Weitere „Stolpersteine“ in Witten verlegt

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Der Kölner Bildhauer Gunter Demnig hat am vergangenen Donnerstag weitere 19 der sogenannten Stolpersteine in Witten verlegt.
 
Bei der Verlegung des ersten Steins an der Ecke Siegfriedstraße/Steinbachstraße verlas Bürgermeisterin Sonja Leidemann eine Kurzbiografie von Siegmund Mühlhaus, dem der erste Stein gewidmet war.

Mit „Stolpersteinen“, Gedenktafeln in der Größe eines Pflas­tersteins, soll an Opfer des Nazi-Regimes erinnert werden. Der Kölner Bildhauer Gunter Demnig hat 19 dieser sogenannten Stolpersteine in Witten verlegt.

An acht Stellen im Stadtgebiet wurden diese 19 Steine auf Initiative des Wittener Friedensforums, des Lions-Clubs Rebecca Hanf und der „Rosa Strippe“ in den Boden eingelassen. Rund 70 Bürger begleiteten den Künstler bei seinen Aktionen.
Bei der Verlegung des ersten Steins an der Ecke Siegfried-/Steinbachstraße verlas Bürgermeisterin Sonja Leidemann eine Kurzbiografie von Siegmund Mühlhaus, dem der erste Stein gewidmet war. Mühlhaus war als 19-Jähriger während des Zweiten Weltkriegs desertiert, weil er diesen Krieg nicht mitmachen wollte, von den Nazis entdeckt und anschließend erschossen worden. Nach der Verlegung des Steins legten Teilnehmer der Veranstaltung dort Rosen nieder.
An den anderen Orten, an denen die Stolpersteine in den Boden eingelassen wurden, verlasen Schüler der Holzkamp-Gesamtschule und des Albert-Martmöller-Gymnasiums die Biographien der Opfer.
Weitere Stolpersteine wurden unter anderen für folgende Regime-Opfer in den Boden eingelassen:
Adolf Fuchs, der als SPD-Funktionär schon früh Zielscheibe auch körperlicher Angriffe wurde. Er floh mit seiner Familie nach Frankreich, wurde nach der Besetzung Frankreichs von der Gestapo verhaftet, ins KZ Dranca und später nach Auschwitz gebracht, wo er in der Gaskammer ermordet wurde.
Christian Bliemetsrieder, der der KPD angehörte, in der Erwerbslosen-Bewegung tätig war und die Schalmeienkapelle des Antifa-Kampfbundes leitete. 1933 wurde er von den Nazis zweimal verhaftet und im „Tränenkeller“ der Schillerschule misshandelt. Dort musste er auch eine Scheinhinrichtung ertragen. Wegen einer bei den Misshandlungen erlittenen Hirnverletzung erblindete er und starb im August 1938.
F. W. Espenhahn, der wegen kritischer Äußerungen gegenüber der NSDAP und ihrer Regierungsführung denunziert und von der Gestapo verhaftet wurde. Am 2.  März 1942 verurteilte ihn ein Sondergericht zu zwei Jahren Haft. Zwei Tage später erhielt seine Familie die Nachricht, er habe sich in seiner Gefängniszelle erhängt.
Die Aktion soll nicht die letzte in Witten gewesen sein. Geplant sind für 2015 weitere Stolpersteine in Herbede.
„Ein Mensch ist erst vergessen, wenn sein Name vergessen ist“, zitiert Gunter Demnig den Talmud. „Mit den Steinen vor den Häusern wird die Erinnerung an die Menschen lebendig, die einst hier wohnten“, so der Künstler weiter, dessen Stolpersteine mittlerweile in mehr als 500 Orten Deutschlands und in insgesamt 18 europäischen Ländern liegen.
Seit der Verlegung des ersten Steins hat Gunter Demnig, der für diese Aktion mit zahlreichen Preisen und Auszeichnungen bedacht wurde, mehr als 49 000 seiner Messingplatten in den Boden eingelassen. Im Januar wird Nummer 50 000 in Turin folgen.

Bei dieser Aktion wurden an acht Stellen weitere 19  Stolpersteine in Witten verlegt:
Siegfriedstraße/Ecke Steinbachstraße
Ardeystraße 70
Johannisstraße 37
Körnerstraße 25
Lessingstraße 6
Nordstraße 23
Breite Straße 40, 70
Herbeder Straße 28
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