Straßen im Wandel der Zeit (WAT-Serie) Nr. 9

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Das Wort "Leithe" bedeutet "Grenze". Die heutige Leithestraße und der Leither-Bach markieren die Trennlinie zwischen Rheinland und Westfalen
BO: Leithestraße | Leithestraße:
Die Leithestraße hält den Namen der alten Bauernschaft Leithe, im Kirchspiel und im Amte Wattenscheid gelegen wach. Die Straße ist erst nach dem Zweiten Weltkrieg auf den Ländereien von Schulte-Kemna und Beckmann errichtet worden. Vorher führte hier ein Feldweg zum Hofe Schulte-Kemna (westfälischer Teil von Leithe) und zum Hofe Düllmann im rheinischen Teil. Der Name Leithe läßt sich von dem sächsischen Wort leithan ableiten und bedeutet Grenze. Nicht ohne Grund trägt der westliche Teil Wattenscheids diesen Namen. Schließlich handelt es sich um die Grenze zwischen Sachsen (Westfalen) und Franken (Rheinland). Der Leithebach bildet somit in seinem ganzen Verlauf von Süden nach Norden die westliche Grenze des Niederamtes Wattenscheid. Bekannt sind die Ritter “auf der Leythen“, die auf der sächsischen Grenzburg, einer Wasserburg, die heute auf Gelsenkirchener Gebiet am Junkerweg steht, seit dem 12. Jahrhundert nachweisbar sind. Dieses Rittergeschlecht, das auch landtagsberichtigt war, besaß das Patronat über die Kirche zu Wattenscheid, d.h. es schlug den Pfarrer vor. Die Investitur, die Einweisung, erfolgte durch die Abtissin von Essen, und die Konfirmation, die Bestätigung, nahm der Kurfürst von Brandenburg vor. Die begüterte Ritterfamilie hat viele caritative Stiftungen begründet. So baute Everhard von der Leithe 1395 neben dem schon 1364 gestifteten Maladen- oder Pilgrimhaus zu Stalleicken, eine Kapelle, die noch heute existierende Bartholomäuskapelle in Sevinghausen. Ein Herz für die armen Kirchspielsleute bewiesen die Ritter von der Leithe, als sie vor 1456 die Häringsstiftung ins Leben riefen, die in dem „General-Etat des gesamten Kirchenvermögens bei der römisch-katholischen Gemeinde zu Wattenscheid pro 1806-1812“ beschrieben wird: In der Fastenzeit brachte ein Knecht des Hauses Leithe die observanzmäßige, verschlossene und versiegelte Tonne Hering in die Freiheit Wattenscheid und lieferte sie an den Armenprovisor ab, der zwei Heringe entnahm und auf ihre Qualität prüfte. Derweilen hatte der Kolonus Grügel (Bauer Grügel, heute Heroven, Pächter Dupierry) aus 5 Scheffel Roggen Brote, die sogenannten Micken, zu backen, die ebenfalls an die Armen verteilt wurden.

Quellennachweis: Wattenscheider Straßengeschichten von Franz-Werner Bröker
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