Kunst aus Erinnerungen: Ulrich Gebhardt hat Relikte Unnaer Baukultur „zweckentfremdet“

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Ulrich Gebhardt (r.) stellt in den Räumen von Optiker Martin Jonda (l.) seine Fundsachen aus.
Unna: Optik Jonda |

Der Mensch neigt dazu, Erinnerungsstücke zu sammeln. Hier mal ein Kieselstein aus dem Urlaub, da ein Konzertticket. Auch Ulrich Gebhardt ist so ein Mensch, doch sammelt er Erinnerungsstücke an vergangene Bauwerke in Unna.

Es begann 1999 mit dem Abriss der Gebäude auf dem Westebbe & Weißpfennig-Gelände für das zukünftige Victoria-Einkaufszentrum. „Ich bin in Unna aufgewachen, mit 13 Jahren dann nach Holzwickede gekommen und 1997 dann wieder zurück nach Unna. Als 1999 dann der große Abriss kam, dachte ich, ich müsste etwas davon aufbewahren“, erinnert sich Ulrich Gebhardt.
Das Fundstück wurde wohl verwahrt – und blieb nicht lange allein. Der heute pensionierte Kunstlehrer und ehemalige Konrektor war durch dieses Fundstück „sensibilisiert“. „Plötzlich wurden ständig irgendwo in Unna Gebäude abgerissen und ich hatte das Gefühl, davon etwas verwahren zu müssen“, erinnert sich Gebhardt.

Dehne, das ehemalige Autohaus Horenkamp, die Stadtvilla an der Massener Straße 20, das Sportlerheim an der Hertinger Straße, der Kirchplatz, Prünte – überall fragte Gebhardt die Abrissarbeiter höflich, ob er sich etwas mitnehmen dürfe. Er durfte, und sammelte so in den vergangenen Jahren eine große Anzahl von Erinnerungen, die bewusst machen, wieviel alte Bausubstanz Unna in den letzten Jahren unwiederbringlich verloren hat. Ein Stück Holz, dass er bei der Umgestaltung des Westfriedhofs „sicherstellte“, inspirierte ihn schließlich, seine Souvenirs in Kunstwerke zu verpacken.

Dabei widmet Gebhardt jedem Stück ein eigenständiges Werk, aus einer Keramikscherbe wird ein Mosaik, aus Eisennägeln ein Gesicht. Nicht immer sind die Fundstücke augenfällig, der Betrachter wird aufgefordert, sich mit der Erinnerung zu beschäftigen. „Mit meinen Funstücken möchte ich auch erreichen, dass sich der Betrachter an den Ort selbst erinnert“, erläutert Gebhardt, „vielleicht bei den Pflastersteinen vom Kirchplatz daran denkt, wie oft er darüber hinweggegangen ist oder bei den Glasscherben von der Tür des Sportlerheims daran denkt, wie oft er dort hindurchgegangen ist.“

Ulrich Gebhardt stellt seine „Fundsachen“ ab Donnerstag, 25. September, bei Optik Jonda, Schäferstraße 20 aus. Neben den Kunstwerken finden sich auch ausführliche Beschreibungen.
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