VSR-Gewässerschutz: Starke Nitratbelastung gefährdet Trinkwasserqualität in Xanten!

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Harald Gülzow beim Wasserproben-Check. (Foto: privat)

134 Milligramm Nitrat pro Liter fanden die Mitglieder vom VSR-Gewässerschutz bei ihren Messungen im Oktober in einem privat genutzten Brunnen in Vynen. Nicht nur, dass das Wasser bei so starker Belastung nicht mehr zum Trinken geeignet ist, beim Bewässern im Garten kann es auch zur Nitratanreicherung in verschiedenen Gemüsesorten kommen. Weitere erhöhte Nitratbelastungen fanden die Umweltschützer auch in Oberbirten mit 94 Milligramm pro Liter, in Beek mit 100 Milligramm und in Marienbaum mit 86 Milligramm.

Insgesamt wurde das Wasser aus 47 privat genutzter Brunnen im Raum Xanten analysiert. In fast der Hälfte der analysierten Proben lag die Nitratkonzentration oberhalb des Grenzwertes für Trinkwasser der Weltgesundheits­organisation von 50 Milligramm pro Liter. Neben dem gesundheitlichen Aspekt der Grundwasserbelastung darf auch der ökologische nicht vernachlässigt werden.

Das mit Nitraten belastete Grundwasser sickert den Bächen in der Region zu und fließt dann über den Rhein weiter zur Nordsee. Dort wirkt das Nitrat als Dünger und fördert das Algenwachstum. Es kommt zur Eutrophierung. Was dort im Großen auffällt, können schon viele Gartenteichbesitzer im Kleinen beobachten. Sobald das belastete Grundwasser in ein stehendes Gewässer geleitet wird, führt es dort schon bei 25 Milligramm pro Liter zu einem enormen Algen- und Pflanzenwachstum. In über drei Viertel der untersuchten Brunnen wurde dieser ökologischen Wert schon überschritten.

Die Nitratauswaschung ins Grundwasser steigt nach Angaben des Vereins an, je größer die Menge an Gülle aus der Tierhaltung, der Gärreste aus den Biogasanlagen oder auch aus dem zugekauften mineralischen Düngemittel sind, die auf den Feldern und Gärten ausgebracht werden. Während der Einsatz der mineralischen Düngemittel zusätzliche Kosten verursacht, sieht es bei der Gülle und den Gärresten ganz anders aus.

Die Agrarindustrie stehe vor dem Problem, dass über das ganze Jahr zu viel von diesen stickstoffhaltigen Düngern "produziert" wird. Die gesetzlichen Bestimmungen mit Höchstgrenzen an Stickstoff aus Gülle und Mist pro Fläche stellen daher insbesondere für Massentierhaltungen und industrielle Biogasanlagen ein Problem dar. Die Betreiber müssen Landwirte suchen, die für sie diesen großen Düngeranfall auf den Feldern verteilen. Da in vielen Regionen die Bauern bereits ihre gesetzliche Höchstgrenze erreicht haben oder kein Interesse an dem Dünger aus der Agrarindustrie haben, muss dieser immer weiter transportiert werden. So tauchen bereits in Landstrichen ohne industrielle Agrarindustrie LKWs mit Gülle oder Gärreste auf, die dort von manchen örtlichen Landwirten gegen Bezahlung über den Feldern verteilt werden. Je weiter die Fahrtstrecken sind, umso teurer wird jedoch für die Betriebe die Entsorgung. Da die Wege dieser gigantischen hohen Düngemenge nicht lückenlos überwacht werden können, kommt es regional zu enormen Grundwasserbelastungen.

Der VSR-Gewässerschutz fordert, dass nicht nur Höchstmengen eingehalten werden müssen, sondern eine Düngung außerhalb der Zeiten, in denen Pflanzen den Dünger benötigen, verboten wird. Es müsse auch bedacht werden, welche Fahrtstrecken zu den angenommenen Feldern für die Betriebe noch wirtschaftlich sind - ansonsten bleiben es Zahlen auf dem Papier und der Grundwasserschutz auf der Strecke", so Susanne Bareiß-Gülzow, Vorsitzende im VSR-Gewässerschutz.

Die Gewässerschützer werden im nächsten Jahr weitere Messungen durchführen. Bürger, die sich an den Untersuchungen beteiligen möchten, können sich an die Umweltschützer wenden. Diese beraten interessierte Brunnenbesitzer in den Wintermonaten immer am ersten Freitag im Monat Vormittags unter der Rufnummer 02831 976523. Weitere Informationen können auch der Internet-Seite http://www.VSR-Gewässerschutz.de entnommen werden.
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