Wirtschaft vor Ort: Sprockhövel ist gut aufgestellt

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Sind mit der Entwicklung in 2015 zufrieden v.l.: Beigeordneter Bernd Woldt, Bürgermeister Ulli Winkelmann, Ingrid Döbbelin und Detlef Merken von der Sprockhöveler Wirtschaftsförderung Foto: Pielorz
Sprockhövel: Rathaus |

„Es gibt viele Kommunen, die wünschen sich die Probleme von Sprockhövel, weil es in deren Augen gar keine sind“. Bürgermeister Ulli Winkelmann äußert sich genauso zufrieden wie seine Wirtschaftsförderer und der Erste Beigeordnete Bernd Woldt. Es läuft in der Zwiebelturmstadt.

Klar, es kann nicht alles super sein. Aber doch eine ganze Menge, wenn man der Stadtspitze Glauben schenken darf. Nach dem letztmaligen Bürgerschock der Erhöhung der Steuern, insbesondere der Grundsteuer B, zum Beginn dieses Jahres, habe man mit dem Geld auch sichtbare Dinge für den Bürger machen können. „Dazu zählen der Breitbandausbau, der Freifunk, aber auch kleine Verschönerungen. Alles weiche Standortfaktoren für den Wirtschaftsstandort Sprockhövel“, so Detlef Merken, der gemeinsam mit seiner zukünftigen nachfolgerin Ingrid Döbbelin die Wirtschaftsförderung betreut. Ein Pluspunkt sei außerdem der Wanderradweg mit seiner Schließung Richtung Wuppertal, so dass man auch ein touristisches Highlight habe. Das sei wichtig für die Menschen, die hier leben und arbeiten. „Wir haben nach dem Einbruch der Gewerbesteuer im Jahr 2014 vorsichtig mit 13 Millionen kalkuliert und liegen mit über einer Million darüber“, freut sich Bürgermeister Ulli Winkelmann. Die Gründe könne man nicht genau erklären, seien auch letztendlich nicht wichtig. Entscheidend sei das Ergebnis. „Sprockhövel ist auch aus der Sicht der Bezirksregierung eine solide und zuverlässliche Gemeinde. Wir waren in diesem Jahr die erste Kommune im EN-Kreis mit einem genehmigten Haushalt.“
Immer noch habe man es geschafft, das Freibad zu erhalten. Und man könne den laufenden Haushalt ohne weitere Steuerhöhung planen. Die vorhandenen Gewerbeflächen seien fast vollständig ausgelastet und es habe Neuansiedlungen vor Firmen gegeben, die sich bewusst für Sprockhövel entschieden hätten, obwohl sie auch andere Angebote gehabt hätten.
Ein großes Problem gibt es aber doch. „Uns fehlen Flächen“, so Beigeordneter Bernd Woldt. „Dies gilt sowohl für Gewerbeansiedlungen als auch für Wohnraum. Auf der Grundlage des Flächennutzungsplanes haben wir viele Gespräche mit Eigentümern dieser Flächen geführt. Doch die meisten von ihnen wollen ihre Flächen nicht nutzen oder verkaufen. das hat unterschiedliche Gründe. Manchmal sind es mehrere Eigentümer, die sich schlicht nicht einigen können. Manchmal haben sie einfach kein persönliches Interesse. Doch genau das ist unser Problem: Wir haben Flächen mit Baurecht, aber sie gehören uns nicht und der Eigentümer nutzt sie nicht. Vor einiger Zeit haben wir noch gesagt, wir werden weniger und den demographischen Wandel angeführt. Jetzt müssen wir sagen: Wir werden mehr und das liegt sicherlich zum großen Teil an den Flüchtlingen. Wir brauchen Flächen für Wohnraum und im öffentlichen Interesse wollen und müssen wir auch wachsen und Flächen für Gewerbe ausweisen. Deshalb haben wir auch ein großes Interesse am interkommunalen Gewerbegebiet am Wuppertaler Kreuz, müssen aber sagen, dies wird erst mittelfristig realisierbar sein.“

Neue Flächen dringend gesucht

Sprockhövel hält zu zwei Drittel Wald- und Wiesenfläche beziehungsweise landwirtschaftliche Nutzung vor. Das wird sich auch nicht ändern. „Aber wir werden die Siedlungsfläche ausweiten müssen. Wir wollen die aufgelockerte Bebauung beibehalten, werden aber nicht um mehr Wohnfläche herumkommen.“
Ein Beispiel sei die Magdeburger Straße. Dort bestünde auf dem Feld Baurecht, aber es ließe sich nicht realisieren. „Die Fläche gehört uns nicht“, so Woldt. Er müsse aus städtebaulicher Sicht das öffentliche Interesse wahrnehmen und dies stünde manchmal entgegen privater Interessen. So hatten zum Beispiel auch Anwohner der Hölterstraße die von der Stadt gewünschte beidseitige Bebauung verhindert. Immer wieder, so Woldt, habe es zwischen privatem und öffentlichem Interesse Konflikte gegeben.
Auszsuchließen sei auch nicht, dass man noch einmal neu über Flächen nachdenken müsse, die man eigentlich schon verworfen habe.
Dass Sprockhövel nur als grüne Lunge des Ruhrgebietes wahrgenommen werden solle, das sei eindeutig zu wenig – da sind sich die Wirtschaftsförderer einig.
Einen Wirtschaftsfaktor für mehr Qualität im Einkaufen, im Wohnen und der Verkehrssicherheit sieht Woldt auch in der seit Jahrzehnten geplanten Umgehungsstraße in Niedersprockhövel. „Zusammen mit der Mehrheit der Politik stehe ich immer noch dahinter. Wenn der Klageweg beendet ist, dann bin ich davon überzeugt, dass die Straße trotz klammer Landesmittel kommen wird. Dann kann auch die Hauptstraße verkehrsberuhigt werden.“
Ein Sorgenkind ist immer noch die Situation der ehemaligen Zeche Alte Haase. Gespräche mit dem Eigentümer hätten noch keinen gewünschten Erfolg gebracht.
Unterstützung leisten will die Wirtschaftsförderung bei der Arbeitsplatzsuche. das beziehe sich sowohl auf die Menschen, die bei Avery Denison ihre Arbeit verlieren als auch auf die für Sprockhövel fest zugewiesenen Flüchtlinge, die möglichst rasch über Praktika in Unternehmen vermittelt werden sollen, um dem Arbeitsmarkt zur Verfügung zu stehen.
Fazit: Alles in allem steht Sprockhövel ziemlich gut da. Und diese Entwicklung will man sich erhalten.
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