Die unterhaltsamen Seiten des Fußballs: Ben Redelings im Interview

Anzeige
Beim Lesen von Fußballgeschichten verliert Ben Redelings jegliches Zeitgefühl. (Foto: Tim Kramer)
 
Nach dem guten Saisonstart des VfL Bochum macht sich beim eingefleischten VfL-Fan Ben Redelings vorsichtiger Optimismus breit. Vielleicht klappt es ja in dieser Saison mit dem Aufstieg! (Foto: Tim Kramer)
Von Jörg Stengl

Laut Deutscher Akademie für Fußballkultur ist Ben Redelings „der ungekrönte Meister im Aufspüren kurioser Fußballgeschichten“. Der Fußball-Komiker, Bestseller-Autor und Filmemacher wurde 1975 in Bochum geboren und studierte Deutsch und Sozialwissenschaften auf Lehramt. Doch die Liebe zum runden Leder war stärker.

Sein Buch „Fußball ist nicht das Wichtigste im Leben – es ist das Einzige“ war der erfolgreichste Fußballroman 2008. Manni Breuckmann über Ben Redelings: „Ben Redelings ist der Chronist des Fußball-Wahnsinns, der ‚Baby Schimmerlos’ der bunten Kickerwelt.“ Im Interview mit dem Stadtspiegel verrät Redelings mehr über sich und sein Steckenpferd.


Wie wurden Sie fußballverrückt?

Ben Redelings: Na, wer im Revier dem runden Leder nicht verfällt, der muss sich schon anstrengen. Ich war tatsächlich noch der typische Straßenkicker. Der Gullideckel war der eine Pfosten, die Bürgersteigkante der andere. Damals haben wir die Hälfte des Nachmittags damit verbracht zu diskutieren, ob der Ball nun drin war oder nicht. Debattierfähigkeit wurde früher also quasi gleich nebenbei auf der Straße erworben. Zum VfL Bochum bin ich das erste Mal gegangen, da war ich vier oder fünf. Ab dem siebten Lebensjahr dann regelmäßig. Das ist eine der Grundkonstanten meines Lebens: Die VfL-Dauerkarte in der Ostkurve.


Über welches Thema außer über Fußball kann man mit Ihnen noch reden?


Ben Redelings: Ach, das ist eigentlich ein trauriges Thema, da meist wenig Zeit bleibt für anregende Diskussionen mit den Kollegen. Ich habe Deutsch und Sozialwissenschaften studiert – aus Interesse. Politik, Geschichte und Literatur sind deshalb immer noch beliebte Themen in meinem Alltag. Doch es ist mit den Jahren weniger geworden. Einerseits ist das beruflich bedingt, andererseits der Familie geschuldet. Ich will meine Zeit aber in der Tat in Zukunft wieder bewusst anderen Themen widmen. Das hat elementar auch etwas mit meinem Fußball-Fasten-Experiment zu tun. Das Kinderbuch „Onken Olsen – der lustige Kapitän“ war da sicherlich erst der Anfang.


Als „Baby Schimmerlos des Fußballs“ sind Sie mit akribischer Fleißarbeit auf der Jagd nach Sprüchen und Geschichten. Wie lange haben Sie gesammelt?

Ben Redelings: Ich sammle seit meiner Kindheit ständig – bis heute. Geschichten entdecke ich in alten Bravo-Heften und Fußball-Magazinen aus meiner Jugend; hier und da auch einmal im Playboy. Heute kommen natürlich das Internet und das Fernsehen hinzu. Das Verführerische an meinem Job ist: Man kann sich festlesen! Das Trügerische: Man muss sich disziplinieren und nie das große Ganze aus den Augen verlieren. Im Keller lagern über 4.000 Sportzeitschriften – da kann man schon einmal das Zeitgefühl verlieren. Zudem erzählen mir seit Jahren die alten Recken bei gemeinsamen TV-Auftritten so manch schöne Story.


Mitten im Endspurt der Fußball-Bundesliga haben Sie sich 31 Tage Fußball-Fasten auferlegt. Ist ein Leben ohne Fußball möglich?

Ben Redelings: Möglich ja, aber es wäre wenig sinnvoll. Ich liebe den Fußball und vor allem das gemeinsame Erlebnis und Erleben. Ich gestehe aber offen, dass mir das viele Geld das Geschäft Profifußball in den letzten Jahren zunehmend verdorben hat. Es ist ein komisches Gefühl, wenn Leidenschaft auf der einen Seite, nämlich die Fans, und kühler Geschäftssinn auf der anderen Seite aufeinanderprallen. Ich weiß, dass viele Anhänger damit ein Problem haben. Aber was sollen wir machen? Wir lieben den Fußball und unsere Vereine viel zu sehr. In meinem gerade erschienenen Buch „Fußball-Fasten“ erzähle ich über den Alltag komplett ohne Fußball – und ob das heutzutage überhaupt noch geht. Das Ergebnis des Experiments hat mich übrigens selbst sehr überrascht!


Wird´s was mit dem Aufstieg des VfL Bochum in dieser Saison?

Ben Redelings: Ich bin in der Tat ganz optimistisch. Das ist schon eine gute Truppe mit einem interessanten Trainer. Was mir aber am meisten Hoffnung macht: Die drei Erstplatzierten der letzten Saison hatte vorher niemand so richtig auf der Rechnung. Ich glaube, in der 2. Liga ist viel möglich – mit einem bisschen Glück und Verstand.


Wer wird Zweiter hinter den Bayern?

Ben Redelings: Ich muss gestehen, dass mich das nicht so sehr interessiert. Ich hatte mich vor ein paar Jahren ein wenig mit den Bayern arrangiert gehabt. Hier und da fand ich gerade auch Uli Hoeneß sehr erfrischend. Dann begann aber wieder eine Phase des Hochmuts. Und jetzt kenne ich nicht wenige Fußballfans in Deutschland, die den Bayern den Absturz wünschen. So weit wird es wohl nicht kommen, aber ein bisschen Knatsch im eigenen Haus wäre doch schon ein Anfang. Wenn sich tatsächlich der Zweite darüber freuen sollte, dass er Zweiter geworden ist, dann müsste es eigentlich Bayer Vizekusen sein. Aber wahrscheinlicher ist wohl Wolfsburg. Wenn Bayern nicht noch Kevin de Bruyne holt ...


Welches Projekt haben Sie zurzeit in Arbeit?

Ben Redelings: Ich schreibe gerade an dem Buch „Die Bundesliga wie sie lebt und lacht“. Es erscheint im Oktober. Ich nenne das Projekt intern gerne „Meine Memoiren des Fußball-Humors“. Ich habe in den letzten 15 Jahren so viele schöne Geschichten auf meiner Festplatte gesammelt – die wollen jetzt kompakt auf 400 Seiten heraus. Mit vielen Bildern und Anekdoten. Ich freue mich schon jetzt, das Buch bald in den Händen zu halten und in bewährter Oli-Kahn-Manier zu rufen: „Da ist das Ding“!
0
Information zu Weiterempfehlungen Einstellungen für Weiterempfehlungen
 auf anderen WebseitenSenden
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.