"I like FORTSCHRITT"- Deutsche Pop Art im Kunstmuseum Mülheim an der Ruhr

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"I like FORTSCHRITT. German Pop reloaded" Kunstmuseum Mülheim an der Ruhr
 
"I like FORTSCHRITT" (1964) von Winfred Gaul. Das Bild gibt der Ausstellung ihren Titel. "I like FORTSCHRITT. German Pop reloaded" Kunstmuseum Mülheim an der Ruhr
Mülheim an der Ruhr: Kunstmuseum Mülheim an der Ruhr |

Das Kunstmuseum Mülheim präsentiert die deutsche Variante der Pop Art.
"I like FORTSCHRITT German Pop reloaded" ist der Titel der umfangreichen Ausstellung, die die deutsche Pop Art aus den 1960er und 1970er Jahren zeigt.

Zusammen mit der Ludwiggalerie Schloss Oberhausen, die sich mit der Ausstellung "American Pop Art. Meisterwerke massenhaft" der amerikanischen Ausrichtung widmet, sind jetzt zwei großartige Ausstellungen zum Thema Pop Art parallel zu sehen. Glückwunsch an beide Museen für das gelungene Ausstellungskonzept! Es bringt uns eine "geballte Ladung" Pop Art ins Revier!

Wenn man Pop Art hört, denkt man sofort an Amerika. Diese Kunstrichtung stammt ursprünglich jedoch aus Großbritannien, von wo sie ihren Siegeszug in Amerika antrat und Mitte der 1960er Jahre auch nach Deutschland schwappte. Die deutsche Variante braucht sich keinesfalls hinter der Amerikanischen Pop Art Szene zu verstecken. Vielleicht sind die Farben nicht so schrill, bunt und plakativ ist "German Pop Art" aber auch. Und die Themen sind identisch, Motive des Alltags und der Konsumwelt, gesellschafts-politische Statements, z.B. Aussagen zu sexueller Freiheit sowie Protestbewegungen wie zum Thema Vietnamkrieg. Nach Abstraktion und Informel der Nachkriegszeit suchten die Künstler das Gegenständliche in der Kunst. Konsumware, Landkarten, Pflanzen, ja sogar Verkehrsschilder und Schriftzeichen hielten als Motive Einzug in die Kunst. Plakativ wurde die Aussage formuliert, oft mit Hintersinn, ironisch und auch mal bitterböse, was sich manchmal erst auf den zweiten Blick erschließt. Die Materialen und Techniken wandelten sich. Acrylglas, Schaumstoff, Plastik, Folien, Aluminium waren jetzt nicht selten. Siebdruck und Offsetdruck wurden in der Kunst gesellschaftfähig, was eine massenhafte Reproduktion ermöglichte, die wiederum Kunst für die Massen erschwinglich machte. "Kunst für alle", der Slogan jener Zeit.

"Pop Art" ist "Kunst für alle"

Genau diese Kunstrichtung begeisterte den Kölner Mediziner Prof. Dr. med. Hartmut Kraft bereits in seinen jungen Jahren. In einer launigen Ansprache am Eröffnungsabend erzählte er, wie er zur Pop Art gefunden hat. Informel und Zero, das eine wie das andere war nicht die Kunst seiner Generation. Pop Art, das war, was ihn interessierte und was er sich leisten konnte. "Kunst für alle" bedeutete auch bezahlbare Kunst für ihn. Mit 17 Jahren kaufte er sein erstes Stück, eine Arbeit von Axel Knopp. Bereits für 8,00 DM war damals ein Beuys zu haben. Er sammelte was ihm gefiel, nicht aus Gründen der Wertsteigerung.

Private Pop Art Sammlung

Seiner Sammlerleidenschaft ist es zu verdanken, dass die Mülheimer Ausstellung so reichlich, sprichwörtlich bis unter das Dach, bestückt werden konnte. Zusammen mit einigen ausgewählten Arbeiten aus der öffentlichen Sammlung des Kunstmuseums sind es die Sammlerstücke der privaten Pop Art-Sammlung des Kölner Mediziners, die über drei Etagen nach Themen gegliedert, präsentiert werden: insgesamt 120 Gemälde, Grafiken und Multiples von 37 Künstlern. Darunter bekannte Künstler wie Otmar Alt, Sigmar Polke, HA Schult, Wolf Vostell, aber auch Künstlernamen die heute in Vergessenheit geraten sind. Zum anderen werden Thomas Bayrle, Werner Berges, Gernot Bubenik, Winfred Gaul, Fritz Köthe, Ferdinand Kriwet und Gerhard Richter als führende Vertreter dieser Kunstrichtung vorgestellt. Zum ersten Mal wird die Sammlung zu diesem Thema öffentlich gezeigt. Das freut nicht nur den Sammler Kraft, sondern das wird auch die Besucher freuen, denn es macht Spaß und gute Laune durch die Ausstellungsräume zu schlendern.

Es gibt ein interessantes Rahmenprogramm in beiden Häusern.

Die zwei sich ergänzenden Ausstellungen nacheinander zu besuchen, bietet sich förmlich an. Beide Museen kooperieren und bieten einen besonderen Eintrittsvorteil:
Besucher erhalten gegen Vorlage der Eintrittskarte im jeweils anderen Museum 50% Ermäßigung auf den regulären Eintrittspreis.


"American Pop Art - Meisterwerke massenhaft von Robert Rauschenberg bis Andy Warhol"
bis zum 16. Mai 2016
Ludwiggalerie Schloss Oberhausen
Konrad-Adenauer-Allee 46
46049 Oberhausen

www.ludwiggalerie.de

"I like FORTSCHRITT. German Pop reloaded"
bis zum 8. Mai 2016
Kunstmuseum Mülheim an der Ruhr
Synagogenplatz 1
45468 Mülheim an der Ruhr

www.kunstmuseum-mh.de

Und nun viel Spaß beim visuellen Rundgang, der aber einen Besuch nicht ersetzen kann. Die Fotos entstanden am Eröffnungsabend:
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4 Kommentare
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Christoph Niersmann aus Hilden | 09.03.2016 | 13:15  
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Andrea Gruß-Wolters aus Duisburg | 09.03.2016 | 13:22  
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Margot Klütsch aus Düsseldorf | 10.03.2016 | 13:46  
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Eckhard Schlaup aus Gladbeck | 10.03.2016 | 21:32  
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