Keine Kristallkugeln - So entstehen Hochrechnungen

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Eine Wahlurne, Klemmbretter und Kugelschreiber sowie ein dicker Stapel Fragebögen gehören zur Grundausstattung der Wahltagskorrespondenten.
 
Pünktlich um 18 Uhr meldet die ARD die ersten Ergebnisse der Stichproben vor Ort - ihre Hochrechnung!

Hintergrund zu den Landtagswahlen in NRW 2017

Wie entstehen eigentlich die ersten Hochrechnungen?


Der Countdown läuft: Am Sonntag, 14. Mai, ist es soweit, es sind Landtagswahlen in Nordrhein-Westfalen. Und am Sonntagabend kurz vor 18 Uhr werden die Einschaltquoten der öffentlich-rechtlichen Fernsehsender rasant ansteigen – die Wähler, Parteien und Kandidaten fiebern den ersten Hochrechnungen entgegen. Doch woher stammen die erstaunlich genauen Statistiken eigentlich? Wie kommt es, dass die Abweichungen zwischen Endergebnis und erster Hochrechnung nur in einigen Zehntel Prozent liegen?

Keine Kristallkugel


Dazu braucht man keine Magie und hellseherische Kräfte, sondern einen großen Stab straff durchorganisierter Wahltagskorrespondenten. Für das ZDF ist das die Forschungsgruppe Wahlen, die ARD arbeitet mit Infratest dimap zusammen. Seit einigen Wahlen gehöre auch ich zum Vor-Ort-Team der Meinungsforscher.

Infratest dimap mit Sitz in Berlin ist die für die Wahlforschung zuständige Tochtergesellschaft von Kantar TNS und von dimap. Am Wahlsonntag werden die Fernseh- und Hörfunkstudios aktuell mit Informationen versorgt. Eine wesentliche Grundlage dafür bildet die repräsentative Wählerbefragung am Wahltag. Dazu wurde eine repräsentative Stichprobe mit insgesamt 280 Wahlbezirken in NRW ausgewählt, in denen am Sonntag je ein Korrespondent eingesetzt wird. Die Auswahl der Stimmbezirke basiert auf einem komplexen Verfahren, dessen Ziel es ist, sowohl das alte als auch das aktuelle Wahlergebnis exakt widerzuspiegeln.


Die Aufgabe der Wahltagskorrespondenten


Grundlage der Stichprobe in den Wahlbezirken ist die Wählerbefragung. Optimalerweise würde jeder Wähler im Anschluss an seine Stimmabgabe beim Mitarbeiter von Infratest dimap einen Fragebogen ausfüllen, in dem er exakt die gleiche Wahl trifft und noch einige Angaben zur statistischen Auswertung macht. Tatsächlich wird nur ein strikt vorgegebener Teil der Wähler vor Ort befragt. Deshalb ist es extrem wichtig, dass die Interviewer vor Ort gut ausgebildet sind, um nicht durch Fehler bei der Befragung das Ergebnis zu verfälschen.

Gefragt wird nach Erst- und Zweitstimme, Alter und Geschlecht. Jeder siebte Befragte wird zusätzlich um Auskunft zur Schulbildung, Beruf, wirtschaftlicher Situation, Zeitpunkt der Wahlentscheidung, Stimmabgabe bei der letzten Wahl und Gründe für die Wahlentscheidung gefragt. Hierzu müssen die Wähler im Testbezirk selbstständig Fragebögen ausfüllen. Natürlich sind alle Angaben freiwillig und anonym und wandern ebenfalls in eine Wahlurne.

Wieso sind die Hochrechnungen so schnell?


Laut Gesetz werden alle Wahllokale in Nordrhein-Westfalen am Sonntag von 8 bis 18 Uhr geöffnet sein. Erst nach Schließung der Wahllokale beginnt die offizielle Auszählung. Das ist bei den Meinungsforschungsinstituten anders.

Infratest dimap führt die Befragung vor Ort in sieben Wellen durch, die jeweils direkt ausgewertet und mit den Ergebnissen in die Zentrale gemeldet werden. So verfestigt sich im Laufe des Tages bereits das Bild und die erste Hochrechnung entsteht.

Nach Schließung der Wahllokale wohnen die Wahltagskorrespondenten der offiziellen Auszählung bei und melden die Ergebnisse in die Zentrale. Nach und nach erreichen die Auszählungen aller 280 Testbezirke die Auswertungsstelle. So werden im Laufe der Wahlberichterstattung die Hochrechnungen immer sicherer und stimmen am Ende mit dem offiziellen Wahlergebnis überein.
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