Fauseweh kennt sich mit Tauben aus

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Heinz Fauseweh mit einer seiner Brieftauben.
 
Die weiblichen Tauben mögen ein schönes Bad auch im Winter.

Sie waren die Vorreiter der Luftpost, transportierten Nachrichten binnen weniger Stunden schneller und weiter, als es auf dem Boden möglich war. Heute werden Brieftauben nahezu ausschließlich für den sportlichen Wettbewerb gehalten. Einer, der sich mit da besonders gut auskennt, ist der Alpener Heinz Fauseweh.

„In Neukirchen, in der Kolonie, wo ich groß wurde, da war fast in jedem dritten Haus ein Schlag“, erinnert er sich seiner Kindertage. Allerdings war das Halten der Tauben damals auch einfacher. „Da hat man zwei Pfannen aus dem Dach gehauen, ein Fenster rein und fertig war der Taubenschlag“, skizziert er etwas überspitzt jene Zeiten. Heute sei es durch das Baurecht viel schwieriger, ein Schlag zu errichten. Wenn es in solch einem Fall einmal zu Rechtsstreitigkeiten kommt, könnten diese Fauseweh auf den Plan rufen. Seit einigen Monaten ist der passionierte Brieftaubenzüchter nämlich einer von zwei Brieftauben-Sachverständigen in ganz Deutschland.
„Das Sachverständigenwesen ist in der Gewerbeordnung gesetzlich geregelt“, erklärt Fauseweh, „da steht auch drin, wer einen Sachverständigen bestellen darf und wer ihn vereidigt.“ Vereidigt wurde er bei der IHK Duisburg, bestellt werden wird er vorrangig von Gerichten. „Wenn ein Richter sich nicht auskennt, holt er einen Sachverständigen“, fasst er zusammen. Kommt es also einmal irgendwo in Deutschland vor Gericht zu Streitigkeiten rund um das Brieftaubenwesen, kann es sein, dass der Alpener zur fachlichen Erläuterung vor Gericht gebeten wird.
Das können Fälle sein, die sich beispielsweise mit dem Flugverhalten der Tiere beschäftigen, weil ein Kläger sich durch die Tauben eines nahegelegenen Schlages gestört fühlt. Es kann auch um den Wert der Tiere gehen. Der beläuft sich nämlich zwischen 25 Euro und in extremen Fällen fünf- oder gar sechsstelligen Summen. „Werden Brieftauben verkauft, dann eigentlich nur noch zu Zuchtzwecken“, sagt Fauseweh. Häufiger hingegen sind wohl Streitigkeiten wegen ausgeliehener Tauben. Auch da geht es dann um den Wert einer nicht zurückgegebenen Taube. Da spielen dann Name, Renommee und Leistung des Züchters sowie die Abstammung der Taube eine Rolle. Auch können Versicherungen seinen Dienst in Anspruch nehmen. Hat zum Beispiel ein Hund oder eine Katze in einem Schlag gewütet und die Versicherung muss Ersatz leisten, will sie genau wissen, was die Brieftauben wert waren.
Der Wert richtet sich auch nach den Preisen, die eine Brieftaube errungen hat. 150 bis 600 Kilometer betragen die Strecken bei den Wettbewerben, die von den Brieftauben so absolvieren sind. Dabei erreichen die Tiere Spitzengeschwindigkeiten über 100 Km/h. Als Mutterland des Brieftaubensports, der in Deutschland Mitte des 19. Jahrhunderts wachsenden Zuspruch fand, gilt Belgien. „Die sind marktführend“, gesteht Fauseweh, der selbst gestehen muss, dass sein bestes Paar auch aus Belgien stammt. Wie es den Tieren gelingt, sich so famos zu orientieren und zielstrebig den Heimatschlag zu finden, das kann er jedoch nicht erklären. „Dann hätte ich“, flachst er, „den Doktortitel und nicht den Sachverständigen.“
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