Walzer an der blauen Donau

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André Rieu ist Stammgast in Oberhausen. Foto: ARP

Oberhausen. „Musik bringt Menschen zusammen.“ Dieses Zitat von André Rieu untermalte vergangenen Mittwoch besonders eine Situation. Während das Orchester „An der schönen, blauen Donau“, komponiert von Johann Strauss, spielte, schunkelte eine ältere Dame allein vor sich hin, als ein mindestens 30 Jahre jüngerer Mann ein paar Reihen hinter ihr zu ihr ging, sie an den Händen griff und mit ihr Walzer tanzte. Ein Bild der Harmonie, welches sinnbildlich für das ganze Konzert stehen könnte.

André Rieu präsentierte gemeinsam mit seinem ihm seit 30 Jahren treuen „Johann-Strauss-Orchester“ in der ausverkauften Oberhausener Arena eine bunte Mischung aus Klassik, Operette, Walzer und vielem mehr. Pünktlich um 20 Uhr marschierte das buntgekleidete Ensemble, angeführt vom 68-jährigen Maastrichter, auf die Bühne. Nach einem kurzen Intro bat Rieu drei Tenöre auf die Bühne, die neben Agustin Laras „Granada“ und Pat Boones „Exodus Song“, natürlich auch Puccinis „Nessun Dorma“ vortrugen. Besonders letzteres verleitete nicht wenige Zuschauer zu einer stehenden Ovation, zahlreiche Smartphones wurden für Erinnerungsvideos gezückt.

Nessun Dorma

Rieu erklärte bereits bei der Begrüßung, dass sein Orchester aus 13 verschiedenen Nationen besteht. Die Tenöre stammen aus Tasmanien, Ungarn und Frankreich, und auch die nächsten Vokalsolisten hatten eine weite Anreise. Zwei junge Sopranisten sangen unter anderem ein Stück aus ihrer Heimat im fernen China. Einer Sprache, die dem Niederländer Rieu zwar komplett fremd ist, aber was bedeutet das schon bei einer Musik, die derartige Emotion transportiert. Bei der Worte nicht nötig sind, um das Stück zu begreifen. Mit einer kurzen Einlage aller Solisten mit „Halleluja“ endete der erste Teil der Show.

Cats und Schottenrock

Auch im zweiten Teil konnten sich die 8.000 Zuschauer auf Überraschungen freuen. Eine weitere Sopranistin sang „Memory“ aus Andrew Lloyd Webbers Musical „Cats“. Im Anschluss lief eine Kapelle aus Dudelsackspielern ein, gekleidet im traditionellen Schottenrock.
Hier wurde auch dem letzten Gast bewusst, dass Rieu sich bei der Gestaltung seines Programms bemühte, verschiedene Genres zu bedienen. Es war kein präziser Fokus auf einen Musikstil gelegt. Im Gegenteil, kaum zwei hintereinander gespielte Stücke entsprachen derselben Epoche.
Nach zwei Stunden kündigte er mit der „Ehrung der Göttin Fortuna“ das letzte Stück des Abends an, doch, klar, Rieu würde sich ohne Zugabe nicht von der Bühne verabschieden. Die dauerte dann über eine halbe Stunde. Nun bewies das Orchester am meisten seine Flexibilität, als es erst Strauss „Radetzky-Marsch“, kurz danach Little Richards „Tutti Frutti“ und später der Seemannsklassiker „An der Nordseeküste“ spielte. Manche Gäste verließen dabei sogar ihre Plätze und liefen direkt vor die Bühne.
Die Stimmung war in diesem Moment kaum zu übertreffen. Die ganze Arena tanzte, sang, der Applaus nahm kein Ende. Mit dem Stück „Adieu, mein kleiner Gardeoffizier“ beendete Rieu nach 150 Minuten sein zweifellos gelungenes Programm.

15 Mal in Oberhausen

Der Violinist besuchte Oberhausen nun das 15. Mal. Im Laufe des Abends beschrieb er die Stadt augenzwinkernd als „Zentrum des Universums“. Generell wusste er nicht nur zu dirigieren und musizieren, sondern auch zu unterhalten. Mit kleineren Witzen oder mit Animationen zum Singen und Klatschen pflegte er den Kontakt zum Publikum.
Der Abend wird dem vorwiegend älterem Auditorium sicher positiv im Gedächtnis bleiben. Allen voran der Dame, die „an der schönen, blauen Donau“ nicht alleine tanzen musste. „Oberhausen ist das Zentrum des Universums“

von Nils Vorholt
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