Wen interessiert da noch eine Identität?

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Zappenduster wurde es auch für die Glühbirne, die am ersten September ihren Abgesang hatte. Der hohe Energieverlust durch Abwärme weicht damit endgültig dem Gift der Energiesparlampe.
 
Wiedereinführung des „WIT“-Kennzeichens hat zu einem Ansturm aufs Straßenverkehrsamt geführt.
Die Punk-Gören von „Pussy Riot“ sind im Knast, Deutschland ist wieder nicht Fußball-Europameis­ter geworden, wir sind Thomas Gottschalk als „Wetten, dass...“-Moderator los und ersticken an Koch-Sendungen.

Alles Themen, die uns beim Jahresrückblick nicht die Bohne interessieren. Uns interessieren nur die wirklich wichtigen Sachen. Und was könnte es Wichtigeres geben als die Wiedereinführung des „WIT“-Kennzeichens?
Das hat zu einem regelrechten Ansturm aufs Straßenverkehrsamt geführt. Zunächst sah es nicht so aus, dass der entsprechende Antrag vom Kreis genehmigt werden würde, mit der Begründung, der Kreis fürchte um seine Idendität. Doch da abzusehen war, wie viele Wittener lieber „ihr“ Kennzeichen montieren wollten und welche Mehreinnahmen dadurch möglich waren, ließ man einfach mal fünfe gerade sein.
Abkassiert wird vor allem bei den „Ummeldern“. Während diejenigen, die ihr Auto mit dem Wunschkennzeichen WIT anmelden, neben den üblichen Gebühren mit schlappen 12,80 Euro und neuen Schildern dabei sind, wird es für die Autofahrer, die ihr EN-Kennzeichen gegen eines mit WIT austauschen möchten, deutlich teurer. Hier werden 40 Euro für Gebühren, und weitere 40 Euro für neue Schilder und die Feinstaubplakette, fällig. Wen interessiert da noch eine Identität?
So beliebt wie das alte neue Kennzeichen ist, so unbeliebt ist die Baustelle am Crengeldanz. Was zu Beginn der Bauphase und der einseitigen Sperrung dazu führte, dass viele Autofahrer ihrem Ärger Luft machten, indem sie in der Unterkrone zum Ausweichen in Wildwest-Manier über die Bürgersteige nagelten.
Die Sheriffs waren gelegentlich auch zugegen und sorgten für Ruhe und Ordnung im Distrikt, aber sobald sie weg waren, ging das Räubern über die „Curbs“ weiter. Ich selbst fahre ja schon nach meinen eigenen Gesetzen Auto, aber als Kavaliersdelikt würde selbst ich das nicht mehr bezeichnen, denn es soll tatsächlich schon vorgekommen sein, dass jemand aus einem Hauseingang auf den Bürgersteig tritt. Aber das ist noch gar nichts gegen die völligen Idioten, die auf der Voede­straße einen Gullydeckel aus dem Schacht gehoben und auf die Fahrbahn gelegt hatten. Hier würde ich nicht nur bis in den Wilden Westen, sondern bis ins Mittelalter zurückgehen.
Für viele Eckkneipen gehen vielleicht bald die Lichter aus. Denn die Landesregierung will das Rauchen in Kneipen ab dem 1. Januar 2013 generell verbieten. „Zum Schutz der Nichtraucher“, wie es offiziell heißt. Dass die meisten Nichtraucher laut Umfragen überhaupt nicht vor den bösen Rauchern geschützt werden wollen, interessiert dabei nicht wirklich.
Zappenduster wurde es auch für die Glühbirne, die am ersten September ihren Abgesang hatte. Der hohe Energieverlust durch Abwärme weicht damit endgültig dem Gift der Energiesparlampe - fortschrittlich, intelligent und umweltbewusst.
Offiziell sind wir wieder im Konjunkturaufschwung, ohne wirklich persönlich etwas davon zu merken. Aber allein der Gedanke an den Konjunkturaufschwung scheint Grund genug zu sein, um im nächsten Jahr einiges teurer werden zu lassen. Allen voran den Strom. Aber zum Glück gibt es ja Energiesparlampen. Wie weit das mit dem Konjunkturaufschwung wirklich her ist, zeigt die Begründung der Stadtwerke für die Strompreiserhöhung.
Aus wirtschaftlichen Gründen sei es den Stadtwerken nicht möglich, die Erhöhungen der gesetzlichen Abgaben für die Kunden aufzufangen.
Hundehalter werden in 2013 ebenfalls weniger zu lachen haben. Nach der ­drastischen Erhöhung der Hundesteuer sollen ab Januar straßenweise Kontrollen mit Befragung der einzelnen Haushalte erfolgen. Ob da nicht vielleicht endlich mal der verhasste Nachbar denunziert werden kann? Aber immerhin sind in Witten ja schon mehr als 5 000 Hunde angemeldet. Und wir wollen schließlich auch niemanden auf dumme Gedanken bringen.
Dass man sich auch ohne Nachbarn in die Wolle kriegen kann, zeigt die Stadtbücherei. Nun kann sie theoretisch schon am gleichen Standort bleiben, weil der Investor mitspielt, aber frei nach dem Sprichwort „Viele Köche verderben den Brei“ ist nicht klar, ob sie das auch tun wird. Denn innerhalb der Bürgerwerkstatt konnten sich die beteiligten Parteien auch nach einem Jahr Beratungszeit nicht auf einen Kompromiss einigen. Entscheiden werden nun die Bürger.
Diesbezüglich hätte ich einen Vorschlag, der Witten ganz nach vorne bringen würde: Die Stadtbücherei wird abgerissen und stattdessen am selben Ort eine weitere Filiale der Stadtgalerie errichtet, um die Ruhrstraße neu zu beleben. Die Bücherei zieht ins Märkische Museum, dass seinerseits seine Exponate im Rathaus ausstellt, dann werden sie wenigstens auch mal betrachtet. Das Standesamt zieht in den Keller des Saalbaus und das Stadtarchiv stattdessen in die Ruine Hardenstein, da sie das wesentlich schönere Ambiente bietet.
Aber letztendlich ist das ohnehin alles für den hohlen Zahn, da das Jahr 2013 nicht nur Zukunftsmusik ist, sondern vor allem theoretischer Natur, da die Welt bekanntlich am 21. Dezember untergegangen ist.
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