Kohle-Ära Zeitzeuge feiert 80. Geburtstag

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Vom Knappen zum ehrenamtl. Richter am Sozialgericht führte der Berufsweg von Paul John.
Unna: Marktplatz | Die Ära der Steinkohle in Deutschland neigt sich endgültig dem Ende entgegen. Nachdem über 5000 Arbeitsplätze bei der Ruhrkohle AG in den vergangenen zwei Jahren abgebaut wurden, ist fährt auch in Ibbenbüren und Bottrop in zwei Jahren der letzte Korb in das Bergwerk. Von einst 18 Zechen, im Kreis Unna schloss die Zeche Alter Hellweg bereits 1961. Vom Leben als Bergmann können immer wenige Zeitzeugen persönlich berichten, einer von ihnen ist Paul John aus Massen.

Als er am 25. Dezember 1936 in der Bergarbeitersiedlung am Dieken in Massen, geboren wurde, sahen die Zukunftsaussichten nicht sehr gut aus. Die Auswirkungen des Weltkrieg reichten bis zur Beschränkung und Unterbrechungen des Schulbetriebs. Als Paul John 1942 in die Volksschule Massen eingeschult wurde, dachten weder er noch seine Eltern daran, dass Unterbrechungen von mehreren Monaten seine Schulzeit auf neun Jahre verlängern sollte. Sein Vater war bereits unter Tage tätig, litt lange an der damals verbreiteten Staublunge und verstarb im Alter von 56 Jahren. Als Knappe startete John eine Ausbildung im Bergwerk Zeche Königsborn 2 / 5 (Heeren-Werve) und später in 3 / 4 und war im Kohleabbau im Bergwerk Ost tätig. Seine Vorgesetzten erkannten rasch die persönlichen Fähigkeiten des Hauers, junge Menschen zu motivieren und so wurde Paul John für zehn Jahre auch Ausbilder der Knappen. Vortrieb und Abbau der Kohle mit der “Hand” lernte John kennen. Vom Holzausbau bis zur hydraulischen Bergwerktechnik begleitete er die Entwicklung des Bergbaus. Erlebte auch die Gefahren und blickt zurück.” Es hätte auch anders ausgehen können.” Bereits 1958 heiratete Paul John, doch seine Ehefrau verstarb wenige Jahre vor der Goldhochzeit. Vor zehn Jahren heiratete er zum zweiten Mal.

Versichertenältester

Engagiert war der Massener in der damaligen Gewerkschaft Bau,Chemie,Erde, wo er sich als Schriftführer und Hauptkassierer einbrachte. Als das Ende der Kohleära im heimischen Raum eingeläutet war, organisierte er Protestkundgebungen mit und trat aktiv gegen Entlassungen und für Verbesserungen der Arbeitssituation ein. Als ehrenamtlicher Richter am Sozialgericht Gelsenkirchen war sein Rat und Urteil gefragt. In den 90er Jahren war er fünf Jahre als SPD-Mitglied im Rat der Stadt Unna. Dort begleitete er die Planungen zum heutigen Seniorenheim Haus Husemann und brachte sich im Bau- und Sanierungsausschuss, gemeinsam mit dem Königsborner Nico Mattich, ein. Ehrenamtlich war John 27 Jahre als Versichertenältester tätig und unterstützte Mitglieder der Knappschaft bei Antragsverfahren zu Sozialleistungen.

"Tut noch weh"

Seit neun Jahren hat er seinen Wohnsitz in Werl. Den 80. Geburtstag plant Paul John mit Ehefrau Ingrid und Sohn Uwe bereits jetzt. Zahlreiche Freunde und Wegbegleiter aus seinem Berufs- und Privatleben stehen auf der Gästeliste. Erinnerungen an die Bergbau- und Stahlära, die sein Leben prägte, werden aufkommen und Paul John weiß schon jetzt:”Dann tut es noch immer weh.”
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