Diamant-Hochzeit: Die Ehe ist kein Fertighaus; sie ist ein Gebäude, an dem ständig repariert und konstruiert werden muss

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Hilde und Paul Tippel: 60 Jahre in Treue fest verbunden. amö-Foto
 
Im Auftrage der Stadt Witten überreichte Andreas Dinius dem Jubelpaar ein Präsent. amö-Foto

Hilde und Paul Tippel
feierten Diamant-Hochzeit


Nur wenigen Menschen ist beschert, dass eine Ehe sechzig Jahre währt. Hilde und Paul Tippel, beide 89-jährig und schon seit Ende des Zweiten Weltkriegs in Treue fest verbunden, wurde das seltene Glück einer Diamant-Hochzeit zuteil.

Der anno 1925 in Witten geborene Metzgerssohn Paul Tippel erlebte nach seiner Ausbildung zum Dreher schon als 16-Jähriger die Grauen des Zweiten Weltkriegs. Heimatflak am Hüllberg, Arbeitsdienst in Neetze (Lüneburg), als Panzerkommandant in vorderster Front in Frankreich und Russland sowie nach fünfjähriger russischer Kriegsgefangenschaft Rückkehr als 25-Jähriger 1950 in die Ruhrstadt, das waren die Stationen seiner Jugend, die der vitale Senior heute als "verlorene Jahre" bezeichnet.

Ein richtiger Gewinn dagegen war, als "Päule", der sich im Laufe der Jahre zu einem umtriebigen Mann der Tat - immer mittendrin statt nur dabei - entwickeln sollte, im Jahr 1953 seine Hilde kennen- und lieben lernte. "Ich hatte nichts und war trotzdem reich, denn ich besaß das Herz eines geliebten Menschen", bekennt der ehmalige Schlagzeuger der Band "Die Tornados".

Hilde, die Frau seines Herzens, wurde als Tochter eines Landwirtschafts-Ehepaares im pommerschen Rosenhof geboren und kam nach der Vertreibung aus dem Wartheland sowie einer Odyssee durch verschiedene Flüchtlingslager nach Witten zu ihrer Schwester, die in der Gaststätte "Gröppel" (derzeit Lenk-Krug) beschäftigt war.

Der Wirtin des damaligen Vereinslokals von TuS Heven blieb es nicht verborgen, dass es zwischen Paul und Hilde "gefunkt" hatte; und sie sagte: "Hilde, ich glaube, der Päule ist der Richtige. Nimm ihn." Hilde hörte auf den Rat der lebenserfahrenen Wirtsfrau - und hat es bis zum heutigen Tage nicht bereut. "Ich bin schon stolz auf mein Männeken. Er ist sehr vielseitig, stets gut gelaunt, und ich kann mich immer auf ihn verlassen. Leider blieb unser Kinderwunsch unerfüllt", so das Fazit der Ehejubilarin.

Nach einem Jahr des Kennenlernens schloss das Liebespaar den Bund fürs Leben - den damaligen Verhältnissen geschuldet - schlicht und einfach. "Es war 1954, wir hatten nichts und konnten uns noch nicht einmal ein Hochzeitsfoto leisten", blickt der hochbetagte Senior zurück.

Durch Fleiß und Sparsamkeit sowie im Gleichschritt mit dem Wirtschaftswunder kam das junge Paar zu bescheidenem Wohlstand. "Ich verdiente als Dreher bei Lohmann & Stolterfoth und später als Metallograph bei Thyssen recht gut; und meine Hilde als 1. Köchin im Wittener Kaufhaus Kogge und danach in der Gevelsberger Großküchen-Firma Krefft ebenfalls.

Wir konnten uns etwas leisten und das Leben sorgenfrei gestalten. Logisch, dass wir auch viele Reisen nach nah und fern unternahmen. Wir waren jung und wollten was von der Welt sehen. Inzwischen ist das Reisen für uns zu anstrengend. Jetzt stehen nur noch Tagesfahrten auf dem Programm", resümiert schmunzelnd der ehemalige Hevener Sport-Multifunktionär. "Und der regelmäßige ,Schwof' beim Tanznachmittag", betont Gattin Hilde.

Mit der Weisheit des Alters gesegnet beantwortet das "eingespielte Tandem" die Frage nach dem Geheimnis ihres langjährigen Zusammenseins einmütig: "Eine Ehe ist kein Fertighaus, sondern ein Gebäude, an dem ständig repariert und konstruiert werden muss."
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