FAIRPLAY: viel zitiert, aber wenig eingehalten - König Fußball zeigt sein hässliches Gesicht

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Hans Gerd Henning, Vorsitzender der Schiedsrichter-Gruppe Witten: "Unfassbar, was da auf den Plätzen so abgeht ..." Foto: amö
Fußball, die schönste
Nebensache der Welt?
Von wegen. Trotz aller „Fairplay“-Appelle zeigt „König Fußball“ Wochenende für
Wochenende sein hässliches Gesicht.

Trainer, die an der Außenlinie Amok laufen, Spieler, die rücksichtslos Ellenbogen-Checks austeilen und Schiri-Entscheidungen anzweifeln, Zuschauer, die sich gnadenlose Prügelduelle liefern, lebensgefährliche Bengalos abfackeln und ungeniert rassistische Parolen grölen  - Vorbilder für den Kicker-Nachwuchs und Amateur-Fußballer sehen sicherlich anders aus.

Trotz aller Appelle zum Fairplay: In den Arenen der höchsten deutschen Spielklassen wird unbeeindruckt weiter gemotzt, geholzt und geprügelt. Kein Wunder, dass auch bei den Freizeit-Fußballern in den untersten Ligen sowie sogar im Jugendbereich Fairness und Achtung vor Gegnern und Schiedsrichtern allgemein nicht sehr ausgeprägt sind. Vielmehr könnte man annehmen, dass das Wort „Fairplay“ bei manch sogenannten Fußballfans ein total unbekannter Terminus zu sein scheint.

Und auch in der Wittener Fußballszene geht es nicht immer schiedlich-friedlich zu. Negativer Höhepunkt in puncto Gewalt auf einem Fußballplatz der Ruhrstadt war der 18. September anno 2005. An jenem Tag wurde das vielzitierte Fairplay nach dem Schlusspfiff des B-Liga-Ortsderbys
FC Witten 92 gegen VfB Witten 30 sprichwörtlich mit den Füßen getreten. Ein zufällig anwesendes Fernsehteam fing die brutalen Szenen ein - und anderntags flimmerten vor einem fassungslosen Millionenpublikum die unglaublichen Wittener Geschehnisse über den Bildschirm.

Auch aktuell werden wieder einige unliebsame Vorfälle vor der Bochumer Kreis-Spruchkammer verhandelt. „Einfach unfassbar, was auf den Plätzen alles so abgeht. Für mich ist das auch ein Spiegelbild der Gesellschaft“, findet Wittens 58-jähriger Schiri-Obmann Hans Gerd Henning. „Ob Spieler, Zuschauer oder Funktionär - und das unabhängig vom Bildungsstand -, die Achtung vor dem Schiedsrichter tendiert gegen null. Fast jede Entscheidung des Spielleiters wird erst mal hinterfragt. Und Meinungsverschiedenheiten werden nicht verbal, sondern - die Hemmschwelle liegt da sehr niedrig - sofort mit Fäusten ausgetragen. Nachvollziehbar, dass der Schiedsrichter-Job nicht sehr begehrt ist. Derzeit fehlen uns 126 Schiris im Kreis Bochum. Ich bin seit 34 Jahren im Geschäft. Und wenn ich heute noch mal vor der Wahl stünde - ich würde mir das reiflich überlegen, noch einmal Schiedsrichter werden zu wollen“, betont Henning, seit 17 Jahren Vorsitzender der Schiedsrichter-Gruppe Witten.
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