150 Personen, und an der Landesklinik können weitere 100 Menschen untergebracht werden. Insgesamt 700 Plätze stehen dann zur Verfügung. Allein der erste Modulbau hat 1,6 Millionen Euro gekostet.
Wie lange die Kapazitäten ausreichen, dazu wagt Hammer keine Prognose. "Im vergangenen Jahr hatten wir in der Spitze 70 Zuweisungen in der Woche", berichtet der Referatsleiter für Soziale Angelegenheiten. In diesem Jahr blieb es bislang ruhig. "Jetzt haben wir die ersten vier Zuweisungen des Jahres 2016 bekommen."
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