Wenn das Geld nicht reicht

Anzeige
Oft greift Jürgen Sevecke, Diplom-Sozialpädagoge und Fachbereichsleiter der Schuldner- und Insolvenzberatung der Diakonie, zunächst zum Taschenrechner, um den Betroffenen aufzuzeigen, dass die monatlichen Ausgaben das Einkommen übersteigen.
Wer regelmäßig arbeiten geht, hat auch ein geregeltes Einkommen. Doch dass das auch ausreicht, um alle laufenden Kosten zu bezahlen, ist damit noch lange nicht gesagt. „Überschuldung“ ist eine schwierige Thematik, die bei der Schuldnerberatung der Bergischen Diakonie zum Alltag gehört. Sowohl jüngere als auch ältere Bürger, Eheleute und Alleinerziehende - jeden könne es treffen: Trotz des Arbeitseinkommens kann der Lebensunterhalt gerade nur so bestritten werden. Ein unvorhergesehenes Lebensereignis oder ein einmaliger zusätzlicher Kostenfaktor reichen aus und schon ist man drin, in der Schuldenfalle.

„Der Anteil von schlecht bezahlten Arbeitsverhältnissen nimmt leider immer weiter zu“, weiß Jürgen Sevecke, Diplom-Sozialpädagoge und Fachbereichsleiter der Schuldner- und Insolvenzberatung der Diakonie. „Prekäre Beschäftigungen und daraus resultierendes Niedrigeinkommen sind meist eine der Hauptursachen für Überschuldung.“ Auf Menschen in dieser finanziellen Misere machte die Arbeitsgemeinschaft Schuldnerberatung der Verbände mit der Aktionswoche „Arm und Überschuldet - trotz Arbeit“ aufmerksam.
Unter prekären Beschäftigungen sind Arbeitsverhältnisse wie Minijobs, Teilzeitarbeit, befristete Arbeitsverhältnisse, Leiharbeit oder andere Arbeitsverhältnisse zu verstehen, die zu einem Einkommen unterhalb der Niedriglohnschwelle führen. „Die Rechnung am Ende des Monats geht bei vielen Betroffenen nicht mehr auf, die Ausgaben übersteigen das Einkommen und der Schuldenberg wächst“, sagt der Diplom-Sozialpädagoge mit 30 Jahren Berufserfahrung.

Das Beispiel einer Betroffenen aus Velbert (Name der Redaktion bekannt) macht die Problematik deutlich: „Die Anwaltskosten für meine Scheidung lösten bei mir die Spirale nach unten aus“, erinnert sich die 38-jährige Alleinerziehende. 30 Stunden wöchentlich arbeitet die Erzieherin, mehr ist wegen ihres sechsjähriger Sohnes derzeit nicht möglich. „Das Geld reicht einfach nicht. Dabei gönne ich mir abgesehen von meinem Auto, auf das ich aber auch eigentlich angewisen bin, keinen Luxus.“
Als sich schließlich eine Schuldensumme von 18.000 Euro angehäuft hatte und das Konto gepfändet wurde, wandte sich die Betroffene an Jürgen Sevecke. „Wir gingen Rechnung für Rechnung durch, schrieben Briefe an die Gläubiger, vereinbarten Ratenzahlungen, suchten nach weiteren Einsparmöglichkeiten und überprüften, ob ergänzende Sozialleistungen beantragt werden können“, so der Experte.
Erschreckend: Wegen weniger Euro über der Grenze, bekommt die Velberterin keine zusätzlichen Leistzungen. „Das macht mich manchmal wirklich sehr wütend. Es ist schwer, motiviert zu bleiben mit dem Wissen, dass andere nicht arbeiten gehen und ihre laufenden Kosten aber bezahlt werden.“ Über kurz oder lang wird sie ihre Stundenzahl doch irgendwie erhöhen müssen. Außerdem ist es denkbar, Insolvenz anzumelden...

Kein Einzelfall, wie der Fachbereichsleiter der Schuldnerberatung weiß, die Nachfrage nach Terminen sei sehr groß. „Im Jahr 2013 lag die Überschuldungsquote bei den Velbertern, die über 18 Jahre alt sind, sogar bei 14 Prozent“, so Jürgen Sevecke. Damit liege man weit über dem Durchschnitt.
Termine bei der Schuldnerberatung können unter der Telefonnummer 0-2051/952236 vereinbart werden.
0
Information zu Weiterempfehlungen Einstellungen für Weiterempfehlungen
 auf anderen WebseitenSenden
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.