Unna-Kessebüren will auf die Datenautobahn

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Stadtwerke-Chef Jürgen Schäpermeier erklärte: Die digitale Versorgung auch der Dörfer liegt dem kommunalen Unternehmen am Herzen.
 
Trotz sommerlicher Hitze: Die Kessebürener zeigten hohes Interesse an dem Breitbandanschluss.

Unna-Kessebüren. Bis Ende Juli müssen die Kessebürener entscheiden, ob der südliche Unnaer Ortsteil auch an die moderne Breitbandkommunikation angeschlossen wird.

Unterzeichnen mehr als 120 Haushalte entsprechende Vorverträge mit dem kommunalen Provider Helinet, einem Tochterunternehmen der regionalen Stadtwerke, dann schaffen Helinet und die Stadtwerke Unna mit einer Glasfaserverbindung und der nötigen Technik den Anschluss an die Datenautobahn. Ab 150 Interessenten entfallen für die künftigen Nutzer sogar die Anschlusskosten. Das Interesse in dem Dorf, das bisher unter geringen Internet-Bandbreiten leidet, ist so groß, dass Helinet und die Stadtwerke kurzfristig das förmliche Planungs- und Genehmigungsverfahren bei der Telekom anstoßen werden. Am sommerheißen Dienstagabend versammelten sich über 90 Kessebürener auf der Tenne des Landgasthofes Oma Kepmann zur Bürgerversammlung.

Großes Interesse am "schnellen Internet"

Alle Tische und Stühle besetzt, zahlreiche Zuhörer noch stehend im über 30 Grad warmen Raum: Ortsvorsteher Gerd Heckmann sah einen deutlichen Beweis, wie hoch das Interesse der Kessebürener am "schnellen Internet"
ist. Schüler, Familien aber auch Berufstätige und Selbstständige im Dorf leiden unter der gedrosselten Internetgeschwindigkeit, die Folge der alten Kupferleitungen zur nächsten Vermittlungsstelle in Mühlhausen sind. Karsten Pfützner, IT-Experte und zuständiger Abteilungsleiter der Stadtwerke Unna, zeigte es plastisch: Bei der Kupferverbindung, die einst nur für Telefonie gebaut wurde, sackt über die fünf Kilometer der mögliche Datentransfer von 16 Mbit/s um das Hundertfache auf die Geschwindigkeit alter Modems zusammen.
Jürgen Schäpermeier, Geschäftsführer der Stadtwerke Unna, erklärte: Die Datenanbindung von Kessebüren habe für den kommunalen Energiedienstleister auch Modellcharakter für die Versorgung des ländlichen Raumes. Es dürfe keine "digitale Spaltung" zwischen dem breitbandversorgten Zentrum und Unnas Dörfern geben.

Bei Bedarf wird Lücke geschlossen

So haben die Stadtwerke, die bereits für den Konzern Kreisstadt Unna und für die eigenen Kraftwerke ein weit verzweigtes Glasfasernetz betreiben, auch bei der Verlegung neuer Stromleitungen in Richtung Kessebüren vorgesorgt. Ein Leerrohr für die nötigen Lichtwellenleiter wurde am Kessebürener Weg mit verlegt. Eine Lücke zwischen der Stadtwerke-Zentrale und dieser Strecke würde das Unternehmen mit sechsstelligem Investitionsaufwand schließen, wenn sich die Kessebürener auch für den Anschluss entschließen, erklärte Jürgen Schäpermeier.

Helinet-Geschäftsführer Ralf Schütte stellte Dienstagabend die Bedingungen vor: Mindestens 120 Haushalte müssten Vorverträge unterzeichnen, damit Helinet die Folgeinvestitionen darstellen kann. In der Ortsmitte würde ein neuer Kabelverteiler mit intelligenter Technik aufgestellt, von dem die lichtschnelle Datenkommunikation auf die Kupferadern verteilt wird. Rund 50 Mbit/s kann Helinet dann alle Kessebürenern im Ortskern bieten. Wenn gewünscht, in weiterer Zukunft sind auch noch Glasfasern und damit 100 Mbit/s in jedes Haus möglich - entsprechende Leerrohre würde die Stadtwerke bei allen Tiefbaumaßnahmen mit einziehen. Allerdings: 399 Euro müssten die ersten 120 Haushalte für den Anschluss an die Datenautobahn zahlen - finden sich 170 Interessenten, dann wäre der Anschluss für alle kostenlos.

Applaus von den Zuhörern

Die Telekom, die sich seit Jahren wenig um die Internet-Sorgen gekümmert hatte, legte am Abend vor der Bürgerversammlung überraschend nach: Sie biete den kostenlosen Anschluss schon ab 150 Verträgen. Stadtwerke-Chef Schäpermeier zog gleich: Das würden Helinet und Stadtwerke auch garantieren, und Helinet-Geschäftsführer Schütte versprach auf Grund der Diskussion auch noch, dass alle, die am Anfang sogar mit 399 Euro einsteigen, das Geld rückvergütet bekommen, wenn sich mehr Kessebürener als die nötige Mindestzahl finden. Die Zuhörer spendeten Applaus - und ab kommende Woche wollen die Kessebürener für die schnelle Vertragsunterzeichnung werben. Kommt die Mindestzahl zusammen und blockiert die Telekom das Projekt nicht, dann könnten die Kessebürener schon ab 2014 auf die Datenautobahn einbiegen.
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