Hartmut Hegeler im Nicolaihaus zum Thema Salzkrieg und Konfessionskampf

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Hartmut Hegeler und Klaus Thorwarth
 
Hartmut Hegeler
Unna: Nicolaihaus | Donnerstag, 12. März 2015 19:00 Uhr

Zu der in jedem zweiten Monat stattfindenden Vortragsreihe im Nicolaihaus hatten Klaus Thorwarth für den SGV-Heimatverein und Helmut Eichhorst für die Geschichtswerkstatt Unna ins Nicolaihaus eingeladen.

41 Besucher, es wurde schon richtig eng im Nicolaihaus, konnte Klaus Thorwarth zum spannenden Thema „Salzkrieg und Konfessionskampf“ begrüßen.
Hartmut Hegeler (seit 2010 Pfarrer im Ruhestand) war als kreiskirchlicher evangelischer Pfarrer in Unna tätig und gab Religionsunterricht am Berufskolleg. Viele kennen ihn, denn er setzt sich für die Rehabilitation der Opfer der Hexenprozesse ein, so Klaus Thorwarth.

Hartmut Hegeler informierte mit einer Power-Point-Präsentation sehr ausführlich und lebendig. Mit ständig wechselnden Stimmlagen hielt er eine Stunde die historisch interessierten Besucher im Bann.

Vor 400 Jahren
Da hielt die Reformation Einzug in Unna. Sie kam von der Basis her, von den Gemeinden, vom Bürgertum und jungen protestantisch gesinnten Geistlichen.

In der Stadt Unna war der entschiedene Katholik Johann zum Broch Pfarrer an der Unnaer Kirche. Der Predigtdienst wurde von dem wortgewaltigen Kaplan Wortmann ausgeübt. Wortmann begann, die „Päpstlichen Mißbräuche tapfer zu taxiren“. Es gelang ihm, die drei Bürgermeister von Unna für die Idee der Reformation zu gewinnen.

Ostern 1559 ließ Kaplan Wortmann
im Gottesdienst in der Stadtkirche ein Lied Martin Luthers singen und am Allerheiligentag teilte er beim Abendmahl zum ersten Mal Brot und Wein aus. Der Rat der Stadt ging dabei voran.

Trotz des Widerstands des Stifts verließen1588 die meisten Schwestern im St.-Barbara-Kloster ihren Orden und nahmen die lutherische Lehre an. Das Klosterhaus diente den Jungfrauen bald nur noch als Wohnstätte. Die Klosterjungfern besuchten die lutherischen Gottesdienste in der Stadtkirche. Um 1620 soll es in Unna keine katholische Familie mehr gegeben haben.

Durch Kriegswirren flohen
viele calvinistische Christen in die kleve-märkischen Länder und kamen auch nach Unna. Die Regierung versuchte alles, die Ausbreitung des Calvinismus zu verhindern. Doch in Unna gelang es den Calvinisten zeitweise, wichtige Schaltzentren der Macht zu besetzen. Sie gewannen vorübergehend im Unnaer Rat unter den Gebildeten und Wohlhabenden die Oberhand. Unter den konkurrierenden evangelischen Konfessionen, den Lutheranern und den Calvinisten, begann eine heftige Auseinandersetzung um die Neubesetzung der Stelle des Pfarrers.

Die erbitterte Auseinandersetzung zwischen der reformierten und lutherischen Konfession eskalierte. Als der lutherische Pfarrer die Kanzel der Stadtkirche betreten wollte, versuchten die Calvinisten diesen mit Gewalt herunter zu ziehen. Obwohl ihm aber fast alle Kleider vom Leib gerissen wurden, hielt er sich auf der Kanzel fest.

Salzkrieg und Konfessionskampf



Die erbitterten konfessionellen Auseinandersetzungen in Unna spielten sich auf dem Hintergrund bedeutsamer wirtschaftlicher Konkurrenzkämpfe zwischen zwei Bürgermeistern um die Vorherrschaft in der Stadt ab. Der lutherische Bürgermeister Johann von Westphalen trat in wirtschaftliche Konkurrenz zum calvinistischen Salzwerkbesitzer Winold von Büren.

Im wirtschaftlichen Konkurrenzkampf der Salzwerke unterlag der lutherische
Bürgermeister dem Calvinisten Winold von Büren, aber in der Auseinandersetzung der Konfessionen in Unna gewann seine Partei der Lutheraner die Oberhand.

„Fortan galt Unna in der Grafschaft Mark als Vorort des Luthertums.
Der Sieg über die Reformierten schlug sich in einer Sage nieder.
» „Es sey der Teufel zu Unna in Gestalt eines Calvinischen Prädicanten mit grossem Geräusch in Beywesen und Zusehen vieles Volks von der Orgel auf die Canzel geflogen und daselbst, nachdem er etliche Worte im Munde gemurmelt, verschwunden“.

Dann berief der lutherische Stadtrat den Pfarrer Philipp Nicolai,
einen entschiedenen Gegner der Calvinisten. Er war überzeugt, dass die Calvinisten anstatt des wahren Gottes den lebendigen Teufel anbeteten.
Auf dem Höhepunkt der Pest dichtete Philipp Nicolai in Unna seine beiden berühmten Kirchenlieder „Wie schön leuchtet der Morgenstern“ und „Wachet auf, ruft uns die Stimme“.

Die Lutheraner hatten ihre Position in der Stadtkirche gefestigt. Als Unna an Preußen fiel, genossen die Calvinisten durch die Konversion des Kurfürsten von Brandenburg bald die nachhaltige Protektion ihres Landesherrn.Der Kurfürst drückte sein Missfallen über die lutherischen Geistlichen in Unna aus, die sich an seiner calvinistischen Religion mit allerlei Läster- und Stichelreden ‚versündigten‘.

In der evangelischen Kirchengeschichte der Grafschaft spielte die Stadt Unna eine bedeutende Rolle. 1611 und 1612 fanden hier die ersten Synoden statt, Vorläufer der heutigen Kirchenparlamente.

Erst 200 Jahre später
kamen die Auseinandersetzungen zwischen den Evangelischen zu einem Ende. 1822 schlossen sich die beiden protestantischen Kirchengemeinden in der Stadt Unna anlässlich des 300-jährigen Reformationsjubiläum 1817 zu der „Vereinigten Evangelischen Gemeinde zu Unna“zusammen.


Hartmut Hegeler Pfarrer im Ruhestand und Autor
Sedanstr. 37
D-59427 Unna
Telefon: 02303 53051
Mobil: 015233 979023
Internet: » www.anton-praetorius.de

Fotos © Jürgen Thoms
13.03.15 20:04:56
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