Vertrauen für die Geschäftsführerin - Vorstand und Mitarbeiter stützen Regina Ranft

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Die Lichter bleiben an - wenn vernünftige Lösungen für die Lindenbrauerei gefunden werden. (Foto: Archiv)
Unna: Lindenbrauerei | Mit einem offenen Brief wenden sich der Vorstand des Kulturzentrums Lindenbrauerei, das Mitarbeiterteam und die Vereinsmitglieder an die Unnaer Bürger:

Mit Erstaunen haben wir die Berichterstattung sowie den Kommentar zum Kulturzentrum Lindenbrauerei vom 5.9. wie auch vom 6.9. zur Kenntnis genommen.

Es scheint, als solle ein Sündenbock dafür ausgemacht werden, dass mehr als 350 Veranstaltungen pro Jahr, davon der bei weitem größere Teil kulturelle Angebote wie Konzerte, Kabarett und Comedy, einer höheren finanziellen Absicherung bedürfen als bisher veranschlagt. Anstatt sich zu wundern, dass in der Lindenbrauerei seit Jahren, auch bedingt durch ein zunächst gut laufendes, später durch äußere Faktoren wie ein verändertes Besucherverhalten beeinträchtigtes Discoprogramm, vergleichsweise gut gewirtschaftet wurde, sucht man nun Schuldige, allen voran die Geschäftsführerin, um nicht realisieren zu müssen, dass ein kulturelles Angebot in der Größenordnung wie vom Kulturzentrum präsentiert, nicht zum Billigtarif zu haben ist.

Der Vorstand, das Mitarbeiterteam wie auch Mitglieder unseres Vereins verwahren sich gegen veröffentlichte Schuldzuweisungen gegen die Geschäftsführerin, die ihr volles Vertrauen hat.

Zu einigen Punkten der Berichterstattung ein paar Anmerkungen:

Beklagt werden kaufmännische Fehler wie z.B. das Fehlen von Arbeitszeitkonten und flexiblen Beschäftigungsmodellen.
Bei Arbeitszeitkonten werden bezahlte Überstunden durch solche ersetzt, die nicht extra vergütet, sondern durch Freistellung ausgeglichen werden.
Im Kulturzentrum werden grundsätzlich keine Überstunden bezahlt, sondern nach Möglichkeit «abgefeiert» bzw. nach einer festgelegten Frist unbezahlt gestrichen. Das ist eine Arbeitszeitregelung, die bei weitem über die übliche Praxis hinausgeht, vor allem zum Nachteil der Mitarbeiter.

Kritisiert wird das Fehlen flexibler Beschäftigungsmodelle. Gemeint sind, wie anzunehmen, Mini-Jobs und Zeitarbeit. Schon jetzt ist die Mehrzahl der Mitarbeiter im Kulturzentrum im Aushilfsbereich beschäftigt, hat also sog. Mini-Jobs. Ob sich für die hauptamtlichen Mitarbeiter sog. «Zeitarbeiter» finden, deren Engagement, Identifikation mit der Arbeit und Bereitschaft auf finanziellen Verzicht ähnlich hoch ist, ist zu bezweifeln. Verzicht auf Gehaltsanpassungen, Weihnachts- und Urlaubsgeld und freiwillige Sabbatmonate gehören seit Jahren zum Alltag der Mitarbeiter, die Anzahl an kulturellen Veranstaltungen wurde in dieser Zeit sogar noch erhöht. Wir möchten nicht glauben, dass sich hinter der geäußerten Kritik der Aufruf verbirgt, die Mitarbeiter doch bitte ins Prekariat zu treiben anstatt finanzielle Defizite zu offenbaren.

Das Kulturzentrum erhält einen jährlichen städtischen Zuschuss in Höhe von 199.000 Euro, was knapp 18% seines Haushalts entspricht.
Die Summe mag zunächst hoch erscheinen, sie ist jedoch gemessen an der Unterstützung vergleichbarer anderer Kulturzentren niedrig.

Ungeachtet dessen möchten wir uns für die bisherigen Unterstützungen bei der Bewältigung unserer chronischen Unterfinanzierung bei den Verantwortlichen in Politik und Verwaltung ausdrücklich bedanken.
Das gilt selbstverständlich auch insbesondere für die aktuell zugesagte «Notfallhilfe», die es uns ermöglicht, auch weiterhin zum Besuch unseres umfangreichen bunten Herbst- und Winterprogramms einzuladen.

Falsch ist in der Berichterstattung, dass wir zusätzlich eine 50%-Erhöhung unseres jährlichen Zuschusses gefordert haben.
Wir hoffen vielmehr auf baldige Gespräche an einem runden Tisch für die Kultur in Unna, der in Zeiten knapper Mittel das Beste für Unnas Kultureinrichtungen auslotet und umsetzt. Gleichzeitig wünschen wir uns in diesem Rahmen natürlich auch eine konstruktive Debatte darüber, wie das Kulturzentrum im Besonderen mit seinen Beteiligten, die langjährig das kulturelle Leben in Unna geprägt haben, auf sicherem Boden stehen kann. Die Analyse des Bestehenden im Hinblick auf mögliche eingeschlichene Fehler sollte dabei selbstverständlich sein. Allerdings sollte sie mit Respekt vor den Leistungen der Beteiligten geschehen.

In der Hoffnung, dass die Menschen aus Unna, die ähnliche Wünsche und Vorstellungen haben, uns ihre Solidarität zeigen und «mit ihren Füßen abstimmen» laden wir wie in jedem Jahr zu den 100 Veranstaltungen ein, die wir bis zum Jahresende für unsere Gäste präsentieren.


Für den Vorstand des Kulturzentrums:
Uwe Weitkamp (1.Vors.), Dr. Gerhard Kasperidus, Bernd Kleps, Ulrich Keller, Peter Kötter, Tom Bartels, Michael Steele

Für das Mitarbeiterteam:
Frank Gründer, Claudia Dudde, Andreas Müller, Jan Pritzl, Erika Externbrink, Frank Lüning, Anne Dröge, Meral Icil, Joscha Szameitat, Nadine Schneckner

Die Vereinsmitglieder:
Jürgen Düsberg, Dirk Winkelkötter, Meike Herzog, Jan Karrasch,
Marco Janiel (Vorsitzender Theater Narrenschiff)
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2 Kommentare
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Klaus Heberling aus Fröndenberg/Ruhr | 09.09.2013 | 14:37  
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Heike Palm aus Unna | 09.09.2013 | 16:32  
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