Miteinander der Kulturen: Begegnungstag informierte über das Thema Flucht

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Verständnis durch Begegnung: Auf dieser einfachen Formel beruhte der Begegnungstag der Kulturen, der jetzt in Recklinghausen stattgefunden hat.

Das Jugendpastorale Zentrum „Areopag“ hatte dazu gemeinsam mit dem Sozialdienst Katholischer Frauen (SKF) und den Pfadfinderstämmen der DPSG Hochlar und Recklinghausen Nord in die Pauluskirche und die Familienbildungsstätte eingeladen.

Vor der Kirche informierte ein Truck des katholischen Hilfswerks „missio“ mit einer interaktiven Ausstellung über Flucht in und aus Afrika.
„Es wird viel über Flüchtlinge geredet. Wichtig ist es darum, eine Begegnung zu schaffen und sich in die Augen zu sehen“, betont Stadtjugendseelsorger Holger Brox. An diesem Nachmittag reichen meist schon der freundliche Blick und ein Lächeln, um Berührungsängste zu überwinden. Acht Familien hat Sybille Averdung, Sozialarbeiterin in der Flüchtlingshilfe beim SKF, eingeladen. 30 Männer, Frauen und Kinder sind gekommen.

Während in der Lehrküche die Gäste aus Nigeria, Ghana, Syrien und Albanien erwartungsvoll abwartend in einer Gruppe stehen, schallt aus dem Kursraum gegenüber lautes Klatschen und Lachen. Die Pfadfinder greifen zur Gitarre und stimmen ihr Aktionslied „Flinke Hände, flinke Füße“ an. Begleitend gestikulieren sie den Text; die Flüchtlingskinder machen begeistert mit. „Sie haben die wenigsten Berührungsängste und lernen ganz schnell“, sagt Brox.

In der Küche haben sich derweil kleine interkulturelle Gruppen gebildet. An den Kochinseln richten sie Käsehäppchen an, schieben marinierte Geflügelspieße in den Backofen, teilen Laugenbrezeln in mundgerechte Stücke. In den Gängen zwischen den Arbeitsplatten beginnen erste Gespräche auf Augenhöhe: Gastgeber und Gäste gestikulieren, verständigen sich, wo es möglich ist, in der gemeinsamen Fremdsprache Englisch.

„Für die Flüchtlinge ist diese Begegnung wichtig, weil wir in den Unterkünften meistens nicht über schöne Themen reden“, betont Sybille Averdung, „ich möchte, dass die Leute Kontakt in der Stadt haben.“ Mayada Moufti ist aus Syrien geflohen. Flink schneidet sie ein Blech mit Gewürzkuchen in kleine Stücke. „I help“, sagt sie und lächelt – zwei Worte, um Dankbarkeit für die Gastfreundschaft und ihre Motivation an diesem Nachmittag auszudrücken.

In 50 Metern Luftlinie, im Schatten des Kirchturms von St. Paulus, steht der Missio-Truck im Regen und Wind dieses Novembersonntages. Gemeindemitglieder und Besucher des abschließenden „aeropray“-Gottesdienstes erfahren hier, welche Erfahrungen und Erlebnisse hinter den Geflohenen liegen.

Eine interaktive Ausstellung führt sie durch sieben Räume: vom Angriff der Rebellen auf ein Dorf im Ost-Kongo bis zu Hilfsmöglichkeiten für Flüchtlinge in Deutschland. Die Besucher schlüpfen dabei in die Rolle eines Jugendlichen, der fliehen muss. An Bildschirmen treffen sie Entscheidungen, etwa was sie auf der Flucht mitnehmen oder welche Fluchtmöglichkeiten sie nutzen. Situativ erleben sie eine Fahrt auf der Ladefläche eines Kleinlastwagens und – bei Verwandten in Kenia vorübergehend untergekommen – vollziehen nach, dass es keinen Weg zurück in die Heimat gibt. Fakten zur weltweiten Flüchtlingssituation erfahren sie im letzten der kleinen Räume: beispielsweise, dass Nachbarländer von Krisenregionen – wie Pakistan oder Jordanien – ein Vielfaches der fliehenden Menschen im Vergleich zur Europäischen Union aufnehmen.

120 Passanten besuchten den Truck bereits am Samstag auf dem Marktplatz, als das Jugendpastorale Zentrum Aeropag auf den Begegnungstag der Kulturen aufmerksam gemacht hat, und diskutierten kontrovers Fragen zur Flüchtlingskrise. Angesichts des bevorstehenden Winters habe die Pastoralkonferenz des Kreisdekanats Recklinghausen bereits die Weichen gestellt, erklärt Jugendseelsorger Holger Brox: „Bevor jemand draußen friert, werden auch die Gemeinden ihre Pfarrheime zur Verfügung stellen.“
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